Wie für viele andere Betroffene war Shantis Leben mit der multiresistenten TB ein langer und schmerzhafter Weg. Verzweifelt versuchte sie etwas zu finden, das die sie schwächende Krankheit heilen könnte. Sie besuchte viele verschiedene Ärzte und durchlief insgesamt drei Behandlungszyklen, die alle keinen Effekt hatten. Schließlich eröffnete ihr ein Arzt, dass ihre Form der TB unheilbar sei und dass die benötigten Medikamente in jedem Fall viel zu teuer für sie seien. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits einen großen Anteil ihres eigenen kleinen Einkommens für ungenaue Tests und unzureichende Behandlungen verbraucht.
Obwohl sie zutiefst niedergeschlagen war, gab Shanti nicht auf. 2011 wurde sie schließlich in der Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Mumbai aufgenommen, wo HIV-positive Patienten, die zudem unter einer resistenten TB-Koinfektion leiden, behandelt werden. Sie wurde mit MDR-TB diagnostiziert und die Behandlung begonnen. Shanti hat Jahre gebraucht, um endlich die Hilfe zu erhalten, die sie so dringend brauchte. Leider verstarb sie einige Monate später aufgrund von Komplikationen ihrer zu weit fortgeschrittenen Krankheit.
Leider ist die Geschichte von Shanti längst nicht einmalig. Der gesundheitliche Zustand der Patienten, die in unserer Klinik eintreffen, ist oft sehr schlecht. Einige von ihnen sterben sogar, bevor wir mit ihrer Behandlung beginnen können. Viele waren vorher in privater Behandlung, wo sie ungeeignete TB-Medikamente erhielten. Oft fehlt es bei den Privat-Praxen an der kontinuierlichen Überwachung, um sicherzustellen, dass die Patienten ihre Medikamente regelmäßig einnehmen. Zudem führen die hohen Arzneimittelkosten dazu, dass viele der Patienten dieser Praxen dazu gezwungen sind, ihre Behandlung vor der Heilung abzubrechen.
"Die Behörden müssen dringend den privaten Sektor kontrollieren, so dass die Behandlung und Unterstützung der Patienten in diesem Rahmen auf ein akzeptables Niveau gebracht wird“, sagt Piero Gandini, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Indien.
Indien hat mit 100.000 neuen Fällen pro Jahr die zweithöchste Rate an MDR-TB weltweit. Doch nur zwei Prozent dieser Betroffenen erhält im Rahmen des nationalen Programms Medikamente der zweiten Therapielinie, wenn die Medikamente der Ersttherapie versagen.
"Es ist wirklich wichtig, dass Menschen mit TB in einem frühen Stadium der Krankheit richtig diagnostiziert werden und eine angemessene Betreuung und Behandlung erhalten. Es ist für uns immer sehr traurig, wenn wir nicht in der Lage sind, das Leben eines Patienten zu retten. Aber wenn die Behörden sich nicht um dieses Problem der wachsenden Resistenzen kümmern, werden wir leider weitere Fälle wie diesen erleben ", so Gandini.
| Indien | |
|---|---|
| Fläche: | 3 166 414 km² |
| Einwohner: | 1139,965 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,6/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 56/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 63 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 64 J. |