Armenien
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Ärzte ohne Grenzen behandelt gemeinsam mit dem Personal des nationalen Tuberkuloseprogramms medikamentenresistente Tuberkulose in Armenien.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- In den 90er Jahren tauchten resistente Formen der Tuberkulose (TB) auf, da Patienten ihre TB-Behandlung nicht abgeschlossen oder ihre Medikamente nicht regelmäßig eingenommen hatten. Im Jahr 2005 nahm ein Team von Ärzte ohne Grenzen die Arbeit in Eriwan, Armeniens Hauptstadt, auf. Die Mitarbeiter unterstützten die Ärzte bei der Diagnose und Behandlung verschiedener Formen von medikamentenresistenter TB.
Die normale TB-Therapie bedeutet, dass die Patienten regelmäßig über sechs Monate Medikamente einnehmen müssen. Wer an einer medikamentenresistenten TB-Form erkrankt, muss bis zu zwei Jahren medikamentös behandelt werden. Diese Therapie ist teuer und wird nicht überall angeboten. Die Behandlung beginnt normalerweise mit einem stationären Aufenthalt, bei dem die Patienten genau beobachtet werden. Sobald sie nach Hause zurückkehren, müssen sie eine zermürbende Arzneimitteltherapie beginnen. Viele dieser TB-Medikamente sind giftig und verursachen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel. Die Therapie wird daher für einige Patienten unerträglich.
- Für viele TB-Kranke ist es sehr schwierig, die Behandlung bis zum Ende durchzuhalten. Die Schwere der Nebenwirkungen ist einer der wichtigsten Faktoren dafür, dass die Patienten die Therapie nicht durchhalten. Ein anderer Grund ist, dass die Patienten sich nach einiger Zeit besser fühlen und denken, dass sie die Arzneimittel nicht mehr einnehmen müssen. Ärzte ohne Grenzen hilft den Patienten, die Nebenwirkungen zu bewältigen, indem die Mitarbeiter Einzel- oder Gruppenberatung anbieten. Außerdem geben sie den Patienten Nahrungsmittelgutscheine, um sicherzustellen, dass sie sich optimal ernähren. In einigen Fällen renovieren die Teams sogar die Wohnungen, um eine angemessene Infektionskontrolle zu garantieren. Denn wenn ein Haus gut gelüftet werden kann und ausreichend Sonnenlicht einfällt, erhöht sich die Chance, dass die TB-Bakterien getötet werden. Im Jahr 2010 wurden die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen intensiv geschult, um die Patienten gut aufklären und beraten zu können. Zudem wurden einige Richtlinien überarbeitet, damit es den Patienten leichter fällt, die Therapie durchzuhalten.
- Einige Elemente des TB-Projektes in Eriwan wurden bereits an nationale Behörden übergeben. So hat das armenische Rote Kreuz in einigen Distrikten die soziale Unterstützung übernommen, und das nationale TB-Programm ist für die Versorgung der Patienten mit TB-Medikamenten verantwortlich.
- Im Jahr 2010 erweiterte Ärzte ohne Grenzen das TB-Projekt nach Lori und Shirak, zwei ländliche Provinzen im Norden des Landes. In einer ländlichen Gegend zu arbeiten, bringt zusätzliche Herausforderungen mit sich. Denn obwohl einige Patienten weit von den Kliniken entfernt leben, müssen sie dort regelmäßig vorstellig werden. Aus diesem Grund hat das Team neue Behandlungs- und Pflegeformen eingeführt, die besser auf diese Zielgruppe zugeschnitten sind. Seit dem Jahr 2005 haben insgesamt 559 Patienten ihre TB-Therapie begonnen. 246 Patienten werden zurzeit behandelt.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1988 in Armenien.
31. Mai 2011
Fotos: Bruno De Cock