Libanon 2009: Aufklärungskampagne über psychische Erkrankungen: Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erläutern Passanten in Bourj al-Barajneh, einem Vorort von Beirut, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. © Lara Arapguirlian/MSF
 
Libanon 2009: Aufklärungskampagne über psychische Erkrankungen: Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erläutern Passanten in Bourj al-Barajneh, einem Vorort von Beirut, die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.


Libanon

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Nach dem Libanonkrieg im Jahr 2006 zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah-Miliz evaluierte Ärzte ohne Grenzen den medizinischen Bedarf. Dieser Untersuchung zufolge benötigt jeder sechste Bewohner des Landes psychologische Hilfe.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Im Jahr 2008 eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein psychologisches Gesundheitszentrum in Burj-el-Barajneh, einem südlichen Vorort von Beirut. Ganz in der Nähe dieses Zentrums befindet sich das am dichtesten besiedelte Flüchtlingslager mit etwa 18.000 Palästinensern. Trotz der Verbesserungen, die im Jahr 2010 durchgeführt wurden, blieben die allgemeinen Bedingungen in diesem Lager schlecht. Wasser und Strom sind nur stundenweise pro Tag verfügbar, und in jedem Raum leben durchschnittlich vier Personen. Es gibt zudem kaum Bildungs- oder Arbeitsmöglichkeiten und nur minimalen Zugang zu medizinischer und sozialer Hilfe. Diese Bedingungen sowie die Perspektivlosigkeit wirken sich nachteilig auf das seelische Wohlergehen vieler Bewohner aus. Die kostenlose psychosoziale Hilfe von Ärzte ohne Grenzen umfasst Hausbesuche, Beratung sowie soziale Unterstützung und kommt in erster Linie den palästinensischen Flüchtlingen zugute. Im Jahr 2010 wurden 780 neue Patienten im Alter zwischen 25 bis 40 Jahren behandelt. Zu den häufigsten Diagnosen gehörten Depressionen, Angststörungen, Psychosen und Persönlichkeitsstörungen.
  • Das psychologische Beratungsangebot von Ärzte ohne Grenzen wurde auch in eine UN-Klinik integriert sowie in ein Krankenhaus der palästinensischen Halbmondbewegung, die sich beide innerhalb des Lagers befinden. Das psychologische Gesundheitszentrum von Ärzte ohne Grenzen dient dabei als Referenzzentrum für die kompliziertesten Fälle. Es ist geplant, dieses Zentrum später in das libanesische Gesundheitssystem zu integrieren, das dann sowohl Libanesen als auch Palästinensern zur Verfügung steht.
  • Am Welttag für seelische Gesundheit im Oktober 2010 organisierte Ärzte ohne Grenzen eine Kunstausstellung im Gesundheitszentrum und eine Theatervorstellung im Flüchtlingslager. Damit sollte der Stigmatisierung von seelischen Problemen unter der Bevölkerung von Burj-el-Barajneh entgegengewirkt werden.
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.

 

Ärzte ohne Grenzen war mehrfach kurzfristig im Libanon tätig und arbeitet seit 2008 ständig dort.

 

31. Mai 2011
Fotos: Lara Arapguirlian/MSF


Länderinformationen

Libanon
Libanon
Fläche:10 452 km²
Einwohner:4,139 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 3,3/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
27/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):70 J.
Lebenserwartung (Frauen):75 J.
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