Haiti 2010: Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten unter Zeltplanen medizinische Nothilfe vor dem Gelände des zerstörten Trinité-Krankenhauses. © Julie Remy © Julie Remy
 
Haiti 2010: Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen leisten unter Zeltplanen medizinische Nothilfe vor dem Gelände des zerstörten Trinité-Krankenhauses. © Julie Remy


Haiti

1.500 Patienten behandelt - Erdbebenhilfe ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Port-au-Prince konzentrieren sich im Moment darauf, die chirurgischen Aktivitäten auszuweiten. 300 Menschen wurden ins Krankenhaus Choscol im Distrikt Cité Soleil überwiesen, dort werden sie jetzt in der Einrichtung von Ärzte ohne Grenzen versorgt - zwei Operationssäle sind inzwischen funktionstüchtig. Die anderen medizinischen Mitarbeiter kümmern sich weiterhin um die Hunderten Menschen in den anderen Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen, die dringend Erste Hilfe und Wundversorgung benötigen.
Das Material aus dem zerstörten Krankenhaus Materinité Solidarité wurde in das Choscol-Krankenhaus gebracht. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, da die infizierten Wunden schnell behandelt werden müssen. Zusätzliches Material und ein aufblasbares Krankenhaus sind auf dem Weg nach Haiti.

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen behandeln die Patienten weiterhin in Zelten, die vor dem zerstörten Trinité Krankenhaus und dem ebenfalls beschädigten Rehabilitationszentrum Pacot errichtet wurden. Mehr als 1.500 Patienten wurden bereits behandelt. "Die medizinischen Prioritäten liegen derzeit darauf, die Menschen zu untersuchen, sie zu stabilisieren und an die chirurgischen Teams zu überweisen", erklärt Mego Terzian, Mitarbeiter des Nothilfeteams von Ärzte ohne Grenzen.

 

Nahrung wird knapp, und Wasser ist ein großes Problem

Im Moment sind die größten Probleme die Grundversorgung und der Zugang für die Transporte. Nahrung wird knapp, und Wasser ist ein großes Problem. Ärzte ohne Grenzen beginnt für die Patienten und die Menschen in der Nähe, Trinkwasser zum Choscal-Krankenhaus zu transportieren.

Die Bedürfnisse in der ganzen Stadt sind überwältigend, und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen erhalten Berichte von sehr schweren Zerstörungen und Verlusten in den kleineren Städten nahe der Hauptstadt. Sie werden versuchen, in diese Regionen zu gelangen und zu ermitteln, was Ärzte ohne Grenzen dort tun kann. Mobile Kliniken sind in der Planung. Die Teams wollen sich auch um Geburtshilfe kümmern, die immer eine Priorität von Ärzte ohne Grenzen war. Auch besteht nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes Bedarf an psychologischer Hilfe.

 

Mobile Klinik
Kleinste und flexibelste Form der Gesundheitsversorgung. Wird vor allem in schwach bevölkerten oder entlegenen Gebieten eingesetzt. Das Team fährt mit dem Auto, Motorrad, Fahrrad oder Boot regelmäßig zu den Menschen, bietet medizinische Untersuchungen an und gibt Medikamente aus. Wenn möglich, bringen sie auf dem Rückweg schwer erkrankte Patienten in ein Krankenhaus.
Trinkwasser
Sauberes Trinkwasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, Ziel sind jedoch mindestens 20 Liter zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

25 weitere Mitarbeiter verstärken das Team

Ärzte ohne Grenzen hat bisher zwei Frachtflugzeuge direkt zum Flughafen von Port-au-Prince schicken können. Andere mussten ins benachbarte Santo Domingo fliegen, oft aufgrund des Mangels an Benzin für Flugzeuge in Haiti. Menschen und Material müssen dann über Land reisen. Bis zum Ende des Tages werden 25 neue Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen das Team in Port-au-Prince verstärken.

 

15. Januar 2010

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Fotos: Julie Remy



Länderinformationen

Haiti
Haiti
Fläche:27 750 km²
Einwohner:9,780 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
84/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):52 J.
Lebenserwartung (Frauen):53 J.
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