Kolumbien 2007: Das San Miguel Gesundheitszentrum in Quibdo ist auf die Behandlung von Frauen spezialisiert. © f.z. für Ärzte ohne Grenzen
 
Kolumbien 2007: Das San Miguel Gesundheitszentrum in Quibdo ist auf die Behandlung von Frauen spezialisiert.


Kolumbien

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Im Jahr 2010 tauchten bereits demobilisierte paramilitärische Gruppen in vielen Gebieten Kolumbiens wieder auf. Die Gewalt im Land hinderte viele Menschen daran, medizinische Hilfe aufzusuchen. Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen konzentrierten sich darauf, den Menschen medizinisch zu helfen, die in Konfliktgebieten leben oder vertrieben wurden.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Im Norden des Landes führte Ärzte ohne Grenzen mehr als 13.000 Sprechstunden in den von Gewalt besonders betroffenen Distrikten Sucre und Bolivar durch. Zudem betreuten die Teams mobile Kliniken in Norte de Santander und behandelten fast 9.000 Patienten. Im Südwesten des Landes, in Cauca, Putumayo, Nariño und Caquetá gaben sie mehr als 50.777 allgemeinmedizinische Sprechstunden.
  • Psychologische Hilfe ist besonders wichtig für Menschen, die ständiger Gewalt ausgesetzt sind, doch sie wurde lange vom kolumbianischen Gesundheitssystem vernachlässigt. Ärzte ohne Grenzen unterstützte im Jahr 2010 mehr als 12.000 Menschen in den Provinzen Caquetá, Cauca, Nariño, Putamayo, Norte de Santander, Sucre und Bolivar und veröffentlichte einen Bericht  über den Bedarf an psychologischer Hilfe in Caquetá.
  • Die Geburtsklinik im Krankenhaus San Francisco de Asís in der Stadt Quibdó, Provinz Chocó, ist das Referenzzentrum für alle komplizierten geburtshilflichen Fälle. Seitdem Ärzte ohne Grenzen hier im Jahr 2003 die Arbeit aufnahm, eröffneten die Teams eine Neugeborenenstation, führten Fortbildungen durch, versorgten Opfer sexueller Gewalt und gaben mehr als 40.000 Sprechstunden. Im Jahr 2010 wurden alle Aktivitäten an eine lokale Organisation übergeben. Auch  die permanenten und mobilen Kliniken sowie die Bootambulanz entlang des Flusses San Juan übergab Ärzte ohne Grenzen. Die Mitarbeiter werden aber weiterhin entlegene Dörfer entlang dieses Flusses mit medizinischer Hilfe versorgen sowie die Projekte an den Ufern des Flusses Baudo weiterführen. Im Gesundheitszentrum der Stadt Riosucio, Provinz Chocó, gaben die Teams im Jahr 2010 mehr als 4.400 Sprechstunden und unterstützten zudem die geburtshilfliche Notfallstation im Krankenhaus von Riosucio.
  • In der Stadt Buenaventura, Provinz Valle del Cauca, leben besonders viele Vertriebene, die vor der Gewalt in ländlichen Regionen geflohen sind. Seit 2007 leistet Ärzte ohne Grenzen hier bereits medizinische Hilfe. Bis September 2010 führten die Teams rund 15.520 Sprechstunden durch. Zudem versorgten sie die Bewohner des Stadtteils Miramar mit sauberem Wasser. Da die Anzahl der Patienten mit multiresistenter Tuberkulose in Buenaventura dreimal höher ist als im Landesdurchschnitt, begann Ärzte ohne Grenzen im Dezember 2010 damit, das nationale Tuberkulose-Kontrollprogramm zu unterstützen.
  • Obwohl die durch Raubwanzen übertragene Infektionskrankheit Chagas in Kolumbien endemisch ist, gibt es weder auf Provinz- noch auf nationaler Ebene ein Bekämpfungsprogramm. In der östlichen Provinz Arauca hat Ärzte ohne Grenzen daher die Behandlung von Chagas in die mobilen Kliniken integriert. Im Jahr 2010 wurden mehr als 2.750 Personen auf Chagas untersucht. Die Behandlung von Chagas soll im Jahr 2011 auf die Provinz Norte de Santander ausgeweitet werden.
  • Aufgrund heftiger Regenfälle kam es zu Überflutungen, die mehr als 1,5 Millionen Menschen obdachlos machten. Ärzte ohne Grenzen verteilte Hilfsgüter wie Plastikplanen, Matratzen, Decken und Hygienepakete an die Vertriebenen in den Provinzen Bolivar, Caquetá, Chocó, Nariño und Sucre.
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Infektionskrankheit
Krankheit, die durch das Eindringen und die Vermehrung von Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten ausgelöst wird.
Psychologische Hilfe
Hilfe zur Bewältigung psychischer Traumata, zum Beispiel nach Naturkatastrophen oder in Kriegsgebieten. Gespräche werden oft in Gruppen durchgeführt und von ausgebildeten Beratern begleitet. Sie sind an die jeweiligen kulturellen und sozialen Bedingungen angepasst.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Chagas
Krankheit die durch einen Parasiten verursacht wird, den die blutsaugende Raubwanze überträgt. Erkrankte können Jahre ohne Symptome bleiben. Unbehandelt kann die Krankheit zu lebensbedrohlichen Problemen wie Herz- und Darmkomplikationen führen. Chagas tritt in den meisten Ländern Lateinamerikas endemisch auf. In der Region Arauca in Kolumbien kommt Chagas besonders häufig vor.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1985 in Kolumbien.

 

31. Mai 2011
Fotos: f.z. für Ärzte ohne Grenzen



Länderinformationen

Kolumbien
Kolumbien
Fläche:1 141 748 km²
Einwohner:44,534 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 1,4/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
17/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):70 J.
Lebenserwartung (Frauen):76 J.
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