Afghanistan 2009: Mithilfe von Ärzte ohne Grenzen soll das Krankenhaus in Lashkar Gar, Helmand, künftig täglich rund um die Uhr Patienten aufnehmen können.
Afghanistan
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Der Konflikt in Afghanistan flammte im Jahr 2009 erneut auf, vor allem im Osten und Süden des Landes. Für Zivilisten war es das verlustreichste Jahr seit dem Beginn des Krieges zwischen den Koalitionstruppen und der afghanischen Armee mit den verschiedenen Oppositionsgruppen im November 2001.
Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)
- Das Land weist einige der schlechtesten Gesundheitsindikatoren weltweit auf. Die Kindersterblichkeit ist besonders hoch. Das Kinderhilfswerk UNICEF schätzt, dass auf 1.000 Lebendgeburten etwa 257 tote Säuglinge kommen. Bis vor Kurzem gab es zudem nur ein einziges Krankenhaus in Kandahar, unterstützt durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, das für den ganzen Süden Afghanistans eine umfassende Gesundheitsversorgung anbot. Die Menschen müssen also Hunderte von Kilometern durch sehr gefährliches Gebiet fahren, um die medizinische Hilfe zu bekommen, die sie benötigen.
- Nach dem brutalen Mord an fünf Mitarbeitern in der Provinz Badghis hatte Ärzte ohne Grenzen das Land im Juni 2004 verlassen. Die Organisation kehrte im Jahr 2009 zurück, da sich die Lage für die afghanische Bevölkerung eher verschlechterte als verbesserte. Seit Jahren leben die Menschen unter prekären Bedingungen. Viele von ihnen haben kaum Zugang zu medizinischer Versorgung. Öffentliche Krankenhäuser funktionieren nur schlecht, und die privaten Kliniken sind oft unerschwinglich teuer. Seit Oktober 2009 unterstützt Ärzte ohne Grenzen Aktivitäten in einem Distriktkrankenhaus östlich von Kabul sowie in einem weiteren in der Hauptstadt der Provinz Helmand. Da es allen Kriegsparteien in Afghanistan an Respekt für medizinische Einrichtungen mangelt, werden Krankenhäuser immer wieder zur Zielscheibe. Weder Patienten noch Personal können sich dort sicher fühlen. Für Ärzte ohne Grenzen war es daher unverzichtbar, mit allen Konfliktparteien auszuhandeln, dass Krankenhäuser eine sichere Umgebung darstellen. Die Strategie "Keine Waffen erlaubt" wurde erfolgreich umgesetzt und scheint zu wirken.
- Im Distriktkrankenhaus östlich von Kabul bemühte sich Ärzte ohne Grenzen, die Behandlungsabläufe sowie die Qualität in der Notaufnahme und auf der Entbindungsstation zu verbessern. Bis zum Jahresende führten die Mitarbeiter rund 19.000 Konsultationen und 1.000 Entbindungen durch. Zudem impften sie knapp 9.900 Personen im Rahmen des erweiterten Impfprogramms. Dieses schützt gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Haemophilus Influenzae, einer lebensgefährlichen bakteriellen Entzündung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich bei Kindern unter fünf Jahren. Darüber hinaus renovierten die Teams Teile des Krankenhauses.
- Seit November 2009 unterstützen die Mitarbeiter auch das Boost-Krankenhaus in Lashkargah, der Provinzhauptstadt von Helmand. Die Bewohner dieser Stadt leiden sehr unter dem Konflikt. Das Krankenhaus mit 150 Betten ist eines von zwei öffentlichen Allgemeinkrankenhäusern im Süden Afghanistans. Ärzte ohne Grenzen ist auf allen Stationen aktiv, einschließlich der Entbindungsstation, Kinderheilkunde, Chirurgie und Notaufnahme. Seit Beginn der Aktivitäten haben die Teams 1.100 Konsultationen, mehr als 60 chirurgische Eingriffe und fast 160 Entbindungen durchgeführt. Sie garantieren, dass stets medizinisches Personal vor Ort und die Behandlung kostenlos ist. Es ist das Ziel von Ärzte ohne Grenzen, das Krankenhaus rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche zu öffnen.
- Die Organisation plant, ab 2010 auch in anderen Provinzen Afghanistans Krankenhäuser und ländliche Gesundheitszentren zu unterstützen.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2009 wieder in Afghanistan.
April 2010
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Fotos: Mads Nissen /Berlingske