Untersuchungen im Libanon haben gezeigt, dass 17 Prozent der Gesamtbevölkerung die Kriterien für eine psychische Störung erfüllen. Es wurde deutlich, dass psychische Probleme in der grossen Gemeinschaft palästinensischer Flüchtlinge sogar noch weiter verbreitet sind. Schließlich leben diese Menschen dort ohne Arbeitserlaubnis oder das Recht auf eine Einbürgerung. 37 Prozent der Frauen und 19 Prozent der Männer, die die Gesundheitszentren besucht haben, berichten über ein durchschnittliches bis hohes Angstniveau.
Insgesamt erhalten nur wenige Menschen im Libanon die erforderliche medizinische Behandlung. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dazu gehören der Mangel an Angeboten, an qualifizierten Kräften und die Tatsache, dass sich die meisten Angebote hauptsächlich an Kinder richten. Neben dem unzureichenden Behandlungsangebot haben die Furcht vor einer Stigmatisierung als psychisch Kranke sowie die Kosten einer Behandlung, die von den Betroffenen nicht übernommen werde können, die Situation verschärft.
Ärzte ohne Grenzen wurde auf diesen Mangel an Hilfe für psychisch Kranke im Libanon während des Krieges im Jahr 2006 aufmerksam. Im Jahr 2008 hat ein Team von Ärzte ohne Grenzen eine eingehende Analyse der benötigten humanitären Hilfe erstellt. Diese Analyse führte im Dezember des gleichen Jahres zum Start eines Gemeinschaftsprojekts für psychische Erkrankungen am Stadtrand von Beirut.
Das Gesundheitszentrum für psychische Erkrankungen von Ärzte ohne Grenzen befindet sich in der Nähe eines großen palästinensischen Flüchtlingslagers in dem Ort Burj El Barajneh und bietet kostenlose Behandlung, Beratung und Pflege für psychisch Kranke an. Dabei richtet es sich hauptsächlich an die von der Gemeinschaft ausgeschlossenen Menschen. Dabei handelt es sich nicht nur um libanesische Bürger sondern auch um palästinensische und irakische Flüchtlinge. Neben direkter Hilfe leistet das Projekt auch Aufklärungsarbeit über psychische Erkrankungen in der gesamten Gesellschaft.
| Libanon | |
|---|---|
| Fläche: | 10 452 km² |
| Einwohner: | 4,139 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 3,3/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 27/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 70 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 75 J. |