"Das Trinité-Notfall-Krankenhaus ist während des Erdbebens eingestürzt. Dabei starben sieben Patienten und zwei unserer Kollegen", sagt Dr. Pierre Wagner, Notfall-Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen. "So schnell wie möglich haben wir angefangen, in aufblasbaren Zelten auf dem Sportgelände einer Schule zu arbeiten. Dort wurden mehr als 16.000 Konsultationen und 9.000 Operationen durchgeführt. Nun wird es Zeit, diese provisorische Einrichtung wieder abzubauen. Die Schule möchte ihren Sportplatz wieder zurück."
Dr. Wagner und sein Team verlegen die Notfall-Station aus der aufblasbaren Klinik in ein neues Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen - die Einrichtung mit 170 Betten wird den Zugang zu kostenloser medizinischer Hilfe für die Bevölkerung verbessern. Insbesondere für diejenigen Menschen, die in Stadtteilen wie Cité Solei leben - einem der größten Slums in Port-au-Prince. Ärzte ohne Grenzen unterstützt dort seit 2004 das öffentliche Choscal-Krankenhaus, aber: "Wir werden unsere Aktivitäten in Choscal einstellen, so dass das Gesundheitsministerium die Einrichtung wieder übernehmen kann", sagt Gaëtan Drossart, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Wir bauen aber auch ein Krankenhaus mit 114 Betten im Osten der Stadt". Im Stadtteil Tabarre haben im November 100 Handwerker mit den Bauarbeiten begonnen - im Herbst soll es eröffnet werden.
Ärzte ohne Grenzen bietet in Port-au-Prince seit 2006 Notfall-Geburtshilfe und Schwangerenbetreuung. Selbst vor dem Erdbeben hatte Haiti die höchste Müttersterblichkeitsrate in der gesamten westlichen Hemisphäre.
"Unsere Geburtsklinik ist am 12. Januar erheblich beschädigt worden", sagt der medizinische Leiter Dr. Hans Boucher von Ärzte ohne Grenzen. "Unsere Teams haben das Geburts-Krankenhaus des Gesundheitsministeriums über ein Jahr lang unterstützt. Währenddessen haben wir eine neue Notfall-Geburtsklinik mit 100 Betten errichtet, die im März eröffnet wurde".
Unmittelbar nach dem Erdbeben haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen, die bereits vor Ort waren, erste Hilfe geleistet und weitere Verstärkung kam schnell. Die Mitarbeiter haben mit der Arbeit in den stark besiedelten Gebieten der südlichen Vororte von Port-au-Prince begonnen und eine Dental-Klinik in eine Notfall-Station mit 80 Betten und den Schwerpunkten Chirurgie sowie Pädiatrie umgebaut. Diese Klinik wird Ende Juli geschlossen, wenn die neuen und größeren Krankenhäuser von Ärzte ohne Grenzen eröffnet werden.
"In Léogane, dem Epizentrum des Erdbebens, gab es enormen Bedarf an medizinischer Hilfe", sagt Gérard Bedock, Koordinator bei Ärzte ohne Grenzen. "Achtzig Prozent der Gebäude waren zerstört, und nicht ein einziges Gesundheitszentrum war intakt".
Ärzte ohne Grenzen hat in Léogane wenige Tage nach dem Erdbeben ein Krankenhaus neben einfachen Zelten aufgebaut. Später konnte es auf 150 Betten ausgebaut werden. Die Verletzungen, die die Mitarbeiter dort heute behandeln, sind nicht mehr unmittelbar durch das Erdbeben verursacht. Die Einrichtung wurde mittlerweile zu einem öffentlichen Referenz-Krankenhaus und Ärzte ohne Grenzen plant, es dem Gesundheitsministerium zu übertragen.
Alle neuen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen wurden in Zusammenarbeit mit den haitianischen Gesundheitsbehörden geplant und realisiert. Ihre Bauweise berücksichtigt die Möglichkeit erneuter Erdbeben oder Hurrikane.
Ärzte ohne Grenzen hat 2010 für die Projekte in Haiti 100 Millionen Euro ausgegeben und plant für 2011 ein Budget von 50 Millionen Euro ein. Rund 3.000 haitianische und 250 internationale Mitarbeiter arbeiten für die Organisation in dem Land.