Haiti 2010: Dialysebehandlung im General Hospital für Erbebenopfer, die am so genannten Crush-Syndrom leiden, bei dem starke Muskelverletzungen zu Nierenversagen und zum Tod führen können. © Julie Rémy
 
Haiti 2010: Dialysebehandlung im General Hospital für Erbebenopfer, die am so genannten Crush-Syndrom leiden, bei dem starke Muskelverletzungen zu Nierenversagen und zum Tod führen können.


Haiti

Chirurgische Hilfe geht in großem Umfang weiter – Bedarf an Nachsorge für Erdbebenopfer nimmt zu

Unter den Patienten von Ärzte ohne Grenzen in einigen Gegenden Port-au-Princes befinden sich zunehmend Menschen mit Infektionen und Komplikationen. Diese Probleme resultieren aus nur einfachen oder von Laien durchgeführten Behandlungsversuchen der ersten Tage nach dem Erdbeben. Der allgemeine Bedarf nach medizinischer Hilfe nimmt nicht ab, und es bleibt eine Herausforderung, die Versorgung für die steigende Zahl von Patienten mit Nachsorgebedarf zu organisieren. Zudem muss die Unterstützung für Menschen mit chronischen Krankheiten wieder aufgebaut werden, ebenso die Basisgesundheitsversorgung und Geburtshilfe.
Die Mitarbeiter versorgen weiterhin eine beträchtliche Zahl von Patienten chirurgisch. Im Chancerelle-Krankenhaus in Port-au-Prince ist der zweite Operationssaal wieder aufgebaut und für Operationen vorbereitet. Im Choscal Krankenhaus, im Slum von Cité Soleil, haben die Mitarbeiter vor allem geburtshilfliche Notfälle und einige durch Macheten und Schusswunden Verletzte. In der Stadt Les Cayes hat Ärzte ohne Grenzen damit begonnen, das lokale Krankenhaus zu unterstützen. 150 Schwerverletzte wurden operiert, die aus der Hauptstadt dorthin gebracht worden waren.

Das aufblasbare Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince ist so weit vorbereitet, dass morgen die ersten chirurgischen Fälle behandelt werden sollen. 80 Patienten aus dem Trinité- und 100 Patienten aus dem Pacot-Krankenhaus sollen in diese großen aufblasbaren Zelte verlegt werden. In einer an das Krankenhaus in Carrefour angrenzenden Feldklinik wurden rund 40 Menschen operiert, 60 Patienten aufgenommen und 350 Konsultationen durchgeführt.

 

Viel Erfahrung mit psychologischer Hilfe in Katastrophengebieten

Die psychologischen Folgen der Katastrophe werden immer deutlicher. Ärzte ohne Grenzen hat viel Erfahrung mit der psychologischen Hilfe in Katastrophengebieten. Spezialisten arbeiten in Haiti mit Patienten in den Krankenhäusern der Organisation – zudem betreuen sie Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, die zum Zeitpunkt des Erdbebens im Land waren und durch die schrecklichen Ereignisse schwere Traumata erlitten haben.

Durch die Zerstörung ihrer Häuser und Habseligkeiten besteht ein großer Bedarf an Unterstützung für die Basisversorgung. Ärzte ohne Grenzen beginnt in der Stadt Jacmel damit, Decken, Eimer, Seife und Kochutensilien an Familien zu verteilen. Die Teams hoffen, die Ausgabe solcher Materialien auf andere Orte auszuweiten. Heute wird die erste Lieferung von entsprechendem Nachschub per Boot nach Port-au-Prince kommen. Der Frachtplan sieht vor, dass auf verschiedenen Transportwegen 20.000 Kits mit diesen lebenswichtigen Gütern in den kommenden Wochen eintreffen sollen.

 

23. Januar 2010

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Fotos: Julie Rémy



Länderinformationen

Haiti
Haiti
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