Griechenland 2009: Ärzte ohne Grenzen leistete Hilfe für Migranten in zwei Abschiebungslagern im Norden des Landes. © Nondas Paschos /MSF
 
Griechenland 2009: Ärzte ohne Grenzen leistete Hilfe für Migranten in zwei Abschiebungslagern im Norden des Landes.


Griechenland

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Während der ersten neun Monate des Jahres 2011 kamen täglich etwa 1.000 Migranten an der griechischen Grenze an. Viele brauchten dringend medizinische Hilfe.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Der Fluss Evros, an der griechisch-türkischen Grenze, ist der Haupteintrittspunkt in Europa für unregistrierte Migranten. Im Jahr 2011 wurden die Grenzkontrollen verschärft: Ein Zaun wurde entlang der nördlichen Grenze errichtet und ein Team von Frontex, der EU-Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen, in den Nordosten entsandt. Daraufhin sank die Zahl der Migranten im Norden der Präfektur Evros fast um die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Im Süden der Präfektur hingegen verdreifachten sich die Zahlen fast. Die Migranten werden von der Polizei verhaftet, sobald sie das Land betreten. Sie werden registriert und erhalten einen Ausweisungsbefehl. Viele melden sich freiwillig bei der Polizei, da sie ohne Ausweisungsbefehl kein Bus- oder Zugticket kaufen können, um ihre Reise fortzusetzen.
  • 2010 lieferte Ärzte ohne Grenzen Hilfsgüter und leistete medizinische Hilfe an den Grenzpolizeistationen in Feres, Soufli und Tychero. Die Teams berichteten zudem über die kritische Lage von Migranten und Asylsuchenden, die sich in Auffanglagern befanden. Auch im Jahr 2011 blieben die sanitären Bedingungen dort schlecht. Der Notfall-Standard von einer Latrine für 20 Personen wurde während des Jahres um fast das Vierfache überschritten. Die Migranten erhielten auch keine Hilfsgüter wie Kochutensilien, Seife oder Decken, ganz zu schweigen von rechtlichen Informationen oder Beratung. Die Gesundheitsbehörden leisteten nur unregelmäßig basismedizinische Hilfe. Es gab kein medizinisches Überwachungssystem und keine Nachuntersuchungen in den Auffanglagern. Ärzte ohne Grenzen machte systematisch auf diese Missstände aufmerksam.
  • Im März begannen die Behörden, direkte medizinische Hilfe zu leisten. Daraufhin übergab Ärzte ohne Grenzen alle Aktivitäten. Im August jedoch stellte das Ministerium die Arbeit aufgrund von Geldmangel ein. Ärzte ohne Grenzen leistete erneut medizinische Hilfe und sorgte für Trinkwasser und Hygiene in fünf Auffanglagern. Im Oktober nahmen die Behörden ihre Arbeit wieder auf, woraufhin Ärzte ohne Grenzen ein zweites Mal die Aktivitäten übergab.
    Zwischen Januar und April sowie zwischen August und September führten die Teams fast 2.700 Sprechstunden durch und hileten mehr als 170 psychologische Beratungen ab. In Filakio verteilte Ärzte ohne Grenzen zudem Hilfsgüter wie Schlafsäcke, Waschutensilien, Handtücher, Zahnbürsten und Kleidung. Die Teams reparierten zudem verstopfte Toiletten und zerbrochene Fenster, desinfizierten Räume und verteilten Putzmittel, damit die Migranten ihre Zimmer sauber halten konnten.
    Im Bemühen, überfüllte Auffanglager zu vermeiden, trafen die griechischen Behörden die Entscheidung, die Menschen nicht länger als ein oder zwei Tage festzuhalten. Da viele Insassen aber kein Geld für die Weiterfahrt oder eine Unterkunft hatten, ließen sie sich außerhalb der Lager und Polizeistationen nieder, wo sie Wind und Wetter ausgesetzt waren. Unter ihnen waren auch viele Schwangere und kleine Kinder. Ärzte ohne Grenzen versorgte sie regelmäßig mit Schlafsäcken, warmer Kleidung und Seife.
Latrine
Plumpsklo
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

Ärzte ohne Grenzen leistet seit dem Jahr 2008 medizinische Hilfe in Griechenland.

 

01. Mai 2012
Fotos: Nondas Paschos /MSF



Länderinformationen

Griechenland
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Fläche:131 957 km²
Einwohner:11,238 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 4,4/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
4/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):77 J.
Lebenserwartung (Frauen):82 J.
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