Palästinensische Autonomiegebiete

Ärzte ohne Grenzen in Bereitschaft

Seit die Metallmauer, die Ägypten vom Gazastreifen trennt, vergangenen Mittwoch zu etwa zwei Drittel durch Sprengstoffe zerstört wurde, überqueren Hunderttausende Palästinenser die Grenze. Sie wollen in ägyptischen Geschäften Lebensmittel einkaufen und so der von Israel verhängten Blockade entkommen.

Die Blockade wurde am 18. Januar verhängt und ist nach wie vor in Kraft. Nur Treibstoffe und Medikamente dürfen phasenweise in den Gazastreifen geliefert werden. Der Grenzübergang zwischen dem Gazastreifen und Israel in Erez ist nur für internationale humanitäre Helfer und Journalisten sowie für dringende Krankentransporte geöffnet (zwischen dem 18. und dem 23. Januar konnten 79 palästinensische Patienten die Grenze zu Israel überqueren. Quelle: OCHA, Büro der Vereinten Nationen zur Koordinierung von Nothilfeeinsätzen).

 

Viele Patienten erscheinen nicht zur Nachbetreuung

Am Donnerstag hat ein Mediziner von Ärzte ohne Grenzen erneut eine Evaluierung der Krankenhäuser im Gazastreifen durchgeführt, in denen nur Notfälle behandelt und nach wie vor keine geplanten Operationen durchgeführt werden können.

Nur drei Kliniken verfügen über genug Treibstoffe für die Stromgeneratoren, und während der Stromausfälle ist der Betrieb auf die Intensivstation, die Notaufnahme und die Operationssäle beschränkt.

Die Verteilung der Medikamente erfolgt nach dem Zufallsprinzip: Am vergangenen Mittwoch landeten Medikamentenlieferungen aus Ägypten direkt in der pharmazeutischen Zentrale des palästinensischen Gesundheitsministeriums.

Die Hälfte der Patienten von Ärzte ohne Grenzen, die eine post-operative Betreuung benötigen, erschienen am vergangenen Mittwoch nicht in der Klinik. Rund zehn Prozent von ihnen kamen auch am Donnerstag nicht.

Aufgrund der fehlenden Treibstoffe funktionieren auch die Tankstellen nur sporadisch, und etwa die Hälfte der Bevölkerung des Gaza-Streifens hat keinen Zugang zu Trinkwasser.

Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

Ärzte ohne Grenzen bleibt wachsam ...

... und wird weiterhin die Lage in den Krankenhäusern im Gazastreifen regelmäßig evaluieren.

Der Vorrat an medizinischem Notmaterial (Verbände, Medikamente und anderes Material) liegt in der zentralen Apotheke von Ärzte ohne Grenzen in Gaza Stadt bereit. Die medizinische Hilfe der Organisation wird an den weiteren Verlauf der Ereignisse und an den Bedarf angepasst. So könnte die Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Khan Younis, im Süden des Gaza-Streifens, gegebenenfalls Verwundete aufnehmen und behandeln.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen betreuen die Menschen im Gazastreifen psychologisch sowie medizinisch und versorgen sie postoperativ. Seit Februar betreiben sie im Norden des Gazastreifens außerdem ein pädiatrisches Programm. Diese Aktivitäten werden trotz der Blockade fortgesetzt.

 

25. Januar 2008




Länderinformationen

Palästina
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