Iran
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Seit 2001 unterstützt Ärzte ohne Grenzen afghanische Flüchtlinge in Zahedan, der Hauptstadt der iranischen Provinz Sistan-Balutschistan. Hier passieren die Flüchtlinge seit 30 Jahren die Grenze. Im Jahr 2002 setzt die iranische Regierung einen Plan zur Zwangsrückführung der Flüchtlinge um, obwohl sich die Bedingungen in der Konfliktregion Afghanistan verschlechtern. Viele Afghanen stehen einer Rückkehr in ihre Heimat ablehnend gegenüber und ziehen es vor, im Iran zu bleiben. Einige kehren sogar nach ihrer Deportation in den Iran zurück. Dabei sind die Lebensbedingungen für Flüchtlinge schwierig, da die iranische Regierung ihnen die Arbeitsaufnahme ebenso erschwert wie den Zugang zu Erziehungs- oder Gesundheitsdiensten. Trotzdem wandern die Menschen aus Afghanistan aus, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch wegen der Dürre in den nördlichen Provinzen oder der unsicheren Lage in anderen Regionen.
Die Aktivitäten im Überblick (Auszug)
Iran erlebt eine wirtschaftliche Krise. Der Unmut gegenüber Flüchtlingen nimmt daher zu. Im November 2007 erklärt die Regierung, offiziell aus Sicherheitsgründen, die Region nahe der Grenze zu einem "No-Go-Gebiet". Dazu gehört auch Sistan-Balutschistan, wo noch immer mehr als eine halbe Million Afghanen illegal leben.
Für die iranischen Behörden gelten die meisten Afghanen als Wirtschaftsmigranten, die nicht berechtigt sind, einen legalen Status als Flüchtling oder freien Zugang zur Gesundheitsversorgung zu erhalten. Ärzte ohne Grenzen leistet daher in Sistan-Balutschistan primäre und sekundäre Gesundheitsdienste für die Menschen, die keinen oder nur beschränkten Zugang zum iranischen Gesundheitssystem haben. 2008 besuchen die Teams durchschnittlich 23 neuangekommene Familien pro Woche in Zahedan. Das sind wöchentlich etwa acht Familien mehr als im Vorjahr.
Die Teams betreuen drei medizinische Gesundheitszentren in Shirabad, Karimabad und Besat. Sie bieten dort kostenlose medizinische Konsultationen sowie Ernährungshilfe für Kinder an. 2008 führen sie rund 7.000 Sprechstunden monatlich durch. Zudem überweist Ärzte ohne Grenzen Patienten an Krankenhäuser und deckt die Kosten für fachmedizinische Beratungen, Behandlungen und stationäre Aufenthalte. Gesundheitshelfer machen unter den Flüchtlingen diejenigen ausfindig, die medizinische Hilfe benötigen und stellen sicher, dass die Kranken untersucht werden. Außerdem verteilen sie bei Bedarf Hilfsgüter wie Decken oder Heizöfen.
Juli 2009