Pakistan 2010: Sauberes Trinkwasser ist überlebenswichtig - Ärzte ohne Grenzen stellt täglich mehr als 300.000 Liter Wasser bereit. © Ton Koene
 
Pakistan 2010: Sauberes Trinkwasser ist überlebenswichtig - Ärzte ohne Grenzen stellt täglich mehr als 300.000 Liter Wasser bereit.


Pakistan

Das Beste geben - sich auf das Schlimmste vorbereiten

Plötzliche Katastrophen mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten haben oft viel weiter reichende Risiken für die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung zur Folge - bedingt durch schwierige Lebensumstände, mangelnde Hygiene sowie schlechten Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Grundversorgung. Die Überflutungen in Pakistan sind hier keine Ausnahme: Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen versuchen mit aller Kraft Epidemien zu verhindern und der betroffenen Bevölkerung lebenswichtige medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen.

 

Seit Beginn der Flutkatastrophe setzt Ärzte ohne Grenzen in den bestehenden Programmen in Khyber Pakhtunkhwa und Belutschistan die Gesundheitsversorgung fort. Zusätzlich weitet die Organisation ihre Aktivitäten aus: in den von den Überflutungen betroffenen Regionen Sindh und Punjab richtet Ärzte ohne Grenzen neue Gesundheitseinrichtungen sowie mobile Kliniken ein.

"Von mehr als 10.000 Behandlungen, die wir in den vergangenen zwei Wochen durchgeführt haben, sind die meisten Haut- und Atemwegserkrankungen und akuter Durchfall", sagt Dr. Ahmad Mukhtar, der medizinische Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Pakistan. "Bei einigen Patienten vermuten wir Cholera, aber noch warten wir auf die offiziellen Ergebnisse."

Etwa zehn Prozent der 10.000 Patienten, die die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in den mobilen Kliniken in verschiedenen Regionen Pakistans betreut haben, leiden an akutem Durchfall.

Atemwegserkrankungen
allgemeiner Ausdruck für ein großes Spektrum von Erkrankungen, die die Atemwege (Hals, Nasennebenhöhlen, Bronchien, Lunge) betreffen.
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.

 

Cholera - sehr ansteckend, aber leicht zu behandeln

Cholera ist in einigen Teilen Pakistans endemisch, so auch in der von den Überflutungen besonders betroffenen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Die vermuteten Cholera-Fälle wären also nicht sehr überraschend. Im Lower Dir-Distrikt in der gleichen Provinz hat Ärzte ohne Grenzen im August 2009 nach einem Cholera-Ausbruch 2.500 Patienten behandelt.

Cholera wird durch verunreinigte Nahrungsmittel und Trinkwasser übertragen und verbreitet sich unter unhygienischen Bedingungen sehr schnell. Wer sich mit Cholera angesteckt hat, kann kaum Wasser im Körper halten, was eine rasche Dehydrierung zur Folge hat. Über Rehydratationssalze kann dies aber relativ leicht wieder reguliert werden.

"Cholera ist eine ernstzunehmende akute Durchfallerkrankung. Dennoch bedeuten ein paar Verdachtsfälle noch nicht den Beginn einer Epidemie", fügt Dr. Ahmad Mukhtar hinzu. "Es ist wichtig, dass wir infizierte Patienten als solche diagnostizieren und entsprechend behandeln. Patienten mit akutem Durchfall behandeln wir wie Cholerapatienten. Unsere Mitarbeiter in den mobilen Kliniken und Krankenhäusern übernehmen die zentrale Rolle dabei, mögliche Cholera-Fälle in den Gemeinden zu diagnostizieren und zu behandeln."

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

Der Zugang zu sauberem Wasser ist lebenswichtig

Jeden Tag stellt Ärzte ohne Grenzen der betroffenen Bevölkerung in verschiedenen Landesteilen mehr als 300.000 Liter sauberes Wasser zur Verfügung. In der Umgebung von Nowshera und Charsadda sind mehrere Wassertanks aufgestellt, die regelmäßig gefüllt werden. An anderen Orten wie Swat arbeitet Ärzte ohne Grenzen mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um an öffentlichen Plätzen wie Moscheen und Schulen genügend sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen.

In ganz Pakistan hat Ärzte ohne Grenzen an bisher 50.239 Menschen unterschiedliche Notfallpakete verteilt. In Belutschistan beinhalten Hygienekits und Kochutensilien auch Chlortabletten, um Wasser zu reinigen, und Moskito-Netze, um Malaria-Infektionen vorzubeugen. Im Zusammenhang mit der Verteilung der Hilfsgüter werden die Menschen außerdem darüber aufgeklärt, wie man mit vorhandenen Mitteln Wasser am besten aufbereiten kann.

Ärzte ohne Grenzen ist darauf vorbereitet, auf einen möglichen Ausbruch von akutem Durchfall zu reagieren und mehr Patienten zu behandeln. In den meisten Einrichtungen, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeitet, stehen Notfall-Kits bereit. Die Teams hoffen, dass die umfassende Verteilung von Wasser und Notfallpaketen verhindert, dass sich Krankheiten wie Cholera, Hauterkrankungen, Typhus und Malaria ausbreiten.

Aber noch viel mehr ist notwendig um zumindest die Grundversorgung der betroffenen Menschen in Pakistan zu gewährleisten. Mehr als zwei Wochen, nachdem die Überflutungen eingesetzt haben, haben immer noch zu viele Menschen viel zu wenig Hilfe erhalten.

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.

 

16. August 2010

Fotos: Ton Koene



Länderinformationen

Pakistan
Pakistan
Fläche:796 095 km²
Einwohner:166,037 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,7/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
79/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):64 J.
Lebenserwartung (Frauen):65 J.
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