Jemen
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Tausende Menschen, die vor Krieg und Armut am Horn von Afrika fliehen, sehen den Jemen als Zufluchtsort an, doch leidet das Land unter eigenen internen Spannungen. Seit Juni 2004 hält ein Konflikt in der Provinz Saada an, die im Nordwesten des Landes, nahe der Grenze zu Saudi-Arabien, liegt. Etwa 9.000 Menschen sollen bereits getötet und rund 20.000 verletzt worden sein. Eine lokale Gruppe, die sich "Al Houthis" nennt, steht den Regierungstruppen gegenüber. Seit Beginn des Konflikts entfachen sich fünf sehr intensive Kampfphasen, die letzte dauert von Mai bis Juli 2008. Gleichzeitig nimmt 2008 die Zahl der Flüchtlinge zu, die von Somalia und Äthiopien aus ihre Flucht über den Golf von Aden wagen und dabei ihr Leben riskieren.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Im Juli 2007 startet Ärzte ohne Grenzen in der Provinz Saada ein Projekt, um den vom Konflikt betroffenen Menschen medizinische Hilfe zu gewähren, Kriegsverletzte zu behandeln und während der Kampfphasen die Vertriebenen zu unterstützen. Als die fünfte Kriegsphase 2008 ausbricht, betreuen die Teams ein Krankenhaus und leisten ambulante Hilfe in Haydan und Razeh. In Al Talh unterstützen sie ebenfalls eine Klinik und führen im nahegelegenen Dorf Dhayan mobile basismedizinische Konsultationen durch. Obwohl alle internationalen Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen während des Krieges die Provinz Saada verlassen müssen, halten die jemenitischen Kollegen einige Aktivitäten aufrecht. Die internationalen Helfer können im September 2008 nach Saada zurückkehren. Ende des Jahres unterstützt Ärzte ohne Grenzen weiterhin die Krankenhäuser in Al Talh und Razeh sowie die ambulante Hilfe in Dhayan. Außerdem richten die Mitarbeiter ein Überweisungssystem in die Hospitäler ein, die von Ärzte ohne Grenzen betreut werden.
- Im Jahr 2008 führen die Teams rund 3.000 Konsultationen in den Krankenhäusern und mobilen Kliniken durch. Sie behandeln mehr als 15.000 Patienten in den Notaufnahmen, nehmen etwa 1.500 Patienten stationär auf und leisten 500 chirurgische Eingriffe. Außerdem werden etwa 1.000 schwer unterernährte Kinder behandelt, fast 3.000 vorgeburtliche Konsultationen sowie 700 Entbindungen durchgeführt.
- Im Süden des Landes, in den Provinzen Abyan und Shabwah, unterstützt Ärzte ohne Grenzen seit September 2007 Migranten, die vom Horn von Afrika über den Golf von Aden ins Land kommen. Im Jahr 2008 wagen dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge mehr als 50.000 Menschen die gefährliche Reise in Schmugglerbooten, um in den Jemen zu gelangen. Sie fliehen vor Krieg, Verfolgung und Hunger in Somalia und Äthiopien. Beinahe 950 Menschen sterben bei diesem Versuch.
- Ärzte ohne Grenzen leistet bei der Ankunft der Flüchtlinge medizinische, psychosoziale und humanitäre Hilfe. Ein mobiles Team behandelt die dringendsten Fälle noch am Strand, bevor diese Menschen mit den anderen Ankömmlingen in ein Empfangszentrum in die Stadt Ahwar gebracht werden. Die Flüchtlinge bleiben dort einige Tage, um registriert zu werden. Ärzte ohne Grenzen hat hier ein Gesundheitszentrum eröffnet, das allen Menschen offen steht. Besonders bedürftige Gruppen wie Frauen und Kinder werden ermutigt, sich untersuchen und impfen zu lassen. Im Jahr 2008 helfen die Mitarbeiter mehr als 10.000 Flüchtlingen in Ahwar.
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2007 in Jemen.
Juli 2009
Fotos: Ärzte ohne Grenzen