Palästinensische Autonomiegebiete
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Der Konflikt nach der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Juni 2007 sowie der anhaltende israelisch-palästinensische Konflikt führten zu vielen Toten und Verletzten. Die palästinensische Bevölkerung ist physisch und psychisch schwer gebeutelt. Trotzdem gibt es zu wenige postoperative Maßnahmen wie Physiotherapie oder psychologische Beratung. Ärzte ohne Grenzen hilft in diesen Bereichen und versucht gleichzeitig, die Projekte an die wechselhafte Lage in den Palästinensischen Autonomiegebieten anzupassen.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Interne Konflikte im Gazastreifen führten im Juni 2007 zur Spaltung der palästinensischen Behörden: die Fatah-Regierung mit Sitz in Ramallah und die Hamas-Regierung mit Sitz in Gaza-Stadt. Die internen Kämpfe halten bis heute an und führen immer wieder zu Opfern.
- Auch der israelisch-palästinensische Konflikt geht weiter. Als Reaktion auf Raketenangriffe gegen Israel begann die israelische Armee am 27. Dezember 2008 eine breitangelegte Offensive. Bei der Operation "Gegossenes Blei" ebneten Luftangriffe und Bombardierungen den Weg für eine Bodenoffensive, die am 3. Januar 2009 startete. Bei dem 22-tägigen Krieg wurden 5.300 Personen verletzt und fast 1.300 Palästinenser getötet, darunter 300 Kinder.
- Als Reaktion auf die israelische Offensive unterstützte Ärzte ohne Grenzen die Krankenhäuser in Gaza mit medizinischem Material und Medikamenten. Aufgrund der intensiven Bombardements und der fehlenden Sicherheit mussten die Nothilfe-Aktivitäten eingeschränkt werden. Obwohl das postoperative Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen geöffnet blieb, trauten sich nur wenige Patienten dorthin. Am 18. Januar kündigte das israelische Militär einen Waffenstillstand an. Sofort begab sich ein chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen mit 21 Tonnen Hilfsgütern, darunter auch zwei aufblasbare Feldlazarette, nach Gaza-Stadt. In den darauffolgenden Tagen eröffneten die Mitarbeiter ein chirurgisches Nothilfe-Zentrum, um die Verwundeten zu behandeln, die operiert werden mussten. Von Januar bis zum Endes des Projektes im Juli führte das Team mehr als 500 Operationen durch. Gleichzeitig verstärkte es die psychologische Hilfe. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den einheimischen Nothelfern, wie Rettungsdienste und Ärzte, die während des Krieges viel aushalten mussten.
- Ärzte ohne Grenzen leistet postoperative Pflege und Physiotherapie für die Kriegsverletzten in drei Gesundheitszentren und mit Hilfe mobiler Kliniken. Noch immer werden 120 Patienten betreut. Zudem begannen die Mitarbeiter ein mikrobiologisches Projekt, um die Pflege von Wundinfektionen zu verbessern und Resistenzen gegen Antibiotika zu erforschen. 2009 wurden mehr als 1.900 Patienten behandelt. Dies waren drei Mal mehr als im Vorjahr.
- Im Jahr 2009 verbesserten die Mitarbeiter zudem die pädiatrischen Angebote. Das Team von Ärzte ohne Grenzen wurde aufgestockt, um das einzige auf Kinderheilkunde spezialisierte Krankenhaus im Gaza-Streifen zu unterstützen. Von Januar bis zum Ende des Projektes im September wurden mehr als 9.000 Kinder untersucht.
- Die psychologischen Folgen der israelischen Offensive im Januar waren besonders bei Kindern spürbar. Das Team von Ärzte ohne Grenzen wurde verstärkt, um den Zustrom der Patienten bewältigen zu können. Mehr als 400 neue Patienten, von denen mehr als die Hälfte unter zwölf Jahren waren, erhielten psychologische Hilfe.
- In Nablus betreut Ärzte ohne Grenzen ein Projekt für Menschen, die durch den Konflikt traumatisiert sind. Im Jahr 2009 wurden mehr als 300 neue Klienten psychotherapeutisch betreut. Das Team führte insgesamt rund 2.100 Beratungen durch.
- In der Stadt Hebron, im südlichen Westjordanland, läuft ein psychosoziales Projekt für die Opfer der weiterhin von Gewalt geprägten Situation.
- Physiotherapie
- Krankengymnastik
- Resistenz
- Eingeschränkte oder fehlende Sensitivität von Krankheitserregern gegenüber Medikamenten, die dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Resistenzen bilden sich, wenn Medikamente nicht vorschriftsmäßig oder über sehr lange Zeiträume eingenommen werden. Multimedikamentenresistente und extrem multimedikamentenresistente Formen einer Erkrankung sind besonders schwer oder gar nicht mehr behandelbar, zum Beispiel bei Tuberkulose.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1989 in den Palästinensischen Autonomiegebieten.
April 2010
Fotos: Valerie Babize