Bangladesch
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Im Cox´s Bazar-Distrikt, der an der Grenze zu Myanmar liegt, kämpfen Tausende nichtregistrierte Rohingya-Flüchtlinge täglich um ihr Überleben. Es wird geschätzt, dass etwa 400.000 Rohingyas als Flüchtlinge in Bangladesch leben, doch nur 28.000 von ihnen werden von der Regierung offiziell als Flüchtlinge anerkannt. Nur sie haben somit Anspruch auf Unterstützung durch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Die große Mehrheit der Rohingyas lebt hingegen unter erbärmlichen Bedingungen. Schutzlos sind sie Gesundheitsrisiken und Ausbeutung ausgesetzt.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Im März 2009 wurde Ärzte ohne Grenzen darauf aufmerksam, dass mehr als 20.000 nichtregistrierte Rohingyas unter schrecklichen Bedingungen im Übergangslager Kutupalong lebten. Die Teams starteten daraufhin ein medizinisches Nothilfeprojekt, das die Behandlung vieler mangelernährter Kinder sowie die Verbesserung der Trinkwasser- und Sanitäranlagen einschloss. In nur einem Monat wurden mehr als 1.000 mangelernährte Kinder in ein mobiles Ernährungsprojekt aufgenommen. Insgesamt behandelten die Mitarbeiter mehr als 3.700 Kinder unter fünf Jahren. Die Aktivitäten entwickelten sich rasch zu einem Basisgesundheitsprojekt, das auf den zunehmenden medizinischen Bedarf der nichtregistrierten Flüchtlinge und der einheimischen Bevölkerung zugeschnitten war. Im Jahr 2009 untersuchten die Mitarbeiter mehr als 23.000 Kinder unter fünf Jahren und führten 1.000 vorgeburtliche Untersuchungen durch. Außerdem impften sie rund 11.000 Kinder gegen Masern. Im Juni und Juli beobachtete Ärzte ohne Grenzen empört, wie einheimische Behördenvertreter Tausende von Flüchtlingen gewaltsam aus einem Teil des Übergangslagers vertrieben. Die Mitarbeiter behandelten zahlreiche Verletzte und prangerten den Übergriff öffentlich an. Die Gewalt hörte daraufhin für kurze Zeit auf, doch im Oktober behandelten die Teams erneut verletzte Flüchtlinge. Dieses Mal berichteten die Patienten, dass einheimische Behördenvertreter und Bürger sie aus ihren Unterkünften in den Distrikten Bandarban und Cox´s Bazar vertrieben hatten. Zum Ende des Jahres startete Ärzte ohne Grenzen eine Öffentlichkeitskampagne, um die Gewalt zu stoppen. Zudem forderte die Organisation die Regierung und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR auf, alle Flüchtlinge zu schützen.
- Nach dem Wirbelsturm Aila im Mai 2009 unterstützte Ärzte ohne Grenzen etwa 75.000 Menschen mit Hilfsgütern, reparierte Wasserquellen und leistete basismedizinische Hilfe.
- In den Chittagong Hill Tracts im Südosten des Landes betreute Ärzte ohne Grenzen ein Basisgesundheitsprojekt. In dieser Region, in der es häufig zu ethnischen Spannungen kommt, gibt es keine ausreichende Gesundheitsversorgung. Die Mitarbeiter arbeiteten ebenfalls in einer Klinik im südöstlichen Baghaihat-Bezirk, wo sie zudem in acht Dörfern Gesundheitszentren unterstützten.
- Im Jahr 2010 wird Ärzte ohne Grenzen ein Kala-Azar-Behandlungsprojekt im Nordosten Bangladeschs beginnen. Diese parasitäre Krankheit endet unbehandelt oft tödlich. Zudem wird ein neues Basisgesundheits- und Ernährungsprojekt in Kamrangirchar gestartet, dem größten Elendsviertel in der Nähe von Dhaka. Hier sollen einige Kliniken eröffnet werden, die bereits bestehende Gesundheitszentren unterstützen. Geplant ist außerdem, schwer mangelernährte Kinder unter fünf Jahren zuhause zu behandeln.
- Masern
- Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen führen bei Masernausbrüchen flächendeckende Impfungen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
- Trinkwasser
- Sauberes Trinkwasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, Ziel sind jedoch mindestens 20 Liter zum Trinken, Waschen und Kochen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1985 in Bangladesch.
April 2010
Fotos: Giulio Di Sturco/VII Mentor