Die Anzahl der medizinischen Kräfte reicht in den Lagern nicht aus. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen hören von Patienten, dass es oft Tage dauert, bis sie einen Arzt sehen. Die Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums arbeiten sehr hart, es sind aber einfach zu viele Patienten. Viele von ihnen haben Verletzungen oder mussten sich einer Amputation unterziehen. Außerdem besteht großer Bedarf an physiotherapeutischer Betreuung. Patienten werden oft aus den überfüllten Krankenhäusern entlassen und in die Lager zurückgeschickt, in denen sie dann nicht die nötige postoperative Unterstützung bekommen.
Darüber hinaus gibt es in den meisten Lagern nachts keine ausreichende medizinische Betreuung. Damit liegt die Entscheidung, welche Verletzungen und Wunden in den Kliniken außerhalb des Lagers behandelt werden müssen, oft bei den Soldaten und Wärtern.
Die Menschen in den Lagern haben große psychische Probleme. Sie haben während der Kämpfe traumatische Erfahrungen gemacht, ihre Lieben verloren oder sind verwundet worden. Zu alledem ist es schwierig, zum normalen Leben zurückzufinden. Die Menschen leben in überfüllten Zelten, und es gibt kaum Arbeit in den Lagern. Sie haben nichts zu tun, außer von einer Verteilung von Nahrungsmitteln oder Gebrauchsgegenständen zur nächsten zu gehen. In den meisten Lagern können die Menschen nicht für sich selber kochen, sondern sind auf Gemeinschaftsküchen angewiesen. Eltern machen sich um ihre Kinder Sorgen, da der Schulbesuch so lange unterbrochen ist. Die Unsicherheit, wann sie die Lager verlassen können oder ihre Familien wiedersehen, verursacht große Angst.
Wir machen uns auch Sorgen, dass die akuten Bedürfnisse in den Lagern durch die bevorstehende Regenzeit steigen.
Es ist richtig, dass die Regierung sich bemüht hat, die Lager zu errichten und Hilfe anzubieten. Nichtsdestotrotz hat die medizinische Versorgung nicht das Niveau, das wir gerne hätten. Wir haben den Behörden angeboten, die Aktivitäten auszuweiten. Ärzte ohne Grenzen ist der Meinung, dass die Regierung eine Verpflichtung hat, die Zivilisten freizulassen und für eine angemessene Unterstützung zu sorgen.
Im Mai hat Ärzte ohne Grenzen ein Krankenhaus mit 150 Betten außerhalb der Camps von Menik Farm aufgebaut, das zwei Operationssäle und eine Intensivstation hat. Seit der Eröffnung sind mehr als 1.000 Patienten für medizinische und chirurgische Eingriffe aufgenommen worden. Die Menschen werden von den Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums in den Camps dorthin überwiesen. Hauptsächlich behandeln wir konfliktbedingte Verletzungen, Atemwegsinfektionen und pädiatrische Fälle. Eine Mütter-Versorgung hat auch gerade begonnen. Wir unterstützen weiterhin das Krankenhaus des Gesundheitsministeriums in Vavuniya mit Mitarbeitern in der Chirurgie, Pflege und Physiotherapie.
Neun Ernährungsberater arbeiten gemeinsam mit Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums in der Ernährungsabteilung der Kinderklinik. Ein Psychologe unterstützt eine lokale Nichtregierungsorganisation, indem er ihre Berater für die psychologische Betreuung der Patienten im Krankenhaus ausbildet. Ein Team mit 135 Pflegern hilft den Patienten bei ihren täglichen Aktivitäten, wie beim Essen und Baden. Einige von ihnen haben außerdem eine physiotherapeutische Ausbildung. Ärzte ohne Grenzen verteilt auch Kleidung, Wasserflaschen, Geld, Matten, Kissen und Bettlaken an mehr als 10.000 Patienten, da die meisten von ihnen nur mit ihrer Kleidung ankommen.
Im Krankenhaus des Gesundheitsministeriums in Pompaimadhu kümmern sich die Mitarbeiter um 180 verwundete Patienten, viele von ihnen mit Amputationen. 50 Patienten haben Rückenmarksverletzungen. Dabei geht es hauptsächlich um Physiotherapie, Chirurgie und das Anziehen.
Zudem sprechen wir mit den Behörden gerade darüber, ein Programm für Orthopädie und rekonstruktive Chirurgie im Krankenhaus von Vavuniya zu beginnen.
Ärzte ohne Grenzen hat keinen Zugang zu den Lagern, in denen wir nicht arbeiten. Wir waren daher bisher nicht in der Lage, eine unabhängige Begutachtung der Bedürfnisse der Vertriebenen durchzuführen.
Wir haben die Kapazitäten, die medizinische und psychologische Hilfe für die in den Lagern arbeiten Menschen auszuweiten. Bisher haben die Behörden unseren Antrag dafür aber abgelehnt.
| Sri Lanka | |
|---|---|
| Fläche: | 65 525 km² |
| Einwohner: | 20,047 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,5/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 12/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 72 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 77 J. |