China 2010: Am 14. April erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6.9 die Stadt Jiegu in der Autonomen Tibetischen Präfektur Yushu. © Daiki Murakami/MSF
 
China 2010: Am 14. April erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6.9 die Stadt Jiegu in der Autonomen Tibetischen Präfektur Yushu.


China

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Ärzte ohne Grenzen übergab im Jahr 2010 nach siebenjähriger Tätigkeit das HIV-Projekt in der Stadt Guangxi an die lokalen Behörden. Dieses Projekt lief in Zusammenarbeit mit den amerikanischen „Centers for Disease Control“ (CDC)

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Die Provinz Guangxi im Südwesten Chinas hat eine der höchsten HIV-Infektionsraten im Land. Zusammen mit den CDC startete Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2003 ein HIV-Projekt in der Provinzhauptstadt Nanning. Zielgruppe des Projektes waren Hochrisikogruppen, wie intravenöse Drogengebraucher, Sexarbeiter und Männer, die Sex mit Männern haben. Die Teams boten ihnen Tests und Behandlung an. Die Patienten reagierten gut auf die Therapie und hielten sie auch durch. Vor dem Projektstart hatten die chinesischen Behörden Zweifel geäußert, ob Drogengebraucher tatsächlich die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten schaffen würden. Doch die medizinischen Daten von Ärzte ohne Grenzen überzeugten sie letztlich. Ein Kernpunkt des HIV-Projektes in Guangxi war es, marginalisierte Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Die Teams gingen in die Gemeinden und ermutigten die Menschen, sich testen und behandeln zu lassen. Nachdem die Patienten medikamentös eingestellt waren, verbesserte sich ihre Lebensqualität beträchtlich. Anfangs waren die Gesundheitsbehörden skeptisch, ob die psychologische Beratung funktionieren würde, doch sie wurde ein wichtiger Teil der Therapie.
  • HIV-infizierte Menschen leiden aufgrund ihres geschwächten Immunsystems häufig unter Begleitinfektionen. Im Verlauf des Projektes konnte Ärzte ohne Grenzen neue Behandlungsprotokolle für die Therapie dieser Infektionen einführen. Die wichtigste behandelte Begleiterkrankung war Tuberkulose. Die Teams unterstützten zudem die nationalen Kollegen bei der Diagnose und Behandlung von Cytomegalovirus, einer viralen Infektion, die bei HIV-Infizierten zu Blindheit führen kann.
  • Während der siebenjährigen Tätigkeit entwickelte das Team von Ärzte ohne Grenzen ein Behandlungssystem, das die medizinischen und psychologischen Bedürfnisse der Patienten berücksichtigte. Die Mitarbeiter halfen beim Entwurf von Richtlinien für Tests und für die Therapie von HIV/Aids. Sie dienten als Grundlage für den Behandlungsansatz in der Provinz. Teile dieser Richtlinien flossen dann in das nationale Protokoll zur Bekämpfung der Epidemie ein. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen bildeten zudem viele Gesundheitsarbeiter in Guangxi aus. Die Provinz verfügt heute über 45 antiretrovirale Behandlungszentren, verglichen mit einer Handvoll im Jahr 2003. Insgesamt wurden 1.724 Patienten kostenlos behandelt und versorgt. Etwa 80 Prozent dieser Patienten waren zum Zeitpunkt der Projektübergabe noch immer in Therapie.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Immunsystem
Abwehrsystem des Körpers
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1988 in China präsent.

 

31. Mai 2011
Fotos: Daiki Murakami/MSF



Länderinformationen

China (Volksrepublik)
China (Volksrepublik)
Fläche:9 572 900 km²
Einwohner:1325,640 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 1,5/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
23/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):70 J.
Lebenserwartung (Frauen):74 J.
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