Georgien/Südossetien

Team von Ärzte ohne Grenzen erreicht Krankenhaus von Zchinwali

Ein Notfall-Team von Ärzte ohne Grenzen hat am Samstag die abtrünnige Region Südossetien erreicht und das Krankenhaus in Zchinwali besucht. In der Hauptstadt Südossetiens waren am 7. August Kampfhandlungen ausgebrochen. Derzeit unterstützt Ärzte ohne Grenzen Vertriebene in Tiflis (Georgien) und hat angeboten, medizinische Hilfe in Südossetien zu leisten.

Georgien 2008: Georgische Frauen weinen, als sie ihren Heimatort bei Tshinkvali etwa 100 Kilometer von Tiblisi verlassen. © REUTERS/Gleb Garanich, courtesy www.alertnet.org
Georgien 2008: Georgische Frauen weinen, als sie ihren Heimatort bei Tshinkvali etwa 100 Kilometer von Tiblisi verlassen.

Nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen Russland und Georgien hat sich die Situation nach und nach normalisiert. Bis Ende der vergangenen Woche war der Zugang nach Südossetien unmöglich, da Ärzte ohne Grenzen keine Erlaubnis bekommen hatte. Am 23. August konnte ein Team von Ärzte ohne Grenzen endlich das Krankenhaus besuchen und die Direktion treffen.

"Die zwei stellvertretenden medizinischen Direktorinnen sagten uns, dass die lokalen medizinischen Teams unter sehr schwierigen Bedingungen Nothilfe geleistet und die russischen Behörden sehr schnell wichtige Mittel bereitgestellt hätten", berichtete Filipe Ribeiro, Koordinator des Nothilfeprogramms von Ärzte ohne Grenzen in Georgien.

Im Zuge des Besuchs stellte das Notfallteam fest, dass aus Zelten ein Behelfskrankenhaus errichtet wurde. Schwer Verletzte wurden nach Nordossetien überwiesen. Außerdem werden aus Russland Hilfsgüter bereitgestellt. "Wir müssen nun die noch nicht abgedeckten Bedürfnisse erheben", sagte Filipe Ribeiro. Derzeit wird über die mögliche Hilfe beraten, die Ärzte ohne Grenzen für die Gesundheitszentren und Krankenhäuser Südossetiens leisten kann.

Ärzte ohne Grenzen hofft, dass die Teams die Erlaubnis erhalten, für weitere Einschätzungen nach Zchinwali und in andere Gegenden zurückzukehren.

In Georgien haben die Kampfhandlungen massive Vertreibungen ausgelöst. In der georgischen Hauptstadt Tiflis leisten Notfallteams von Ärzte ohne Grenzen an mehreren Orten medizinische Hilfe für die Vertriebenen. Seit 14. August wurden 497 medizinische Konsultationen durchgeführt. Außerdem haben die Teams Hygiene-Kits mit Seife, Zahnpasta, Kerzen und Trinkbechern verteilt. Zusätzlich wurden in anderen Regionen Georgiens (Imeretien und Samegrelo) Evaluationen durchgeführt, weitere Hilfsmaßnahmen sind für die nächste Zukunft geplant. Zwei seit längerem bestehende Programme zur Behandlung von medikamentenresistenter Tuberkulose in Georgien und der abtrünnigen Region Abchasien laufen indes weiter.

Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

 

25. August 2008

Fotos: REUTERS/Gleb Garanich, courtesy www.alertnet.org



Länderinformationen

Georgien
Georgien
Fläche:69 700 km²
Einwohner:4,364 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 4,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
41/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):68 J.
Lebenserwartung (Frauen):75 J.
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