Nepal
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Jahrzehnte der Vernachlässigung haben die Entwicklung und Verbesserung der Gesundheitsversorgung in Nepal gehemmt. Die lokalen medizinischen Behörden sind schlecht ausgerüstet und verfügen über zu wenig engagiertes Personal. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2005 in dem gebirgigen Distrikt Kalikot. Die Mitarbeiter rüsten dort ein lokales Gesundheitszentrum zu einem Distriktkrankenhaus auf. Sie leisten Basisgesundheitsversorgung und behandeln Patienten stationär.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- 2008 führt das Team von Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit den medizinischen Kollegen vom Gesundheitsministerium mehr als 22.000 ambulante Konsultationen durch. Nach der Untersuchung erhalten die Patienten kostenlos Medikamente. Die Mitarbeiter nehmen mehr als 1.340 Patienten ins Krankenhaus auf, führen 170 chirurgische Eingriffe durch und entbinden 66 Schwangere per Kaiserschnitt.
- Ärzte ohne Grenzen startet 2008 als Reaktion auf Unruhen, die durch ethnische Spannungen ausgelöst werden, ein neues Projekt in der zentralen Region Terai. Die Mitarbeiter leisten medizinische Hilfe durch mobile Kliniken. Insgesamt untersuchen sie während des Jahres etwa 12.000 Patienten. Dieses Projekt ist kürzlich ausgeweitet worden, um das Distriktkrankenhaus zu unterstützen. Die Teams versorgen hier vor allem Mütter und Kinder und kümmern sich um geburtshilfliche Notfälle.
- Nepalesische Frauen gebären nur selten in Anwesenheit von ausgebildeten Geburtshelfern. Dabei kann das Festhalten an traditionellen Praktiken zu hoher Mütter- und Säuglingssterblichkeit führen. Ärzte ohne Grenzen klärt die Gemeinden darüber auf, wie wichtig es ist, dass Frauen in den medizinischen Einrichtungen rechtzeitig Hilfe suchen. Die Teams leisten zudem Familienplanung und vorgeburtliche Untersuchungen. Im November eröffnen sie ein Wartehaus für Patienten mit Risikoschwangerschaften. Dazu gehören Frauen, die Zwillinge erwarten oder eine Begleiterkrankung haben. Indem die Schwangeren schon vor dem Geburtstermin einige Zeit im Wartehaus verbringen, erhöhen sich ihre Chancen auf eine sichere Geburt.
- Unterernährung ist 2008 ein besonderes Anliegen für die Teams von Ärzte ohne Grenzen. Sie stellen bei einem Screening, das den Umfang des mittleren Oberarms misst, fest, dass die globale akute Unterernährung bei 10,8 Prozent liegt. Die Mitarbeiter behandeln daraufhin Tausende Kinder in mobilen therapeutischen Ernährungsprojekten.
- In einem extrem abgelegenen Ort, der nur nach einem Zweitagesmarsch über steile Bergpfade erreichbar ist, eröffnet Ärzte ohne Grenzen eine saisonale Klinik.
- Die Teams bereiten in einem Ort, der aufgrund von Trinkwassermangel, fehlenden sanitären Einrichtungen und schlechten Hygienepraktiken für Cholera anfällig ist, Noteinrichtungen vor, um die Krankheit zu behandeln. Sie geben mehr als 2.200 Sprechstunden und nehmen rund 450 Kinder in ein Ernährungsprogramm auf.
- Am 18. August tritt der Fluss Koshi über seine Ufer. Rund zwei Millionen Menschen in Nepal und Indien sind davon betroffen. Ärzte ohne Grenzen entsendet ein Team zur nepalesischen Seite der Grenze, wo rund 50.000 Menschen direkt von der Überflutung betroffen sind. Zwei Monate lang leisten die Teams medizinische Nothilfe und beugen der Cholera vor.
- 2009 übergibt Ärzte ohne Grenzen das Projekt in Kalikot an das nepalesische Gesundheitsministerium. Die Teams setzen die Arbeit in Terai fort und wappnen sich, um schnell auf Notfälle schnell reagieren zu können.
- Cholera
- Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Wasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt. Teams von Ärzte ohne Grenzen isolieren die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapieren vor allem mit einer speziellen Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
- Trinkwasser
- Sauberes Trinkwasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, Ziel sind jedoch mindestens 20 Liter zum Trinken, Waschen und Kochen.