Griechenland

Leben in der Warteschleife - Ärzte ohne Grenzen veröffentlicht Bericht über inakzeptable Lebensbedingungen in Internierungslagern

Jedes Jahr erreichen Zehntausende Migranten und Asylsuchende in Griechenland die südöstliche Grenze der Europäischen Union. Viele kommen aus Kriegsgebieten oder fliehen vor Verfolgung, Menschenrechtsverletzungen oder extremer Armut. Die meisten sind Afghanen. Es kommen aber auch Iraker, Somalier, Palästinenser und Menschen aus Pakistan. Immer häufiger sind Minderjährige und Familien unter ihnen. Einmal in Griechenland angekommen werden die illegalen Migranten und Asylsuchenden systematisch inhaftiert. Im Jahr 2009 waren es 36.472 Personen. Sie werden in Internierungslager oder Einrichtungen wie Polizeistationen gesperrt, in denen sie nach griechischem Recht bis zu sechs Monate festgehalten werden können. Und unter meist völlig inakzeptablen Bedingungen leben müssen, wie ein Bericht von Ärzte ohne Grenzen zeigt.

Mitarbeiter der Hilfsorganisation haben von August 2009 bis Mai 2010 in den drei Lagern Pagani auf der Insel Lesbos, Filakio in der Präfektur Evros und Venna in der Präfektur Rodopi psychologische Hilfe geleistet. Die dort Ankommenden hatten oft Traumatisches erlebt. Fast ein Drittel von ihnen sprach mit den Helfern über Angriffe durch bewaffnete Gruppen, Bombardierungen, Schläge oder andere Formen von Gewalt, die sie selbst oder andere in ihrer Anwesenheit in ihrer Heimat erlitten haben. Rund jeder zehnte Patient (9,5 Prozent) litt unter dem post-traumatischen Stresssyndrom (PTSD). Der Aufenthalt in den Lagern kann bestehende Probleme verstärken und zu neuen Traumata und psychologischen Leiden beitragen.

Vor allem eingesperrt zu sein war für die meisten eine schmerzvolle und unmenschliche Erfahrung. 39 Prozent der rund 300 Patienten litten unter Angstsymptomen, 31 Prozent unter Depressionen. Hinzu kommt, dass die Lebensbedingungen in den Lagern nicht den nationalen und internationalen Standards entsprechen. Manche waren konstant überfüllt und die Sanitärversorgung war sehr schlecht. Familien werden voneinander getrennt und können kaum miteinander kommunizieren. Zudem gibt es Berichte über Entwürdigung und Missbrauch durch die Polizei.

 

17. Juni 2010




Länderinformationen

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