Haiti 2010: Um dem großen Bedarf an Nachsorge, Physiotherapie und psychologischer Hilfe nachzukommen, erweitert Ärzte ohne Grenzen die Kapazitäten.
Haiti
Zwei Monate nach dem schweren Erdbeben - die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Zwei Monate nach dem Erbeben vom 12. Januar ist der Bedarf an medizinischer Hilfe in Haiti noch immer enorm und die Menschen leben unter sehr unsicheren Bedingungen. Die erste Phase unmittelbarer, lebensrettender Nothilfe ist zwar vorbei, doch Tausende von Menschen benötigen nach wie vor operative Nachsorge, Rehabilitations-Maßnahmen, Physiotherapie und psychologische Betreuung. Die extrem schwierigen Lebensumstände für Menschen, die in Lagern oder Zelten in der Stadt oder der umliegenden Gegend leben, bedeuten für die Bevölkerung eine große
Belastung.
Viele Menschen haben noch immer keinen Zugang zu angemessenen Sanitäreinrichtungen, und die beginnende Regenzeit erhöht das Risiko einer Ansteckung mit
Malaria. Die schlechte Beleuchtungssituation und die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen verstärken die Unsicherheit in den Lagern, was auch in einer höheren Zahl von Fällen sexueller Gewalt zum Ausdruck kommt.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken 300 bis 500 Millionen Menschen jährlich an Malaria, mehr als eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen setzt sich für die Behandlung mit schnell wirksamen und gut verträglichen Kombinationspräparaten auf der Basis des Wirkstoffs Artemisinin (ACT) ein.
Patienten benötigen längerfristig medizinische Betreuung
Ärzte ohne Grenzen hat seine Kapazitäten auf Maßnahmen operativer Nachsorge ausgeweitet. Damit soll gewährleistet werden, dass die medizinische Behandlung der Patienten vollständig durchgeführt werden kann – einschließlich plastischer und Mikro-Chirurgie, der Behandlung von Verbrennungsopfern,
Physiotherapie, Rehabilitations-Maßnahmen und psychologischer Beratung. An verschiedenen Orten der Stadt bietet Ärzte ohne Grenzen außerdem Basisgesundheitsversorgung für Kinder und Erwachsene an – sowohl ambulant als auch stationär in Fällen von Notfall-Geburtshilfe oder therapeutischer Versorgung mangelernährter Kinder.
- Physiotherapie
- Krankengymnastik
Lebensumstände verbessern
Über die medizinische Hilfe hinaus stellt Ärzte ohne Grenzen den Menschen weiterhin Wasser zur Verfügung, setzt den Aufbau von sanitären Anlagen fort und verteilt Zelte, Hygienesets und Kochutensilien. Die Situation in den Camps wird kritisch beobachtet, so dass die Öffentlichkeit und verantwortliche Stellen darüber informiert werden können, wo die Bedürfnisse der Bevölkerung bisher nicht ausreichend getroffen werden.
Momentan arbeiten für Ärzte ohne Grenzen 348 internationale und mehr als 3.000 einheimische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Haiti. Seit der Ausweitung der Hilfe können die 26 Krankenhäuser von Ärzte ohne Grenzen nun mehr als 1.300 Patienten aufnehmen. In den letzten zwei Monaten führten Teams von Ärzte ohne Grenzen mehr als 3.700 chirurgische Eingriffe durch, unterstützten 22.000 Menschen mit psychologischer Hilfe und behandelten 54.789 Patienten. Neben 10.500 Zelten wurden mehr als 18.000 Sets mit wichtigen Gebrauchsgegenständen verteilt, die aus Kochutensilien, Hygienebedarf, Wasserkanistern, Decken und Plastikplanen bestehen.
12. März 2010
Fotos: Ärzte ohne Grenzen