In der Provinz Sindh leisten die medizinischen Teams weiterhin mit mobilen Kliniken Hilfe. Während Durchfall- und Hauterkrankungen mancherorts deutlich abnehmen, leiden immer mehr Patienten an körperlichen Schmerzen und Erschöpfung - Folgen des enormen psychischen Stresses, den die Menschen erleben. Sie haben ihr Zuhause verloren, sie müssen unter unhygienischen Bedingungen in Camps und Notunterkünften leben, es fehlt an Nahrung und Trinkwasser. Ärzte ohne Grenzen leistet daher psychologische Hilfe für fast 600 Patienten.
In den Provinzen Sindh und Belutschistan untersuchen die Teams zudem Tausende Kinder auf Mangelernährung und behandeln erkrankte Kinder ambulant und stationär. Da sich die Nahrungsunsicherheit der Familien nach den Fluten verschlimmert hat und zudem in manchen Regionen zahlreiche Vertriebene Schutz suchen, sind die Patientenzahlen in einigen ambulanten Ernährungsprogrammen deutlich angestiegen. Zugleich ist es für die Teams eine Herausforderung sicherzustellen, dass die Kinder die ambulante Behandlung beenden können, da viele Vertriebene immer wieder an anderen Orten Schutz suchen.
Ohne sauberes Trinkwasser können sich zum Beispiel gefährliche Durchfallerkrankungen schnell ausbreiten. Daher verteilen Wasser- und Sanitärexperten von Ärzte ohne Grenzen jeden Tag mehr als eine Million Liter Trinkwasser, und errichten immer noch neue Latrinen, Waschplätze und Duschen. Zudem stellen sie im Ort Saifullah Canal in der Provinz Belutschistan zusätzliche Wasserpumpen und -tanks auf. Im Distrikt Jamshoro in der Provinz Sindh arbeiten Expertenteams in mehreren Gemeinden daran, die Sanitärsituation und das Abfallmanagement zu verbessern und klären die Bevölkerung über Hygienemaßnahmen auf.
Immer mehr Menschen kehren aus den Vertriebenenlagern in ihre Heimatorte zurück, auch wenn ihr Zuhause vom Regen und von den Überschwemmungen völlig zerstört worden ist. Ärzte ohne Grenzen wird zurückkehrende Familien in der Provinz Sindh mit der Errichtung von 2.000 Notunterkünften unterstützen. Eine solche Notunterkunft aus Bambus und Plastikplanen hat eine Fläche von 25 Quadratmetern. Außerdem stellt Ärzte ohne Grenzen Materialien zum Wiederaufbau der Häuser zur Verfügung. "Damit wir wissen, was die Menschen am meisten benötigen, arbeiten wir mit Gemeindevertretern zusammen", sagt Elisabetta Maria Faga, Katastrophenkoordinatorin in Sindh.
Unsere Teams verteilen zudem weiterhin Hilfsgüterpakete an Menschen, die bislang keine Hilfe erhalten haben. Im Distrikt Dera Murad Jamali in der Provinz Belutschistan zum Beispiel plant Ärzte ohne Grenzen die Verteilung von 2.500 Paketen.
Nachdem die Phase der akuten Katastrophenhilfe beendet ist, hat Ärzte ohne Grenzen die ersten Projekte des Fluteinsatzes geschlossen. In der Provinz Khyber Pakhtunkhwa haben die Teams in den Distrikten Nowshera und Charsadda von Ende Juli bis Mitte Oktober Trinkwasser bereitgestellt, Hilfsgüter und Zelte verteilt und mit mobilen Kliniken medizinische Hilfe geleistet. In der Provinz Punjab haben die Teams im Distrikt Muzaffargarh in den vergangenen zehn Wochen in einem Behandlungszentrum für Durchfallerkrankungen 4.400 Patienten behandelt. Da sich die medizinische Situation verbessert und die epidemiologische Situation stabilisiert hat, hat Ärzte ohne Grenzen die medizinischen Aktivitäten an das Gesundheitsministerium übergeben.
Im vergangenen Monat haben zudem 5.000 Familien in Punjab Hilfsgüterpakete erhalten, 2.300 Familien wurden mit Zelten versorgt, und Wasser- und Sanitärteams haben in drei Dörfern Brunnen gegraben, damit die Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben.
Projekte, die bereits vor den Fluten in den Provinzen Khyber Pakhtunkhwa und FATA bestanden, werden fortgeführt. Ärzte ohne Grenzen bietet weiterhin in vom Konflikt betroffenen Regionen vor allem sekundäre Gesundheitsversorgung an, inklusive Notfallchirurgie und Geburtshilfe.
| Pakistan | |
|---|---|
| Fläche: | 796 095 km² |
| Einwohner: | 166,037 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,7/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 79/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 64 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 65 J. |