Thailand 2007: In Mae Sot an der Grenze zu Myanmar behandelt Ärzte ohne Grenzen in einem Tuberkuloseprojekt nicht-registrierte Migranten. © Francesca Di Bonito
 
Thailand 2007: In Mae Sot an der Grenze zu Myanmar behandelt Ärzte ohne Grenzen in einem Tuberkuloseprojekt nicht-registrierte Migranten.


Thailand

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Ärzte ohne Grenzen versorgt Vertriebene, gefährdete Bevölkerungsgruppen, ethnische Minderheiten und Migranten mit medizinischer Hilfe. Ohne diese Unterstützung hätten diese Menschen keinen Zugang zum Gesundheitssystem.

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Ende 2000 führt Ärzte ohne Grenzen in Thailand die antiretrovirale Therapie ein. Damit beweist die Organisation, dass es möglich ist, in weniger entwickelten Ländern die lebenslange und komplexe HIV/Aids-Pflege und -Therapie einzuführen. In enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und lokalen Partnern bietet Ärzte ohne Grenzen über die Jahre Tausenden Patienten Pflege und Behandlung an. Die Organisation unterstützt auch HIV/Aids-Patientengruppen und die thailändische Zivilgesellschaft in ihrem Kampf um qualitativ hochwertige und erschwingliche Medikamente, indem die Produktion von generischen Arzneimitteln gefordert wird. Thailand wird weithin gelobt für den universellen Zugang der Bevölkerung zur antiretroviralen Therapie und verbessert nach und nach die Qualität der verfügbaren HIV/Aids-Behandlung und Pflege. Es gelingt der thailändischen Regierung zudem, zunehmend Patienten ins nationale Gesundheitssystem aufzunehmen, die ethnischen Minderheiten angehören oder Migranten sind. Im Verlauf des Jahres 2008 übergibt Ärzte ohne Grenzen allmählich alle HIV/Aids-Projekte an die Behörden.

  • In Mae Sot, an der thai-burmesischen Grenze, behandelt Ärzte ohne Grenzen seit 1999 nichtregistrierte Migranten aus Myanmar, die an Tuberkulose (TB) oder multimedikamentenresistenter TB leiden (MDR-TB). Tuberkulose ist in Thailand und Myanmar endemisch und stellt ein ernstes Gesundheitsproblem für die Bevölkerung dar, die nur begrenzten Zugang zu medizinischer Hilfe hat. Im Jahr 2008 führen die Mitarbeiter mehr als 4.600 Sprechstunden durch. 319 Patienten werden positiv auf TB getestet und 43 Patienten beginnen ihre MDR-TB-Therapie. Ärzte ohne Grenzen bietet den HIV-Positiven und koinfizierten Patienten auch HIV/Aids-Pflege und antiretrovirale Medikamente an. 2008 führen die Mitarbeiter 2.085 HIV-Konsultationen durch und nehmen 52 neue HIV/Aids-Patienten ins Projekt auf.

  • In Sangklaburi, entlang der Grenze zu Myanmar, betreut Ärzte ohne Grenzen ein grenzüberschreitendes Malariaprojekt, das Menschen versorgt, die zum Volksstamm der Mon gehören und in Siedlungen und Dörfern des burmesischen Bundesstaates Mon leben. Malaria ist in dieser Region endemisch. Ärzte ohne Grenzen führt 2008 mehr als 13.540 Sprechstunden durch, bestätigt 4.360 Malariafälle und verteilt 8.381 Moskitonetze. Der Bedarf von fast 16.700 Bewohnern wird so gedeckt. Die Mitarbeiter versorgen zudem neun Gesundheitsposten im Bundesstaat Mon mit wichtigen Medikamenten und führen regelmäßig kleinere Impfaktionen durch.

  • Seit Juli 2005 leistet Ärzte ohne Grenzen Basisgesundheitsversorgung für die aus Laos stammenden Hmong im Dorf Huai Nam Khao, das in der Provinz Petchabun liegt, im Norden Thailands. 2008 repatriiert die thailändische Regierung mehr als 2.000 Menschen nach Laos. Ende des Jahres verbleiben nicht mehr als 5.700 Hmong in Petchabun. Aus Protest inszenieren die Hmong einen Marsch, Hunderte treten in Hungerstreik, und das Camp wird in Brand gesetzt. Die Vertriebenen verfügen danach wochenlang nur über einen beschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu geeigneten Latrinen. Ärzte ohne Grenzen ist die einzige Hilfsorganisation in der Provinz Petchabun und kritisiert mehrfach die Zwangsrepatriierung der Hmong. 2008 führen die Mitarbeiter mehr als 27.600 Konsultationen durch, vor allem aufgrund von Atemwegsinfektionen, Durchfall und Hauterkrankungen. In dieser Zahl enthalten sind auch 2.500 vorgeburtliche Sprechstunden, die einen Schwerpunkt des Projekts darstellen. Drei Psychologen bieten zudem seelische Unterstützung an. Ärzte ohne Grenzen ist auch verantwortlich für die Verteilung von Nahrungsmitteln und sonstigen Hilfsgütern im Lager.

  • In Phang Nga versorgt Ärzte ohne Grenzen nichtregistrierte Migranten medizinisch, die von Myanmar aus die Grenze passieren, um in Thailand zu arbeiten. Die Mitarbeiter betreuen mobile Kliniken an den Arbeitsstätten der Migranten und unterstützten das lokale Krankenhaus sowie Gesundheitsposten. Im Jahr 2008 geben sie mehr als 3.600 medizinische Sprechstunden im ambulanten Gesundheitszentrum des Krankenhauses und nehmen 235 Patienten stationär auf. Außerdem führen sie mehr als 1.500 vorgeburtliche Konsultationen und 222 Entbindungen durch. Im Dezember beginnt das Team mit der Übergabe aller Aktivitäten. Dies wird bis Mitte 2009 abgeschlossen sein.

Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Latrine
Plumpsklo
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1985 in Thailand aktiv.

 

Juli 2009
Fotos: Francesca Di Bonito



Länderinformationen

Thailand
Thailand
Fläche:513 115 km²
Einwohner:67,386 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,4/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
18/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):68 J.
Lebenserwartung (Frauen):74 J.
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