Die Reise war sehr schwierig. Ich verließ Äthiopien 2002 mit einer Gruppe Somali. Nach einer Woche kamen wir in Sudan an, wo wir drei Tage blieben. Von der sudanesischen Wüste aus sollte es weiter nach Libyen gehen. Doch ich war gezwungen, dort weitere zwei Tage zu bleiben, weil die sudanesischen Schlepper mehr Geld wollten. Ich gehörte zu einer Gruppe von 50 Menschen, die auf zwei Landcruiser verteilt waren - alle Äthiopier oder Eritreer. Nach elf furchtbaren Tagen in der glühenden Hitze kamen wir endlich an der libyschen Grenze an. Dort sollten uns libysche Schlepper abholen und nach Tripolis bringen, aber es geschah nichts. So mussten wir also eine weitere Woche mitten im Nirgendwo in der Wüste bleiben, während die Schlepper mehr Geld forderten, das wir schließlich gezwungen waren zu zahlen. Als wir gezahlt hatten, machten wir uns auf den Weg, nahmen aber eine längere Route, so dass wir von einem weiteren Schlepper abhängig wurden, der mehr Geld verlangte, weil er angeblich Probleme mit dem Fahrzeug hatte. Trotz unserer Proteste mussten wir wieder zahlen, um nach Tripolis zu kommen. Noch einmal gaben wir uns der Hoffnung hin, nun endlich nach Tripolis zu kommen. Aber wir wurden in den Bergen nahe der Stadt Wadan zurückgelassen.
Nach ein paar Tagen Fußmarsch erreichten ein paar meiner Gefährten die Stadt und kontaktierten einen weiteren Schlepper, der anbot, uns für 50 US-Dollar pro Kopf nach Tripolis zu bringen. Leider hatten ich und acht andere nicht genug Geld, so dass sie ohne uns aufbrachen. Nach einigen Stunden kehrte der Schlepper aber zurück und akzeptierte alles Geld, was wir ihm geben konnten, um uns an den Rand der Stadt Wadan zu bringen. Wir stimmten zu, weil wir große Angst hatten, mitten in der Wüste zurückgelassen zu werden.
Von Wadan konnten wir dank eines Helfers die Stadt Hun erreichen. Dort blieb ich mit zwei anderen Äthiopiern für einen Monat. Wir lebten bei einer Familie aus dem Tschad und ich arbeitete sehr hart, um genug Geld für die Reise nach Tripolis zusammen zu bekommen. Als ich genug Geld hatte, kontaktierte ich einen libyschen Soldaten, der uns für 70 Euro nach Tripolis brachte, wo ich drei Monate blieb. Dorthin ließ ich mir Geld für die Reise nach Italien schicken. Die Überfahrt auf einem zwölf Meter langen Holzboot dauerte 17 Tage. Während dieser Zeit erlebte ich, wie 70 Menschen starben. Meine Reise endete am 20. Oktober 2003 in Lampedusa.
Ich war in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. Ich wurde für 27 Tage im Krankenhaus aufgenommen und dann zu einem religiösen Institut in Palermo gebracht, wo ich bleiben konnte, bis mein Antrag auf politisches Asyl bewilligt wurde. Sobald ich meine Papiere hatte, musste ich das Institut verlassen und wohnte zwei Jahre in einem Wohnheim in Palermo. In dieser Zeit studierte ich, um einen Hochschulabschluss zu erlangen. Ich lernte Italienisch und besuchte einen Kurs für "kulturelle Mediatoren". Nach Abschluss des Kurses wurde ich von Ärzte ohne Grenzen angestellt.
Leider muss ich sagen, dass ich alles, was ich erreicht habe, meiner eigenen Stärke und der Hilfe einiger Freunde zu verdanken habe. Ich bekam keine Unterstützung von italienischen Behörden, obwohl ich ein Flüchtling bin.
| Italien | |
|---|---|
| Fläche: | 301 338 km² |
| Einwohner: | 59,855 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 4,2/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 4/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 78 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 83 J. |