Kambodscha 2009: Ärzte ohne Grenzen behandelte seit 2002 in Takeo, einer ländlichen Region, Patienten mit chronischen Erkrankungen neben HIV-Patienten. Das Programm konnte 2009 an die Behörden übergeben werden. © © Niklas Bergstrand / MSF
 
Kambodscha 2009: Ärzte ohne Grenzen behandelte seit 2002 in Takeo, einer ländlichen Region, Patienten mit chronischen Erkrankungen neben HIV-Patienten. Das Programm konnte 2009 an die Behörden übergeben werden.


Kambodscha

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Im Jahr 2010 beendete Ärzte ohne Grenzen die Übergabe der Aktivitäten auf der Station für Infektionskrankheiten im Khmer-Sowjetischen-Freundschafts-Krankenhaus (KSF) in der Hauptstadt Phnom Penh. Mehr als 3.000 HIV-Patienten wurden an die Gesundheitsbehörden übergeben. Ärzte ohne Grenzen konzentrierte sich danach auf die Behandlung von Tuberkulose (TB).

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Kambodscha gehört zu den 22 Ländern auf der Liste der Weltgesundheitsorganisation, die ein hohes TB-Aufkommen aufweisen. In Kampong Cham, der bevölkerungsreichsten Provinz des Landes, verbesserte Ärzte ohne Grenzen die Diagnose und Behandlung von Kranken, die an der normalen Form von TB oder an der medikamentenresistenten Form von TB (DR-TB) erkrankt waren. Die Mitarbeiter eröffneten eine Lungen-Klinik auf der TB-Station des Provinzkrankenhauses von Kampong Cham, um aktiv nach Tuberkulose-Patienten zu suchen: Patienten, die aus anderen Gründen ins Krankenhaus aufgenommen worden waren, wurden daher auf TB getestet.
  • Zum Jahresende 2010 war die Anzahl der TB-Patienten um 25 Prozent gestiegen. Es wurde deutlich, dass die Nachsorge der Patienten verbessert werden musste. Nachdem Ärzte ohne Grenzen verschiedene Einrichtungen in vier Distrikten von Kampong Cham geprüft hatte, begannen die Mitarbeiter in lokalen Gesundheitszentren TB zu behandeln. Allerdings mussten diese dezentralisierten Aktivitäten zeitweilig unterbrochen werden, damit sich das Team vollständig auf die Arbeit im Krankenhaus von Kampong Cham konzentrieren und die Nachsorge der Patienten garantieren konnte. Ärzte ohne Grenzen wird ein umfassendes TB-Behandlungskonzept für die ganze Provinz entwickeln.
  • Überbelegung, mangelnde Lüftung und prekäre Lebensbedingungen in den Gefängnissen führen zu einem hohen Risiko, sich dort mit TB anzustecken. Ärzte ohne Grenzen weitete daher das HIV- und TB-Angebot in den Haftanstalten von Phnom Penh aus, um umfassende Tests, Beratung und Behandlung für beide Krankheiten anzubieten. Die Mitarbeiter leisteten auch Basisgesundheitsversorgung. Im Männergefängnis von Phnom Penh stimmten mehr als 80 Prozent der Insassen einem Test zu. Vorläufige Ergebnisse zeigten eine HIV-Häufigkeit von drei Prozent, verglichen mit 0,6 Prozent innerhalb der allgemeinen Bevölkerung. Für Tuberkulose lag die Häufigkeit bei 3,9 Prozent, verglichen mit 0,7 Prozent innerhalb der Bevölkerung. Die Zahlen im städtischen Frauen- und Kindergefängnis lagen etwas niedriger: bei 2,7 Prozent für HIV und 2 Prozent für TB.
  • Im Jahr 2010 reagierten die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen landesweit auch auf den Ausbruch von Cholera. Sie gaben technische Unterstützung und passten die Cholera-Hilfsgüter an die Bedürfnisse der nationalen Behandlungszentren an. Gemeinsam mit anderen Organisationen wurde zudem das Überwachungssystem für Infektionskrankheiten verbessert, insbesondere für Cholera, Dengue-Fieber und Masern. Die Teams arbeiteten mit Gesundheitsbehörden auf nationaler und provinzieller Ebene zusammen. Sie untersuchten verdächtige Fälle und analysierten die Behandlungsqualität sowie die Herausforderungen der Therapie. Ziel ist es, rechtzeitig, wirkungsvoll und angemessen auf Epidemien reagieren zu können.
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Infektionskrankheit
Krankheit, die durch das Eindringen und die Vermehrung von Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten ausgelöst wird.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Dengue-Fieber
Durch Mücken übertragene Krankheit, die hauptsächlich in städtischen Ballungsgebieten Asiens und Lateinamerikas auftritt. Weltweit gibt es geschätzt mehr als 50 Millionen Fälle. Schwere Verlaufsformen können insbesondere bei Kindern tödlich verlaufen. Eine ursächliche Behandlung gegen das Dengue-Virus steht nicht zur Verfügung, nur die Symptome wie hohes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen können gelindert werden. Allein das Vermeiden von Mückenstichen bietet Schutz vor einer Erkrankung.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1979 in Kambodscha präsent.

 

31. Mai 2011
Fotos: © Niklas Bergstrand / MSF



Länderinformationen

Kambodscha
Kambodscha
Fläche:181 035 km²
Einwohner:14,7 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
68/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):54 J.
Lebenserwartung (Frauen):61 J.
Jetzt online spenden! Spendenkonto 97 0 97 - Bank für Sozialwirtschaft - BLZ 370 205 00 Servicetelefon für Spender - Mo-Fr. 8:00 - 18:00 Uhr - 030 - 700 130 130