Wir sind ein kleines Team – ein Allgemeinchirurg und ich. Das Problem im Allgemeinen Krankenhaus von Hawijah war, dass es nicht genug Personal für die Notfälle gab. Die Ärzte beendeten ihren Dienst gegen ein oder zwei Uhr nachmittags. Alle Patienten, die Nothilfe benötigten, und alle Verletzten, die nach dieser Zeit aufgenommen wurden, mussten nach Kirkuk überwiesen werden. Die Strecke dorthin ist rund 80 Kilometer lang, die Straßen sind sehr schlecht, man muss etwa 17 Checkpoints passieren werden und es ist viel Militär unterwegs. So kann die Fahrt Stunden dauern. Für einen Patienten in kritischem Zustand ist das zu lang. Sogar Frauen, bei denen es Komplikationen während der Geburt gab, mussten auf diese beschwerliche Fahrt geschickt werden, weil die Notaufnahme im Krankenhaus von Hawijah geschlossen war. Auch von Freitag bis Sonntag war sie geschlossen. Das bedeutete, dass es für eine Bevölkerung von rund 450.000 Menschen – Hawijah-Stadt und die Umgebung – an drei Tagen in der Woche keine Notaufnahme gab.
Seit wir im Januar angefangen haben zu arbeiten, funktioniert der Operationssaal rund um die Uhr statt nur am Vormittag. Damit konnten wir die Zahl der chirurgischen Eingriffe fast verdoppeln. Allein unser Team hat seit dem Start des Programms etwa 300 Eingriffe vorgenommen, mehr als die Hälfte davon Notfälle. Meistens handelt es sich um akute Blinddarmentzündungen, Kaiserschnitte, Brüche und akute Verletzungen. Mit den Operationen, die wir durchführen, können wir wirklich etwas bewegen.
Ein Großteil der medizinischen Instrumente, die wir verwenden, ist alt, weil das Material während der vergangenen Jahre nicht dem erforderlichen Standard entsprechend gepflegt wurde. Um ein Beispiel zu nennen: Der Generator arbeitet nicht zuverlässig, so dass wir manchmal gezwungen sind, Narkose-Patienten manuell zu beatmen. Auch einige spezielle Medikamente und Materialien stehen uns nicht zur Verfügung. Wir haben noch immer keinen Geburtshelfer während der Nachtschichten oder spezialisiertes Personal, wie etwa Neurochirurgen.
Sehr gut. Die Menschen sind wirklich froh darüber, dass die Notaufnahme jetzt rund um die Uhr zur Verfügung steht. Sie können in der Stadt jeden fragen: alle wissen vom Engagement von Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus und die Bevölkerung schätzt das sehr. Hawijah hat seit 2003 entsetzliche Gewalt erlebt, besonders 2006 und 2007. Zu sehen, dass sich die Zustände im Krankenhaus verbessern und dass Ärzte ohne Grenzen Hilfe leistet, macht den Menschen große Hoffnung. Es gibt ihnen das Gefühl, dass die Dinge wieder voran gehen.
Obwohl es wegen des anhaltenden Konflikts für humanitäre Organisationen sehr schwer ist, im Irak zu arbeiten, versucht Ärzte ohne Grenzen alles, um medizinische Hilfe für die irakische Bevölkerung zu leisten. Seit 2006 führt die Organisation Hilfsprogramme in verschiedenen Teilen des Landes durch, unter anderem in Anbar, Basra und in den nördlichen Provinzen Kirkuk und Ninewa, und unterstützt vor allem Krankenhäuser mit Lieferungen von medizinischen Material und mit Trainingsmaßnahmen. Weiterhin betreibt Ärzte ohne Grenzen ein Programm für rekonstruktive Chirurgie für irakische Kriegsverletzte in Jordanien.
| Irak | |
|---|---|
| Fläche: | 438 317 km² |
| Einwohner: | 25,261 Mio. Einw. (2006) |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,7/1000 Einw. |
| Lebenserwartung (Männer): | 62 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 64 J. |