Bangladesch
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Viele Menschen, die in die Hauptstadt Dhaka ziehen, landen schließlich in den Armenvierteln, wo die Gesundheitsversorgung sehr schlecht ist. Im April 2010 eröffnete Ärzte ohne Grenzen ein therapeutisches Ernährungszentrum im Armenviertel Kamrangirchar, in dem rund 400.000 Menschen leben.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Zwei Drittel aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren werden in Bangladesch auf Mangelernährung zurückgeführt. Im Elendsviertel Kamrangirchar konzentriert sich Ärzte ohne Grenzen daher darauf, schwer mangelernährte Kinder sowie schwangere und stillende Frauen zu behandeln und die Geburtshilfe zu unterstützen. Die Teams gehen in die Gemeinde und nehmen diejenigen Kinder, die schwer mangelernährt sind, in das ambulante Ernährungsprojekt auf. Den Kindern wird so lange verzehrfertige Nahrung mit nach Hause gegeben, bis sie das normale Körpergewicht erreicht haben. Gesundheitshelfer besuchen die Kinder zuhause und stellen sicher, dass sie die verzehrfertige Nahrung richtig zu sich nehmen. Im Jahr 2010 nahm Ärzte ohne Grenzen 378 Kinder und 440 schwangere oder stillende Frauen in das Projekt auf und führte mehr als 10.000 Konsultationen in der Klinik.
- Kala-Azar (viszerale Leishmaniose) ist eine parasitäre Krankheit, die durch den Biss einer Sandfliege übertragen wird und unbehandelt zum Tod führt. Nach Malaria ist Kala-Azar die parasitäre Krankheit mit den häufigsten Todesfällen weltweit. Die Medikamente zur Behandlung sind teuer und schwer zu bekommen. Nur wenige Menschen in Bangladesch kennen die Krankheit, ihre Symptome oder Ursache. Sie wissen daher nicht, dass sie sich vor den Fliegen schützen müssen. Gemeinsam mit dem Gesundheits- und Familienministerium eröffnete Ärzte ohne Grenzen im Juni 2010 eine Kala-Azar-Klinik im Unterdistrikt Fulbaria, im Osten des Distrikts Mymensingh. 60 Prozent aller Fälle von Kala-Azar in Bangladesch entfallen auf Fulbaria und den Nachbardistrikt Trishal. Es ist die einzige Klinik in Bangladesch, die auf die Behandlung von Kala.Azar spezialisiert ist. Gesundheitshelfer arbeiten mit den lokalen Gemeinden, um die Menschen über die Krankheit zu informieren und verdächtige Fälle zu identifizieren. Kala-Azar wird mit einem neuen Medikament behandelt, das schneller und besser wirkt sowie weniger Nebenwirkungen hat als andere. Ärzte ohne Grenzen behandelt auch die Post-Kala-Azar-Hautleishmaniose (PKDL), die oft erst lange nach der scheinbaren Heilung der Patienten auftritt. Bis zum Jahresende 2010 wurden mehr als 400 Kala-Azar-Patienten in der Klinik behandelt sowie 400 Personen, die die Post-Kala-Azar-Hauterkrankung (PDKL) aufwiesen.
- In den Chittagong Hill Tracts, einer Region im Süden des Landes, leistete Ärzte ohne Grenzen Basismedizin und Geburtshilfe in den Unterdistrikten Dighinala und Baghaichhari. In acht Kliniken wurden 25.000 ambulante Konsultationen gegeben, mehr als 1.000 vorgeburtliche Sprechstunden und rund 1.450 Malaria-Patienten behandelt.
- In der Küstenregion Cox´s Bazar, an der Grenze zu Myanmar, unterstützten die Teams im Jahr 2010 die Menschen in Kutupalong mit medizinischer Hilfe. Davon profitierten auch etwa 30.000 unregistrierte Rohingya-Flüchtlinge, die in Notunterkünften außerhalb des offiziellen UN-Camps leben. Zu den üblichen Krankheiten gehörten Atemweginfektionen und Durchfall. Im Februar 2010 kritisierte Ärzte ohne Grenzen zudem öffentlich einen Gewaltausbruch gegen die unregistrierten Flüchtlinge. Seitdem hat die Gewalt abgenommen, aber die Rohingyas sind weiterhin sehr gefährdet, da sie keinen offiziellen Status haben und daher nur geringe Unterstützung erhalten.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1985 in Bangladesch aktiv.
31. Mai 2011
Fotos: Giulio Di Sturco/VII Mentor