Seit die Straßen in Bihar wieder passierbar sind, organisiert Ärzte ohne Grenzen in verschiedenen Orten mobile Kliniken, besonders in den westlichen Regionen des Distriktes Araria, wo die Hilfe bisher noch nicht angekommen ist. Die Teams haben die Bedürfnisse evaluiert und am vergangenen Dienstag allein in der Region Parwaha mehr als hundert Patienten medizinisch behandelt.
Die von den Überschwemmungen Vertriebenen haben sich in behelfsmäßigen Lagern gesammelt. Einige leben im Freien, andere geschützt in Gebäuden, wie Schulen -
aber alle unter schlimmen hygienischen Bedingungen. Der Zugang zu Trinkwasser ist auf einige Handpumpen begrenzt, und es gibt nur wenige Latrinen. Auch Duschen und Hygieneartikel wie Seife fehlen.
Offizielle Schätzungen sprechen von derzeit etwa 50 Camps in vergleichbarem Zustand in den betroffenen Regionen mit insgesamt etwa 30.000 Menschen. Zu einigen Regionen, die immer noch überflutet sind, gibt es keinen Zugang. Möglicherweise sind noch annähernd 400.000 Menschen vom Wasser eingeschlossen - wenn der Wasserspiegel sinkt, werden auch sie unter Umständen in die Camps kommen.
"Ausbrüche von Epidemien wurden bis jetzt noch nicht gemeldet. Wir müssen jedoch in Alarmbereitschaft sein und schnell reagieren, da sich die Situation verschlechtern könnte. Wir sind alle beunruhigt, weil es viele Menschen gibt, die wir noch nicht erreichen konnten", erklärte Björn Nissen, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Indien.
Ärzte ohne Grenzen hat bisher fünf Lastwagen mit 15.500 Planen, 4.200 Decken, 15.000 Kanistern, 15.000 Seifen und 3.000 Wasserreinigungstabletten geschickt und an 7.500 Familien verteilt. In den nächsten Tagen haben die Regionen Bhargama und Narpatganj (beide Distrikt Araria) und Banmakee (Distrikt Purnia) Vorrang, ebenso wie Chhatapur (Distrikt Supaul), eine schwer getroffene Region, zu der bis jetzt kein Zugang möglich ist.
Am Dringendsten benötigt die Bevölkerung Schutzplanen, Tabletten zur Wasserreinigung, Küchenutensilien und Hygieneartikel. Entscheidend sind auch Salze gegen Dehydrierung und medizinische Hilfe, um Krankheiten vorzubeugen und zu behandeln, die hauptsächlich mit der schlechten Wasserqualität in Verbindung stehen.
Für Ärzte ohne Grenzen sind acht Mitarbeiter hauptsächlich aus dem laufenden Kala Azar-Projekt in Bihar im Einsatz. Zu ihnen gehören Ärzte und weiteres Gesundheitspersonal, Logistiker und Wasser- und Sanitärexperten. Ein weiteres Team ist auf dem Weg in die betroffene Region, um die Bedürfnisse zu evaluieren und die bereits arbeitenden Teams möglicherweise zu verstärken.
In Nepal versorgt Ärzte ohne Grenzen nach den Überschwemmungen rund 27.000 Menschen. Mitte August hat dort nach starken Regenfällen der Fluss Saptakoshi den Distrikt Sunsari im Südosten des Landes überflutet. Rund 54.000 Menschen wurden obdachlos. Sie leben nun in selbstgebauten Lagern und wie in Bihar unter prekären hygienischen Bedingungen. Die Bewohner leiden unter anderem an Durchfallerkrankungen und Lungenentzündungen.
Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen haben im Distrikt Saptari westlich der Überflutungen eine Klinik aufgebaut, die sich vor allem um Kinder unter fünf Jahren und die Behandlung von Notfällen kümmert. Das Team betreibt außerdem mobile Kliniken, denn viele Überlebende ziehen auf der Suche nach einer neuen Bleibe noch immer durch die Region. Unter ihnen sind nicht nur Nepalesen sondern auch Betroffene der Überschwemmungen im indischen Bihar.
Die Teams von Ärzte ohne Grenzen beobachten die Lage der Menschen sehr genau. Derzeit bereiten sie sich auf einen möglichen Choleraausbruch und die Errichtung eines Behandlungslagers vor.
| Indien | |
|---|---|
| Fläche: | 3 166 414 km² |
| Einwohner: | 1139,965 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,6/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 56/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 63 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 64 J. |