Die dreiwöchige israelische Offensive im Gazastreifen hat das Leben von mehr als 1.000 Palästinensern gekostet und Tausende Menschen verletzt. Ein Drittel derjenigen, die nach dem Einmarsch der Bodentruppen am 3. Januar 2009 starben, sollen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sein. Israelische Behörden haben diese Zahlen, die von palästinensischen Rettungsdiensten stammen, nicht infrage gestellt. Auf israelischer Seite wurden nach Angaben der Armee vier Zivilisten und zehn Soldaten getötet. Die Opferzahlen auf beiden Seiten, die im Verhältnis 1:100 liegen, zeigen, wie maßlos die Angriffe waren.
Ärzte ohne Grenzen ist seit beinahe vier Jahrzehnten in bewaffneten Konflikten präsent. Der israelische Angriff auf den Gazastreifen respektierte die Zivilbevölkerung genauso wenig wie die Kriege, die die Teams von Ärzte ohne Grenzen weltweit in den vergangenen Jahren erlebt haben.
Die Gewalt traf eine Bevölkerung, die gefangen war – die nicht fliehen konnte, um sich zu schützen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen arbeiteten während der Offensive Seite an Seite mit erschöpften palästinensischen Teams in völlig überfüllten Krankenhäusern. Viele Verwundete konnten aber gar nicht behandelt werden, weil sie nicht in die Kliniken gelangten oder weil die medizinischen Helfer die Verletzten nicht erreichten, da die Bombardierungen und Schießereien weder Krankenwagen noch Krankenhäuser, Verwundete oder medizinische Teams aussparten.
Die tägliche dreistündige Waffenruhe, die am 7. Januar 2009 in Kraft trat und nur Gaza-Stadt betraf, reichte nicht aus, um die Evakuierung und Notfallversorgung der Verwundeten zu organisieren. In der Umgebung wurde unablässig weiter bombardiert, und den Verwundeten konnte nicht geholfen werden. Sogar ein Krankenhaus wurde mit Granaten beschossen.
Die Forderung des humanitären Völkerrechts, zwischen Zivilisten und Kämpfern zu unterscheiden, gilt auch bei Konflikten in städtischen Gebieten. Die Regeln der Verhältnismäßigkeit, der Vorsichtsmaßnahmen und der abgestuften Reaktion müssen beachtet werden. Das Argument der „legitimen Verteidigung“, das die israelischen Behörden anführten, kann den schweren Schaden nicht rechtfertigen, den die Zivilbevölkerung erleidet.