Myanmar (Burma) 2008: Schwerpunkte der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Myanmar sind neben Basisgesundheitsversorgung die Behandlung von HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose. Darüber hinaus leistete die Organisation Nothilfe nach dem Zyklon Nargis im Mai 2008. © MSF
 
Myanmar (Burma) 2008: Schwerpunkte der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Myanmar sind neben Basisgesundheitsversorgung die Behandlung von HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose. Darüber hinaus leistete die Organisation Nothilfe nach dem Zyklon Nargis im Mai 2008.


Myanmar (Birma)

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Geringe nationale und internationale Investitionen in die Gesundheitsversorgung sowie schwelende Konflikte in manchen Regionen des Landes erschweren vielen Menschen den Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Myanmar ist international nach wie vor weitgehend isoliert und wird von internationalen Gebern nur sehr eingeschränkt unterstützt. Obwohl sich der Globale Fonds zur Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose wieder im Land engagiert, leidet die Bevölkerung unter der chronischen Unterfinanzierung dieser drei Krankheiten. Ärzte ohne Grenzen behandelt Menschen mit HIV/Aids und bietet Basisgesundheitsversorgung, Gesundheitserziehung, Mutter-Kind-Programme mit prä- und postnataler Versorgung sowie therapeutische Ernährungshilfe in  den Bundesstaaten Shan, Rakhine und Kachin sowie in den Regionen Yangon und Tanintharyi an. Die Teams führten im Jahr 2010 rund 660.000 allgemeinmedizinische Konsultationen durch.
  • Mehr als 240.000 Menschen in Myanmar leben mit HIV, etwa 120.000 von ihnen benötigen dringend eine antiretrovirale Behandlung. Doch nur 21.000 Menschen erhalten zurzeit eine solche Therapie, 18.300 davon durch Ärzte ohne Grenzen. In Rangun betreuten die Teams im Jahr 2010 vier HIV-Kliniken. Neben der Behandlung betrieben die Teams auch Gesundheitserziehung, besonders für Hochrisikogruppen wie intravenöse Drogengebraucher, Männer, die Sex mit Männern haben sowie Sex-Arbeiter. Durch freiwillige Tests und Beratung sowie durch die Vermeidung der HIV-Übertragung von der Mutter auf das Kind bei der Geburt konnte die Übertragung von HIV eingedämmt werden. Ärzte ohne Grenzen arbeitete zudem weiterhin eng mit dem Gesundheitsministerium und anderen Organisationen zusammen, um die technischen Möglichkeiten der verschiedenen HIV/Aids-Programme im Land zu verbessern.
  • Myanmar zählt zu den 22 Ländern weltweit, in denen Tuberkulose (TB) am häufigsten vorkommt. Das nationale TB-Programm ist unterfinanziert, und es gibt keine richtigen Behandlungsprotokolle. Dies führt zu vielen Therapieabbrüchen und steigenden Resistenzen gegen die verwendeten Medikamente. TB ist zudem die häufigste opportunistische Infektion und Todesursache für Menschen mit HIV. Ärzte ohne Grenzen versorgt derzeit rund 2.540 TB-Patienten, die meisten davon sind HIV positiv. In der Hauptstadt Rangun behandelten die Teams darüber hinaus in einem landesweiten Pilotprojekt Menschen mit multi-resistenter TB. Im Jahr 2010 begannen 44 Patienten ihre Therapie.
  • Malaria zählt zu den Haupttodesursachen in Myanmar. Die Kliniken von Ärzte ohne Grenzen bieten unentgeltliche Diagnose, Behandlung und Vorsorge in Gegenden an, in denen die Krankheit weit verbreitet ist. Im Bundesstaat Rakhine testeten die Mitarbeiter im Jahr 2010 mehr als 400.900 Personen auf Malaria und behandelte rund 122.380 Patienten.
  • Im November traf der Zyklon Giri die Westküste von Myanmar. In der Folge führte Ärzte ohne Grenzen rund 17.000 medizinische Konsultationen durch und verteilte Lebensmittel und Baumaterial, um die betroffenen Gemeinden beim Wiederaufbau zu unterstützen.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Resistenz
Eingeschränkte oder fehlende Sensitivität von Krankheitserregern gegenüber Medikamenten, die dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Resistenzen bilden sich, wenn Medikamente nicht vorschriftsmäßig oder über sehr lange Zeiträume eingenommen werden. Multimedikamentenresistente und extrem multimedikamentenresistente Formen einer Erkrankung sind besonders schwer oder gar nicht mehr behandelbar, zum Beispiel bei Tuberkulose.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1992 in Myanmar präsent.

 

 

31. Mai 2011
Fotos: MSF



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