Indien 2009: In Mumbai behandelt Ärzte ohne Grenzen Patienten mit HIV und multiresistenter Tuberkulose. Neben medizinischer Hilfe ist auch psychologische Unterstützung Teil des Programms. © Cristina De Middel
 
Indien 2009: In Mumbai behandelt Ärzte ohne Grenzen Patienten mit HIV und multiresistenter Tuberkulose. Neben medizinischer Hilfe ist auch psychologische Unterstützung Teil des Programms.


Indien

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

In Indien leistet Ärzte ohne Grenzen basismedizinische Hilfe und behandelt HIV, Tuberkulose, Malaria und Kala-Azar. Zudem bieten die Mitarbeiter den Menschen, die in Konfliktgebieten leben, allgemein- und fachmedizinische Hilfe an.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Im Distrikt Vaishali, im östlichen Bundesstaat Bihar, bietet Ärzte ohne Grenzen die kostenlose Diagnose und Behandlung der Infektionskrankheit Kala-Azar an. Zwischen Juli 2007 und Januar 2011 wurden mehr als 7.000 Patienten mit einem neuen Medikament behandelt, das effektiver ist, schneller wirkt und weniger Nebenwirkungen hat als andere Arzneimittel. Mehr als 98 Prozent der Patienten werden mit diesem Medikament geheilt. Ärzte ohne Grenzen hofft, dass das indische Kala-Azar-Programm die nationalen Behandlungsprotokolle entsprechend anpassen wird. Im Distrikt Darbhanga versorgte Ärzte ohne Grenzen akut schwer mangelernährte Kinder im Alter von sechs Monaten und fünf Jahren. Im Jahr 2010 wurden mehr als 6.000 Kinder, meist ambulant, behandelt.
  • Ärzte ohne Grenzen arbeitete in Gesundheitszentren und mit mobilen Kliniken in Dörfern und Vertriebenencamps entlang der Grenze zwischen den Bundesstaaten Andhra Pradesh und Chhattisgarh sowie in Chhattisgarh selbst. Es handelt sich dabei um ein Konfliktgebiet, in dem sich Regierungstruppen und maoistische Rebellen bekämpfen. Die Teams hielten etwa 60.000 Sprechstunden, leisteten Geburtshilfe und versorgten mangelernährte Kinder und Schwangere. Zudem behandelten sie Malaria und Tuberkulose (TB). Im Distrikt Bijapur betreute Ärzte ohne Grenzen eine Mutter-und-Kind-Klinik und eröffnete eine TB-Isolierstation. Im Distriktkrankenhaus unterstützten die Mitarbeiter zudem die chirurgische Station.
  • Im August starteten die Mitarbeiter ein neues Projekt im nordöstlichen Bundesstaat Nagaland. Im Distriktkrankenhaus hielten die Teams bis zum Jahresende fast 6.250 Sprechstunden und führten rund 150 kleinere chirurgische Eingriffe durch. Im benachbarten Bundesstaat Manipur gaben sie rund 25.500 allgemeine und 6.650 vorgeburtliche Konsultationen. Die Versorgung von 200 HIV-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten der ersten Therapielinie in Churchandpur wurde an die Behörden übergeben. 400 HIV-Patienten, die Arzneimittel der zweiten Therapielinie erhalten, betreute  Ärzte ohne Grenzen jedoch weiter. Die Teams behandelten auch 100 TB-Patienten und therapierten elf Personen mit multiresistenter Tuberkulose.
  • In Mumbai leisteten die Teams umfassende Hilfe für 310 HIV-Positive, die eine Behandlung benötigten, die im öffentlichen Sektor für sie nicht verfügbar war. Dazu gehörten Patienten, die auf antiretrovirale Medikamente mit starken Nebenwirkungen reagieren, Patienten mit Koinfektionen oder stigmatisierte Patienten wie Sexarbeiter oder Männer, die Sex mit Männern haben.
  • Im Jahr 2010 bot Ärzte ohne Grenzen 4.500 Menschen psychologische Hilfe in Kaschmir an, wo es im Sommer erneut zu heftigen Gewaltausbrüchen kam. Zudem gaben die Teams rund 16.500 medizinische Sprechstunden.
  • Außerdem reagierte Ärzte ohne Grenzen auf diverse akute Notfälle. So verteilten die Mitarbeiter im Mai nach einem Wirbelsturm Hilfsgüter an die Bevölkerung im Bundesstaat Andhra Pradesh. Von Juni bis Juli bekämpften sie den Ausbruch einer akuten Durchfall-Epidemie im Süden des Bundesstaates Chhattisgarh. Im August unterstützte Ärzte ohne Grenzen nach sintflutartigen Regenfällen die Menschen in Leh, der Hauptstadt der nordindischen Hochgebirgsregion Ladakh, mit dringend benötigten Hilfsgütern. Als nach dem Monsunregen die Anzahl der Malariafälle drastisch stieg, unterstützten die Teams die Gesundheitsbehörden mit Diagnosetests und Medikamenten.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Infektionskrankheit
Krankheit, die durch das Eindringen und die Vermehrung von Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten ausgelöst wird.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1999 in Indien.

 

31. Mai 2011
Fotos: Cristina De Middel



Länderinformationen

Indien
Indien
Fläche:3 166 414 km²
Einwohner:1139,965 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,6/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
56/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):63 J.
Lebenserwartung (Frauen):64 J.
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