Pakistan 2010: Anwohner mit ihren Habseligkeiten auf einer Straße in Risalpu, Nowshera Distrikt. Foto: REUTERS/Adrees Latif, mit freundlicher Genehmigung durch www.alertnet.org © REUTERS/Adrees Latif, mit freundlicher Genehmigung durch www.alertnet.org
 
Pakistan 2010: Anwohner mit ihren Habseligkeiten auf einer Straße in Risalpu, Nowshera Distrikt. Foto: REUTERS/Adrees Latif, mit freundlicher Genehmigung durch www.alertnet.org


Pakistan

400.000 Menschen von schweren Überschwemmungen betroffen – Teams von Ärzte ohne Grenzen erkunden Lage

Von den Auswirkungen der schweren Regenfälle im Nordwesten Pakistans sind 400.000 Menschen betroffen. Sie haben zu massiven Zerstörungen von Häusern und Infrastruktur geführt. Ärzte ohne Grenzen evaluiert zurzeit die Situation, um über die Einsatzmaßnahmen zu entscheiden.

Teams der Organisation führen Erkundungen in den Distrikten Swat, Lower Dir, Dagai und Peshawar durch, um das Ausmaß der Zerstörung und die daraus folgenden Bedürfnisse der Bevölkerung zu ermessen. Eine der Erkundungen in der Stadt Bakthirabad im Distrikt Sibi wurde bereits zu ende geführt. Das Team wird dort am Sonntag Hygiene-Kits, Plastikplanen und Fertignahrung verteilen.

„Die Zerstörungen sind groß, und wir müssen noch ein klareres Bild erhalten, aus dem hervorgeht, wo Ärzte ohne Grenzen am dringendsten benötigt wird“, sagt Benoit De Gryse, Landeskoordinator der Organisation in Pakistan. „Die Lage wird dadurch verkompliziert, dass die Zerstörungen patchworkartig sind, und es Regionen gibt, wo die Menschen wegen der Überflutungen nur sehr schwer zu erreichen sind.“

Die Projekte von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Timurgara, in Lower Dir, sind komplett abgeschnitten, weil sämtliche Brücken, die in die Region führen, zerstört wurden. Die Organisation arbeitet aber in Timurgara weiter. Dort wurden zehn Patienten mit Verletzungen  in der Notfallaufnahme des Krankenhauses der Stadt versorgt, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wird. Die Organisation konzentriert sich darauf, die Trinkwasserversorgung dieses Krankenhauses sicherzustellen. Zudem errichten Mitarbeiter in den Distrikten in Swat, Lower Dir und Dargai  drei Cholerabehandlungszentren. Das Cholerabehandlungszentrum in Hangu besteht weiter.

„Das sind die schlimmsten Fluten seit Generationen in diesen Gebieten. Viele der Häuser sind aus Lehm gebaut, was sie anfällig macht für Zerstörungen. Viele Menschen können Gesundheitsstrukturen nicht erreichen, weil Regionen durch das Wasser abgeschnitten sind. Für die Betroffenen ist es von entscheidender Bedeutung, dass grundlegende Sanitär- und Hygienebedürfnisse schnellstmöglich erfüllt werden können.“

 

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

30. Juli 2010

Fotos: REUTERS/Adrees Latif, mit freundlicher Genehmigung durch www.alertnet.org



Länderinformationen

Pakistan
Pakistan
Fläche:796 095 km²
Einwohner:166,037 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,7/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
79/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):64 J.
Lebenserwartung (Frauen):65 J.
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