Frankreich
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Viele Asylbewerber in Frankreich erhalten keine Aufenthaltsgenehmigung oder ihre Asylanträge werden abgelehnt. Wer über keinen legalen Status verfügt, hat große soziale Nachteile: kein Wohnrecht, keine Sozialhilfe, keine Arbeitserlaubnis. All das erschwert den Zugang zu medizinischer Hilfe.
- Im Jahr 2007 eröffnete Ärzte ohne Grenzen in Paris ein Zentrum für Asylbewerber, die psychologische Hilfe benötigten. Die Patienten stammen vor allem aus Afghanistan, Tschetschenien, Guinea, Eritrea und Sri Lanka und sind vor bewaffneten Konflikten oder Verfolgung geflohen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen untersuchen die Patienten und stellen sicher, dass sie die notwendige medizinische und psychologische Hilfe erhalten. Das Projekt unterstützt vor allem diejenigen, denen es am schlechtesten geht und die weder Französisch sprechen noch eine Aufenthaltserlaubnis besitzen. Denn für sie ist der Zugang zu medizinischer Hilfe am schwierigsten. Im Jahr 2010 erhielten 210 Patienten psychologische Beratung.
- Unter den Patienten gibt es besonders häufig Angststörungen: 40 Prozent sprechen von Selbsttötungsgedanken. Viele haben traumatische Erfahrungen in ihrer Heimat, auf der Reise oder in Europa gemacht. Die Unsicherheit ihrer aktuellen Lebenssituation kann den Stress erhöhen.
- Die Bedingungen für Migranten werden sich wahrscheinlich noch verschlechtern, da zum Jahresende 2010 Restriktionen in Kraft traten, die vor allem die medizinische Versorgung von notleidenden Ausländern, Migranten ohne Papiere und Ausländern mit schweren Krankheiten, die in ihrer Heimat nicht behandelt werden können, betreffen.
- Ein Ausbruch von Krätze Mitte 2009 führte dazu, dass Ärzte ohne Grenzen im 10. Pariser Stadtviertel medizinische Konsultationen für obdachlose Migranten durchführte. Diese Arbeit lief 2010 weiter. Die Mitarbeiter gaben rund 1.900 Sprechstunden für etwa 400 Patienten.
- Im Mai 2009 eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein Gesundheitszentrum in einem Armenviertel in Mamoudzou, der Hauptstadt der französischen Insel Mayotte, die im Indischen Ozean liegt. Viele Menschen, die in diesem Armenviertel leben, haben keinen klaren legalen Status, obwohl fast die Hälfte von ihnen auf Mayotte geboren wurde. Der Zugang zur Gesundheitsversorgung für Menschen ohne klaren legalen Status wird durch eine zunehmend repressive Politik erschwert. (Im Jahr 2010 wurden 21.000 Personen auf die Komoren ausgewiesen.) Zwischen Mai und September leisteten die Teams Basisgesundheitsversorgung und führten rund 20.000 Sprechstunden für etwa 7.500 Patienten durch. Im September entschied Ärzte ohne Grenzen, die Aktivitäten einzustellen. Ziel des Projektes war es, marginalisierten Bevölkerungsgruppen den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Im Projektverlauf zeigte sich, dass schwerkranke Patienten tatsächlich behandelt werden, vor allem wenn es sich um Notfälle handelt. Als größte Hindernisse für medizinische Hilfe stellten sich der legale Status und die Angst vor Verhaftung heraus. Beides gehört nicht zu den Arbeitsbereichen von Ärzte ohne Grenzen.
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1987 in Frankreich aktiv.
31. Mai 2011
Fotos: Yoanis Menge