Boote mit Flüchtlingen landen in großer Regelmäßigkeit an der Südküste des Jemen. Die meisten von ihnen sind Somalis, die vor Krieg und Vertreibung in ihrem Land fliehen. Auch einige äthiopische Flüchtlinge berichten von Gewalt und Verfolgung in Teilen ihres Heimatlandes. Offiziell starben seit Anfang des Jahres 350 Menschen bei dem Versuch, die Küste des Jemen zu erreichen. Vermutlich ist die Zahl der Opfer jedoch höher, da einige Leichen ins Meer geworfen oder von der lokalen Bevölkerung ohne es bekannt zu machen begraben werden.
Ein 1 ½-jähriger Junge und seine 20-jährige Tante schafften es bis zur Küste. Sie stammen aus der Oromo-Region in Äthiopien und gingen zusammen mit der 24 Jahre alten Mutter des Jungen in Bossasso an Bord, auf der Suche nach einem besseren Leben im Jemen. Die Tante suchte den Strand vergeblich nach der Mutter des Jungen ab, die, so schien es, das erzwungene Verlassen des Bootes nicht überlebt hatte. Wie durch ein Wunder fand ein jemenitischer Fischer die Mutter jedoch sieben Stunden später lebend im Meer.
"Das Boot war völlig überfüllt", erzählte die Mutter des Jungen. "Wir hatten weder Wasser noch Nahrung. Wenn Du dich bewegst, treten sie dich. Die sterbenden Menschen wurde über Bord geworfen. Ich habe beobachtet, wie jemand ins Wasser geworfen wurde." 24 Stunden nach der Tortur war die junge Frau noch immer konfus, erschöpft und konnte kaum laufen. "Gestern war ich im Meer," flüsterte sie. "Ich weiß nicht, wie ich gerettet wurde. Aber heute kann ich sprechen. Ich weiß nicht, wo ich jetzt bin, aber ich würde gerne in den Jemen gehen."
Seit Anfang 2008 haben Teams von Ärzte ohne Grenzen über 8.000 Bootsflüchtlinge im Südjemen behandelt. Die Überlebenden werden am Strand sofort medizinisch versorgt. Sie bekommen trockene Kleidung, Wasser und nährstoffreiche Nahrung. Anschließend werden sie in ein Aufnahmelager der Vereinten Nationen in Ahwar gebracht, wo Ärzte ohne Grenzen eine Klinik betreibt und Sprechstunden anbietet. Ärzte ohne Grenzen startete das Projekt im Südjemen im September 2007.
Im Juni 2008 veröffentlichte Ärzte ohne Grenzen einen Bericht mit dem Titel "No Choice", der die gefährliche Flucht per Boot in den Jemen dokumentiert und dazu aufruft, die Tausenden von Flüchtlingen, Asylsuchenden und Migranten, die aus ihren Heimatländern fliehen, vermehrt zu unterstützen.
| Jemen | |
|---|---|
| Fläche: | 536 869 km² |
| Einwohner: | 23,053 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,3/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 76/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 60 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 63 J. |