"Bereits zwei Minuten nach der Detonation strömten Verwundete in die Notaufnahme. Wir mussten schnell entscheiden, wer am dringendsten eine Operation benötigt. Die Verwundeten hatten schwere Kopfverletzungen, mehrfache Knochenbrüche, schwere Verletzungen am Oberkörper und viele Splitter in Armen und Beinen", erzählt Brian Moller, Projektleiter von Ärzte ohne Grenzen in Hangu. "Sieben Notfälle wurden gleich operiert, vier wurden ins Krankenhaus der Stadt Peschawar überwiesen und 21 sind noch im Krankenhaus, drei von ihnen in kritischer Verfassung. Trotz der zahlreichen Verletzten konnten wir in all dem Chaos, das auf die Explosion folgte, einige Menschenleben retten."
Am nächsten Morgen schickte Ärzte ohne Grenzen Verstärkung aus der Hauptstadt Islamabad. Auch der Chirurg aus dem Projekt in Peschawar unterstützt das Team in Hangu. Sowohl die internationalen Mitarbeiter als auch die pakistanischen Kollegen, die die schweren Verletzungen behandelt haben, werden psychologisch betreut. Sie hatten das Bedürfnis nach Unterstützung geäußert.
Auch Thomas Conan, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Pakistan, kam nach Hangu. "Die Krankenhausfenster wurden von der Druckwelle größtenteils zerstört. Das Labor und der Kreißsaal brauchen eine Grundreinigung, aber glücklicherweise ist kein zusätzlicher Schaden entstanden und kein Krankenhausmitarbeiter ist verletzt worden", erklärt er. "In dem Jahr, in dem wir in Hangu arbeiten, haben wir bereits mehr als 20 solcher Vorfälle erlebt, die alle eine große Zahl von Opfern gefordert haben."
Um angemessen auf diese Art von Notfällen reagieren zu können, müssen die Teams von Ärzte ohne Grenzen gut vorbereitet sein. Das Krankenhausteam ist daher darin trainiert worden, mit einem massenhaften Zustrom von Verletzten umzugehen und Behandlungsabläufe für solche Notfälle umzusetzen.
Um die Sicherheit von Patienten und medizinischem Personal zu gewährleisten, verbietet Ärzte ohne Grenzen jegliche Waffe auf dem Krankenhausgelände und fordert alle Bürger, politische Parteien, Militär und oppositionelle Gruppen dazu auf, die Neutralität von Gesundheitseinrichtungen zu respektieren.
Ärzte ohne Grenzen war die erste nichtstaatliche Organisation, die die Klinik in Hangu unterstützt hat. Innerhalb eines Jahres haben unsere Teams mehr als 15.500 Patienten behandelt und 700 Operationen durchgeführt.
| Pakistan | |
|---|---|
| Fläche: | 796 095 km² |
| Einwohner: | 166,037 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,7/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 79/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 64 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 65 J. |