Neben der Beobachtung, dass das Auftreten von Cholera im Land sehr verschieden ist, lässt sich festhalten, dass im Oktober 2010 wöchentlich 12.000 Patienten mit Cholera-Symptomen in die Einrichtungen kamen, während es in der ersten Februarwoche nur noch rund 3.100 waren. Daher werden jetzt die Größe und die Anzahl der Einrichtungen verringert. Caroline Séguin, Notfallkoordinatorin des Cholera-Einsatzes von Ärzte ohne Grenzen, benennt dafür zwei wichtige Faktoren: zum einen die Veränderung in der Zahl der Cholerafälle, zum anderen die Tatsache der Erreichbarkeit von Behandlungseinrichtungen.
Die Einrichtungen, die die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen übernehmen, erhalten kostenlos Medikamente und medizinisches Gerät. "Wir sind darauf vorbereitet, uns zurückzuziehen", erklärt Dominique Bernard, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in der Stadt Port-de-Paix. "Wir versichern uns, dass die Einrichtungen, die die Behandlung übernehmen, fähig sind, die Cholerafälle zu bewältigen. Ein Team von Ärzte ohne Grenzen wird zudem die Entwicklung der Epidemie genau beobachten. Wir sind in Kontakt mit den neuen Betreibern und haben darum gebeten, uns zu benachrichtigen, wenn es zu einem starken Anstieg der Patientenzahlen kommt."
Der Rückgang der Cholerafälle hängt teilweise mit dem Beginn der Trockenzeit in Haiti zusammen, die sich hemmend auf die Ausbreitung der Cholera auswirkt. Darüber hinaus haben die Isolation der Patienten in Cholera-Behandlungszentren, die Chlor-Behandlung des Wassers und eine ausgiebige Aufklärung von Ärzte ohne Grenzen und anderen Organisationen einen positive Einfluss auf den Verlauf der Epidemie gehabt. "Anfangs wussten die Menschen gar nichts über die Cholera und waren sehr verängstigt", sagt Séguin. "Das ist jetzt ganz anders. Sie erkennen, wie wichtig es ist, Wasser zu chloren."
Noch immer ist es aber nötig, die Lage genau zu beobachten, weil die Cholera in Haiti nun endemisch ist und die Regenzeit bald beginnt, die das Risiko eines Wiederaufflammens der Epidemie vergrößert. Séguin ist vorsichtig: "Die Zahlen können steigen oder fallen. Deshalb werden wir die Situation in Haiti in den kommenden Monaten genau verfolgen. Wir sind bereit einzugreifen, wenn die Zahl der Cholera-Patienten wieder steigt."
| Haiti | |
|---|---|
| Fläche: | 27 750 km² |
| Einwohner: | 9,780 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,2/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 84/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 52 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 53 J. |