Georgien
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Fast 20 Prozent der Tuberkulose-Fälle in Georgien gehören nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation zur Gruppe der multiresistenten Form der Krankheit. Ärzte ohne Grenzen arbeitet mit dem nationalen Tuberkulose-Programm zusammen und ermöglicht marginalisierten Bevölkerungsgruppen den Zugang zu medizinischer Hilfe.
Die Aktivitäten im Einzelnen
- Die Behandlung von Tuberkulose (TB) wurde in den 1950er Jahren entwickelt und ist ein langer und komplexer Prozess. Die Therapie schließt die tägliche Einnahme von Tabletten über einen Zeitraum von sechs bis acht Monaten ein. Dies fällt vielen Patienten schwer. Für eine Heilung von TB muss die Behandlung jedoch ohne Unterbrechung befolgt werden. Geschieht dies nicht, besteht das Risiko, dass sich eine medikamentenresistente TB-Form (DR-TB) entwickelt, deren Therapie noch länger und beschwerlicher ist.
- Das DR-TB-Projekt in Zugdidi, im Westen Georgiens, wurde im Jahr 2006 eröffnet. 2010 verfolgten die Teams erstmals einen flexiblen und multidisziplinären Ansatz zur Behandlung der medikamentenresistenten TB, bei dem die Patienten zuhause therapiert wurden. Medizinische und psychologische Mitarbeiter versuchten, alle medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Faktoren zu berücksichtigen, die den Patienten die regelmäßige Einnahme der Medikamente erleichterten. Es stellte sich heraus, dass es den Patienten leichter fällt, die Therapie durchzuhalten, wenn sie eine feste Struktur um sich haben. Trotz der schweren Nebenwirkungen der Tabletten gelang es rund 70 Prozent der Patienten, die Behandlung gut zu befolgen.
- Die große finanzielle Unterstützung durch den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria hat Georgiens Kampf gegen die multiresistente TB bestärkt. Das georgische Gesundheitsministerium öffnete im August 2008 ein neues TB-Krankenhaus in Tiflis. Außerdem übernahm es im September 2010 das Projekt von Ärzte ohne Grenzen in Zugdidi. Während des vierjährigen Projektes wurden 256 Patienten in das Behandlungsprogramm aufgenommen.
- Ärzte ohne Grenzen unterstützt weiterhin das nationale TB-Programm in Abchasien, einer separatistischen Region im Nordwesten Georgiens, bei der Behandlung von medikamentenresistenter Tuberkulose. Die Mitarbeiter klären die Patienten über die Krankheit auf und beraten sie, damit sie die Therapie durchhalten. Im Jahr 2010 wurden 36 neue Patienten in das Programm aufgenommen.
- Das Projekt von Ärzte ohne Grenzen, das Menschen in Abchasien den Zugang zu medizinischer Versorgung erleichterte, wurde beträchtlich verkleinert, da sich die nationalen Kapazitäten verbesserten. Das Projekt startete im Jahr 1993 und betreute auf seinem Höhepunkt 6.000 Patienten. Im Jahr 2010 wurden nur 108 Personen neu registriert. Die meisten von ihnen waren ans Haus gebunden und bettlägerig.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1993 in Georgien präsent.
31. Mai 2011
Fotos: Julie Damond / MSF