Haiti 2007: In Cité Soleil, einem der Slums von Port-au-Prince, leistet Ärzte ohne Grenzen vor allem Geburtshilfe und Notfallversorgung. © Pep Bonet
 
Haiti 2007: In Cité Soleil, einem der Slums von Port-au-Prince, leistet Ärzte ohne Grenzen vor allem Geburtshilfe und Notfallversorgung.


Haiti

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010, das etwa 222.000 Todesopfer forderte und 1,5 Millionen Menschen in Haiti obdachlos machte, startete Ärzte ohne Grenzen den größten Nothilfeeinsatz in der 40-jährigen Geschichte der Organisation. Im Oktober reagierten die Teams zudem auf einen landesweiten Cholera-Ausbruch, bei dem sich rund 180.000 Menschen infizierten.

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick (Auszug)

  • Bereits vor dem Erdbeben hatte Ärzte ohne Grenzen rund 800 Mitarbeiter im Land beschäftigt. Das immense Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe führte dazu, dass die Anzahl der Mitarbeiter auf 3.400 Personen erweitert wurde. Vom 12. Januar bis 31. Oktober 2010 behandelten die Teams mehr als 358.000 Patienten und führten rund 16.500 chirurgische Eingriffe in 26 Krankenhäusern und vier mobilen Kliniken durch.
  • Nachdem die Klinik für gynäkologische Notfälle zerstört wurde, unterstützte Ärzte ohne Grenzen die vom Erdbeben verschont gebliebene Geburtsklinik Isaie Jeanty mit Personal, Medikamenten und gynäkologischer Expertise. Die Teams behandelten schwangere Frauen mit medizinischen Komplikationen, boten neo- und post-natale Pflege an und betrieben eine Blut-Datenbank. In Léogâne errichtete Ärzte ohne Grenzen ein 120-Betten-Feldlazarett, das später durch ein stabileres Container-Krankenhaus ersetzt wurde. 2010 kamen in allen von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Kliniken mehr als 15.000 Babys zur Welt.
  • Durch die Zerstörung des Krankenhauses La Trinité verlor Haiti die einzige Einrichtung, die auf die Behandlung von schweren Verbrennungen spezialisiert war. Der Renovierung dieser Abteilung kam daher sehr hohe Priorität zu. Schon Ende März hatte Ärzte ohne Grenzen eine neue Station mit 30 Betten für Verbrennungen auf dem Gelände des Saint Louis-Krankenhauses errichtet.
  • Im diesem Hospital wurde auch psychiatrische Hilfe für all jene Patienten angeboten, die eine Therapie benötigten und die von anderen Einrichtungen überwiesen wurden. Ärzte ohne Grenzen leistete während der ersten Nothilfephase psychologische oder psychiatrische Hilfe für mehr als 40.000 Menschen.
  • Bis Ende Juni verteilte Ärzte ohne Grenzen rund 28.640 Zelte, 2.800 Rollen Plastikplanen und fast 85.000 Hilfsgüter an die Opfer des Erdbebens. Außerdem sorgten die Teams für sauberes Wasser, bauten oder renovierten Latrinen und kümmerten sich um eine sichere Abfallentsorgung in den 26 Kliniken von Ärzte ohne Grenzen.
  • Mitte Oktober tauchten in der Region Artibonite, im Westen Haitis, erste Fälle von Cholera auf. Seit Jahrzehnten hatte es diese Krankheit im Land nicht mehr gegeben. Der Ausbruch weitete sich schließlich auf alle Provinzen aus. Von den offiziell 171.300 Cholera-Patienten behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 91.000. Die Teams stellten landesweit rund 4.000 Betten in 47 Behandlungszentren zur Verfügung. Zudem wurden über 1.000 Tonnen medizinisches und logistisches Material verteilt.
  • 2011 wird Ärzte ohne Grenzen die medizinischen Aktivitäten - einschließlich der Gynäkologie- und Verbrennungsstation - auf drei neu errichtete Krankenhäuser in Port-au-Prince aufteilen. Außerdem werden die Mitarbeiter ein Krankenhaus mit 120 Betten in Léogâne betreiben.
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Latrine
Plumpsklo

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1991 in Haiti tätig.

 

31. Mai 2011

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Fotos: Pep Bonet



Länderinformationen

Haiti
Haiti
Fläche:27 750 km²
Einwohner:9,780 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
84/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):52 J.
Lebenserwartung (Frauen):53 J.
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