Wenn wir hier Überlebende treffen, neigen sie dazu zu sagen, dass die Dinge in Ordnung sind und sie mit der Situation umgehen können. Wie diese alte Dame, die uns erzählte, dass es ihr gut gehe und wir anderen helfen könnten. Aber als wir ihr Fragen stellten, begann sie schnell zu weinen. Am gleichen Tag kam der Fahrer eines Bulldozers zu uns und wollte mit einem Psychologen sprechen. Er musste seit dem Beben Leichen aus dem Schutt räumen und fühlte sich sehr schlecht. Er hatte Albträume von seinen täglichen schrecklichen Erfahrungen.
Viele verschiedene Gruppen brauchen Hilfe: Schulkinder, da viele Schulgebäude zerstört sind und viele ihre Klassenkameraden und Eltern verloren haben. Die älteren Menschen werden manchmal nicht beaufsichtigt. Viele behinderte Patienten leiden an schweren Verletzungen, und für sie ist es umso schwerer in ein normales Leben zurückzukehren und mit der Situation umzugehen.
Psychologen von Ärzte ohne Grenzen haben den Krankenhäusern ihre Hilfe und Beratung angeboten. Außerdem haben sie das medizinische Personal weitergebildet und ihnen gezeigt, wie sie die Patienten mit erster psychologischer Hilfe unterstützen können.
Ein Team mit vier Psychologen wird in zwei Orten arbeiten, in denen Menschen nach dem Beben Zuflucht gesucht haben. In Long Men, Pengzhou Stadt, einer gebirgigen Gegend, wo etwa 10.000 Menschen in zehn notdürftigen Unterkünften leben, werden wir neben den medizinischen Einrichtungen ein Zelt aufbauen. Drei Psychologen von Ärzte ohne Grenzen werden psychologische Beratungen anbieten. Ein anderes Team wird in einer notdürftigen Unterkunft etwa weitere 10.000 Vertriebene in Hanwang, Mianzhu Stadt, psychologisch unterstützen.
Gleichzeitig werden Teams weiter auf die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen in den betroffenen Gebieten von Long Men und Hanwang eingehen. Wir werden mehr Zelte und Hilfsgüter verteilen, auch
Waschbecken und Kleidung, wenn sie benötigt wird.
In den vielen Notsituationen, die ich erlebt habe, habe ich noch nie eine Hilfe in diesem Umfang von den nationalen Behörden erlebt. Obendrein gab es eine große gesellschaftliche Mobilisierung. Freiwillige kommen in die betroffenen Gebiete und bieten ihre Hilfe an. Bei einer Katastrophe mit dem Ausmaß des Erbebens in Sichuan gibt es generell reichlich unerfüllte Bedürfnisse. Aber hier fehlt nur wenig, hauptsächlich psychische Versorgung, grundlegende Hilfsgüter und Unterkünfte. Ärzte ohne Grenzen versucht diese Lücken zu füllen.
Auf der medizinischen Ebene bietet Ärzte ohne Grenzen den Krankenhäusern in Guanghan und Hanwang klinische und chirurgische Unterstützung an. Drei Nierenspezialisten der Internationalen Gesellschaft für Nierenheilkunde haben in drei der größten Krankenhäuser in Chengdu ihr Fachwissen angeboten, ebenso wie im notdürftigen Krankenhaus in Guanghan.
| China (Volksrepublik) | |
|---|---|
| Fläche: | 9 572 900 km² |
| Einwohner: | 1325,640 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 1,5/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 23/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 70 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 74 J. |