Sri Lanka
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Der 26-jährige Bürgerkrieg in Sri Lanka endete im Mai 2009. Hunderttausende Menschen, die aus ihren Häusern im Norden des Landes vertrieben und in Lagern untergebracht worden waren, wurden Anfang 2010 wiederangesiedelt oder konnten nach Hause zurückkehren. Ärzte ohne Grenzen passte die Projektaktivitäten dieser Entwicklung an.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Ende 2009 startete Ärzte ohne Grenzen ein Rehabilitations-Projekt im Krankenhaus in Pampaimadhu, nahe der nördlichen Stadt Vavuniya. Hier wurden Patienten behandelt, die Rückenmarksverletzungen aufwiesen. Solche Verletzungen sind in Konfliktregionen häufig, da Granatsplitter, Gewehrkugeln oder Explosions-Druckwellen das Rückenmark verletzen können. Die Opfer werden oft von der Verletzungsstelle abwärts empfindungslos oder sogar gelähmt. Häufig verlieren sie die Kontrolle über ihre Blase und ihren Stuhlgang. Dieses innovative Projekt integriert medizinische Behandlung, Physiotherapie und psychologische Unterstützung.
Durch tägliche körperliche Reha-Aktivitäten verbesserte sich die Beweglichkeit der Patienten. Die Mitarbeiter führten 840 Beratungsgespräche durch und nahmen im Jahr 2010 rund 40 neue Patienten in das Projekt auf.
Im allgemeinen Krankenhaus in Vavuniya baute Ärzte ohne Grenzen einen Operationssaal für rekonstruktive orthopädische Chirurgie und entsandte chirurgische Fachärzte, Anästhesisten und Pflegekräfte, die Patienten mit komplizierten Kriegsverletzungen operierten. Die Patienten erhielten zudem langfristige postoperative Versorgung, um ihre vollständige Genesung zu garantieren. Im Jahr 2010 wurden dort 58 chirurgische Eingriffe ausgeführt.
- Ab November 2010 bot Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit den Behörden psychologische Trauma-Beratung im Distrikt Kilinochchi an, der im äußersten Norden Sri Lankas liegt. Die meisten Patienten litten darunter, dass sie Familienmitglieder während des Konflikts verloren hatten oder sie noch vermissten. Die Teams führten Einzel- und Gruppensitzungen durch.
- Viele Vertriebene, die in dem von der Regierung betreuten Lager „Menik Farm“ lebten, waren in der letzten Phase des Bürgerkriegs schwer traumatisiert worden. Anfang 2010 begann Ärzte ohne Grenzen, diese Menschen psychologisch zu unterstützen. Das Team behandelte rund 1.520 Patienten und führte im Jahr 2010 etwa 4.300 Beratungsgespräche durch. Ende November wurde das Projekt geschlossen, da viele Vertriebene nach Hause zurückkehrten. Gleichwohl leisteten die Mitarbeiter psychologische Hilfe für viele Rückkehrer im Distrikt Mullaitivu.
- Einige der heftigsten Kämpfe gegen Ende des Bürgerkriegs wurden im Distrikt Mullaitivu ausgetragen. Gegen Ende des Jahres 2010 kehrten viele Vertriebene in ihre Heimat zurück. Ärzte ohne Grenzen bot im Distriktkrankenhaus die Versorgung von Notfällen, gynäkologische und geburtshilfliche sowie chirurgische Unterstützung an. Die Teams verbesserten die Wasser- und Abfallversorgung im Krankenhaus und renovierten das Labor.
Ende des Jahres arbeiteten ein Arzt und eine OP-Schwester in der Notaufnahme. Sie führten 564 Konsultationen durch. Zudem boten Mitarbeiter in mobilen Kliniken basismedizinische Hilfe im Distrikt an.
- Ärzte ohne Grenzen unterstützte auch weiterhin das Krankenhaus in Point Pedro, der zweigrößten Einrichtung auf der Halbinsel Jaffna. Die Teams betreuten die Notaufnahme, Gynäkologie, Geburtshilfe und Chirurgie. In der Notaufnahme wurden fast 3.000 Sprechstunden gegeben, 390 Patienten auf die Intensivstation aufgenommen, 963 größere chirurgische Eingriffe und mehr als 4.200 vorgeburtliche Sprechstunden durchgeführt. Zudem entbanden die Mitarbeiter rund 1.130 Babys.
- Physiotherapie
- Krankengymnastik
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2007 wieder in Sri Lanka.
31. Mai 2011
Fotos: Kate Janossy