Irak 2007: In den nördlichen Provinzen des Irak unterstützen die Teams von Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser, in denen Zivilisten mit kriegsbedingten Verletzungen behandelt werden. © Ärzte ohne Grenzen
 
Irak 2007: In den nördlichen Provinzen des Irak unterstützen die Teams von Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser, in denen Zivilisten mit kriegsbedingten Verletzungen behandelt werden.


Irak

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Im Jahr 2010 hielten Gewalt und politische Spannungen ebenso an wie der Druck auf das irakische Gesundheitssystem, von dem insbesondere die Notfallversorgung betroffen war. Engpässe gab es sowohl bei der Behandlung von Verletzten, beispielsweise nach Bombenexplosionen, als auch bei zahlreichen medizinischen Fachdisziplinen.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • In den am stärksten von Gewalt betroffenen Gebieten werden durch Bombenangriffe und Mord jeden Monat Dutzende Menschen getötet oder verletzt. Die Angst vor der Gewalt hat dazu geführt, dass viele Iraker geflohen sind. Andere hingegen sitzen in ihren Häusern fest, was beträchtliche Folgen für ihre seelische und körperliche Gesundheit hat. Direkte Hilfe für die Gewaltopfer in den am dichtesten besiedelten Gebieten ist für internationale und unabhängige humanitäre Organisationen weiterhin nur eingeschränkt möglich.
  • Obwohl viele Gesundheitseinrichtungen funktionieren, leidet die Qualität der Versorgung unter dem Mangel an Fachpersonal. Dies betrifft vor allem das Pflegepersonal und die Fachärzte, einschließlich Psychiater und Psychologen. Den irakischen Gesundheitsbehörden zufolge wurden während des Konflikts Hunderte medizinischer Angestellte getötet. Ein Großteil hat zudem das Land verlassen. Seit dem Beginn der 90er Jahre konnte sich das medizinische Personal zudem kaum noch fortbilden.
  • Eine direkte Folge ist, dass die Mütter- und Kindersterblichkeit im Land zunimmt. Im Oktober 2010 startete Ärzte ohne Grenzen daher ein Projekt, um die Qualität der Geburtshilfe im Distrikt-Krankenhaus Al Zahra zu verbessern. Es ist das größte auf Geburten spezialisierte Referenzkrankenhaus der Provinz Nadschaf. Die Mitarbeiter arbeiteten auf der Neugeborenenstation, unterstützten die Notaufnahme sowie die Infektionskontrolle, kümmerten sich um Medikamentenlieferungen und führten Fortbildungen durch. Ähnliche Aktivitäten wurden auch im Allgemeinen Krankenhaus in Basra durchgeführt, der größten Stadt im Süden des Landes. Hier ist Ärzte ohne Grenzen seit 2006 aktiv. Die Teams behandelten rund 20.000 Patienten monatlich in der Notaufnahme. In der nördlichen Stadt Hawidscha operierte ein irakisches chirurgisches Team von Ärzte ohne Grenzen jeden Monat rund 300 Patienten im Allgemeinen Krankenhaus.
  • In der nördlichen Stadt Kirkuk unterstützten die Teams die Dialyse-Einheit des öffentlichen Krankenhauses und behandelten seit Juni 2010 Patienten mit schweren Nierenerkrankungen.
  • Im Projekt für rekonstruktive Chirurgie in der jordanischen Hauptstadt Amman, das 2006 startete, wurden auch im Jahr 2010 irakische Patienten behandelt. Mehr als 300 Iraker profitierten von den plastischen, orthopädischen und kieferchirurgischen Behandlungen. Therapie und Nachsorge sind komplex und erfordern einen monatelangen stationären Aufenthalt. Allein 19.000 individuelle physiotherapeutische Sitzungen wurden im Verlauf des Jahres durchgeführt.
  • Seit einiger Zeit unterstützt Ärzte ohne Grenzen zudem den vernachlässigten Bereich der psychologischen Hilfe, indem Mitarbeiter von öffentlichen Krankenhäusern als Berater ausgebildet wurden. Diese Mitarbeiter sind jetzt in zwei Hospitälern in Bagdad und in einem Krankenhaus in Falludscha tätig. Im Jahr 2010 fanden 5.000 Sitzungen statt, um die Folgen des seelischen Traumas zu verringern, das die Patienten aufgrund von Gewalt und Unsicherheit erlitten haben. Die Berater werden durch Video-Konferenzen mit internationalen Kollegen unterstützt.
  • Da Ärzte ohne Grenzen die irakischen Kollegen und das Gesundheitsministerium noch immer in erster Linie durch Hilfe von außerhalb des Landes unterstützt, wurden auch Triage-Trainings für Ärzte aus drei Krankenhäusern in Kirkuk und in Ninewa durchgeführt.
Triage
Triage ist ein wichtiges Prinzip bei der Patientenaufnahme, das zum Ziel hat, schnellstmöglich die richtige Behandlung zu ermitteln und eine Reihenfolge der Patienten nach Dringlichkeit festzulegen. Anlass zur Triage können plötzliche Andränge von Verletzten aufgrund von Katastrophen, Kriegen oder Unfällen sein. Ärzte ohne Grenzen führt beispielsweise in Libyen Triage-Trainings durch. Das Ziel der Trainings ist, möglichst gut auf viele Patienten vorbereitet zu sein und nach richtigen Prioritäten handeln zu können.

 

Ärzte ohne Grenzen war für kurze Zeit im Jahr 2003 in Irak tätig und kehrte 2006 zurück.

 

 

31. Mai 2011
Fotos: Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Irak
Irak
Fläche:438 317 km²
Einwohner:25,261 Mio. Einw. (2006)
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,7/1000 Einw.
Lebenserwartung (Männer):62 J.
Lebenserwartung (Frauen):64 J.
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