Unter den Verletzungen, die die eingelieferten Patienten erlitten hatten, waren Knochenbrüche, Kopfwunden und Wunden im Bauchraum sowie am Brustkorb. Zwei der operierten Patienten verstarben trotz Operation.
"Nach der Explosion eilten Menschen in das Krankenhaus, um Informationen über Familienangehörige und Verwandte zu bekommen - eine verständliche Reaktion", so Aurelien Marechal, Einsatzkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kundus. "Dennoch war das Areal des Krankenhauses dadurch überfüllt, und wir mussten zeitweise den Zugang verwehren, damit das medizinische Personal dringende Behandlungen durchführen konnte."
Ärzte ohne Grenzen setzte ein System ein ("multiple casualty plan"), bei dem bei der gleichzeitigen Einlieferung vieler Verwundeter der Schweregrad der Verletzungen der Patienten rasch festgestellt wird, um die dringendsten Fälle zuerst behandeln zu können.
Ärzte ohne Grenzen betreibt seit August 2011 ein chirurgisches Krankenhaus in Kundus. In der Klinik werden Verletzte, die sich in Lebensgefahr befinden, operiert und nachbehandelt. Im Jahr 2012 waren es 10.000 Menschen, die in dem Krankenhaus behandelt wurden.
In allen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen in Afghanistan gilt die strikte Richtlinie, dass es keine Waffen auf dem Gelände geben darf. Damit wird die Sicherheit der Patienten und des Personals gewährleistet. "Was auch immer außerhalb des Krankenhaus-Geländes passiert, das Krankenhaus muss ein sicherer Platz für die behandelnden Ärzte und die Patienten bleiben, die eine lebensrettende Behandlung bekommen", sagt Marechal.
Neben dem chirurgischen Krankenhaus in Kundus arbeiten Teams von Ärzte ohne Grenzen auch im Ahmad Shah Baba-Krankenhaus in Kabul und im Boost-Krankenhaus in Lashkargah, der Hauptstadt der Provinz Helmand. Außerdem betreibt die Organisation eine Geburtshilfe-Klinik in der Provinz Khost. In all diesen Einrichtungen stellt Ärzte ohne Grenzen allen Menschen, die Hilfe brauchen, eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zur Verfügung.
Ärzte ohne Grenzen finanziert die Projekte in Afghanistan ausschließlich mit privaten Spenden und nimmt keine staatlichen Gelder dafür an.
| Afghanistan | |
|---|---|
| Fläche: | 652 225 km² |
| Einwohner: | 27,8 Mio. Einw. (Schätzung 2002) |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,2/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 165/1000 Geb. (2002) |
| Lebenserwartung (Männer): | 43 J. (2002) |
| Lebenserwartung (Frauen): | 44 J. (2002) |