Iran
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Im Jahr 2011 gab es gute Neuigkeiten für afghanische und irakische Flüchtlinge in Iran, da sie endlich zu einer Krankenversicherung berechtigt waren. Unregistrierte Afghanen und Pakistaner hingegen sahen sich im Land zunehmend restriktiven Gesetzen und Verfahren ausgesetzt oder wurden abgeschoben.
Die Aktivitäten im Überblick (Auszug)
- Seit dem Jahr 2001 hat Ärzte ohne Grenzen basis- und fachmedizinische Hilfe für Afghanen und Iraner geleistet, die ansonsten kaum Zugang zur Gesundheitsversorgung gehabt hätten. Die Teams arbeiteten in drei allgemeinen Kliniken und einer Fachklinik für Frauen und Kinder in der Stadt Zahedan, Provinz Sistan-Balutschistan. Zwischen Januar und September führten sie mehr als 26.500 Sprechstunden durch. Rund 38 Prozent davon entfielen auf Kinder unter fünf Jahren. Patienten, die eine medizinische Notversorgung benötigten, wurden an das öffentliche Krankenhaus überwiesen. Die Nachversorgung übernahm Ärzte ohne Grenzen. Ein Team von 20 "Hausbesuchern" verteilte Hilfsgüter, wie Nahrungsmittel, Decken und Putzmaterial an 820 Familien.
- Mitte des Jahres 2011 führten Sicherheitsbedenken zur Schließung von zwei der Kliniken und zum Ende der `Hausbesuche´ in der Provinz Sistan-Balutschistan. Das Team konzentrierte sich stattdessen auf Nothilfe und die medizinische Versorgung von Frauen. Da die Provinz seit 2007 für internationale Helfer geschlossen war und es seit Projektbeginn Spannungen zwischen dem `Iranischen Büro für Fremde und ausländische Immigranten´ und Ärzte ohne Grenzen gegeben hatte, fiel Ende September nach drei Jahren die Entscheidung, alle medizinischen Aktivitäten zu beenden. Ärzte ohne Grenzen schloss das Projekt in Zahedan.
- Im Süden der Hauptstadt Teheran wohnen in den Stadtviertel Darvazeh Ghar, Khazaneh Molavi und Shush gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Sexarbeiter oder Drogengebraucher. In jüngster Zeit haben sich die iranischen Behörden etwas gegenüber diesen sozialen Gruppen geöffnet. Im Jahr 2011 erkannten sie erstmals seit der Revolution von 1979 an, dass Prostitution, Kinderarbeit und Kinderobdachlosigkeit Themen von nationalem Interesse sind. Das Gesundheitsministerium und einige Stadtbezirke haben medizinische und soziale Zentren in mehreren Vierteln Teherans eröffnet, die Leistungen anbieten, wie sozialen Schutz, Methadon-Therapien oder Gesundheitserziehung für Sexarbeiter und Drogengebraucher. Trotzdem haben viele Menschen weiterhin keinen Zugang zu medizinischer oder sozialer Unterstützung. Ärzte ohne Grenzen arbeitet mit einem Netzwerk von Organisationen zusammen, die hauptsächlich im Bereich Kinderschutz und Risikominimierung für Drogengebraucher tätig sind. Für 2012 ist ein neues Projekt geplant, das medizinische Hilfe für Frauen und Kinder unter fünf Jahren im Stadtviertel Darvazeh Ghar anbietet.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1996 in Iran.
01. Mai 2012