Irak 2007: In den nördlichen Provinzen des Irak unterstützen die Teams von Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser, in denen Zivilisten mit kriegsbedingten Verletzungen behandelt werden. © Ärzte ohne Grenzen
 
Irak 2007: In den nördlichen Provinzen des Irak unterstützen die Teams von Ärzte ohne Grenzen Krankenhäuser, in denen Zivilisten mit kriegsbedingten Verletzungen behandelt werden.


Irak

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Auch wenn die Gewalt im Irak zurückgegangen ist, sind Bombenanschläge und Attentate in vielen Gebieten des Landes weiterhin an der Tagesordnung. Nach wie vor werden wöchentlich Dutzende Zivilisten getötet und verletzt. Obwohl viele Gesundheitseinrichtungen im Irak geöffnet sind, hat sich die Qualität der Versorgung durch den Personalmangel verschlechtert. Viele medizinische Fachkräfte haben zudem seit den 1990er Jahren keine Weiterbildung erfahren. Wie in den Jahren zuvor konnte Ärzte ohne Grenzen auch im Jahr 2009 aufgrund der schlechten Sicherheitslage keine Teams in die am schlimmsten vom Konflikt betroffenen Gebiete entsenden.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Nach Aussage des irakischen Gesundheitsministeriums flohen während des Krieges viele medizinische Fachkräfte aus dem Land oder wurden getötet. Dies hat zur Folge, dass es heute im Irak einen dramatischen Mangel an Krankenschwestern und -pflegern, an spezialisierten Ärzten sowie an Psychologen und Psychiatern gibt. Eine der größten Schwierigkeiten für die Krankenhäuser in den Konfliktgebieten ist es, in Notfällen angemessen zu reagieren - vor allem wenn eine große Menge von Verletzten gleichzeitig eingeliefert wird. Problematisch ist auch, dass Patienten mit psychischen Traumata kaum behandelt werden können. Ärzte ohne Grenzen unterstützte daher im Jahr 2009 Krankenhäuser in verschiedenen Teilen des Landes, so in Anbar, Baghdad, Ninewa und Kirkuk. Die Mitarbeiter trainierten medizinisches Personal, lieferten Material und halfen bei der psychologischen Beratung und bei Gesundheitskampagnen:
  • Schon im Jahr 2006 startete Ärzte ohne Grenzen im benachbarten Jordanien ein Projekt für rekonstruktive Chirurgie, um irakische Kriegsverletzte zu behandeln. Der Schwerpunkt lag seitdem auf Orthopädie, Gesichts- und Kieferrekonstruktion und plastischer Chirurgie. Neben der Chirurgie boten die Teams auch Physiotherapie und psychologische Hilfe für die Patienten an. Bis Ende 2009 wurden 900 Patienten in diesem Projekt behandelt.
  • Außerdem unterstützte Ärzte ohne Grenzen von Amman aus neun Krankenhäuser im Irak, die viele Gewaltopfer versorgen mussten. Nachdem sich die Sicherheitslage im Irak im Verlauf des Jahres 2009 verbessert hatte, konnte ein Teil dieser Unterstützung beendet werden. Stattdessen eröffneten die Teams im September eine psychologische Beratungsstelle in Bagdad und im Dezember eine in Fallujah. 2009 wurden rund 175 Patienten psychologisch betreut.
  • Erstmals konnte ein internationales Team im südlichen Teil des Landes arbeiten. Im Allgemeinen Krankenhaus von Basra leisteten die Mitarbeiter technische Hilfe, gaben Trainings im Bereich der Anästhesie sowie der post-operativen Pflege, Hygiene und Sterilisation. Außerdem beteiligte sich Ärzte ohne Grenzen an der Erneuerung des Notfall-Operationssaales in dem 600-Betten-Krankenhaus und half bei der Verbesserung der Notfallhilfe und der Aufnahme von chirurgischen Notfällen.
  • In den nördlichen Provinzen Ninewa und Kirkuk lieferte Ärzte ohne Grenzen medizinisches Material an vier Krankenhäuser und trainierte medizinisches Pflegepersonal. Zudem wurden diese Krankenhäuser nach Gewaltakten unterstützt. Die Teams beteiligten sich auch an Gesundheitskampagnen zu Infektionskrankheiten, zur Wasseraufbereitung, Vorbeugung von Leishmaniase oder H1N1. Zudem boten sie psychologische Hilfe für Vertriebene an.
  • Im kurdischen Teil des Irak unterstützte Ärzte ohne Grenzen seit dem Jahr  2007 das Krankenhaus von Sulaymaniyah. Der Schwerpunkt lag hier auf der Behandlung von Opfern mit schweren Verbrennungen. Dieses Projekt wurde zum Jahresende 2009 an die Behörden übergeben.
Infektionskrankheit
Krankheit, die durch das Eindringen und die Vermehrung von Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten ausgelöst wird.
Physiotherapie
Krankengymnastik

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2006 im Irak tätig.

 

 

April 2010
Fotos: Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Irak
Irak
Fläche:438 317 km²
Einwohner:25,261 Mio. Einw. (2006)
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,7/1000 Einw.
Lebenserwartung (Männer):62 J.
Lebenserwartung (Frauen):64 J.
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