Bolivien 2009: Chagas fordert jährlich weltweit 14.000 Todesopfer. Die Krankheit wird durch eine Wanze übertragen, die in den Wänden und Dächern traditionell gebauter Häuser lebt. © Anna Surinyach
 
Bolivien 2009: Chagas fordert jährlich weltweit 14.000 Todesopfer. Die Krankheit wird durch eine Wanze übertragen, die in den Wänden und Dächern traditionell gebauter Häuser lebt.


Bolivien

Bolivien: Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die Krankheit Chagas gehört zu den parasitären Erkrankungen auf dem amerikanischen Kontinent, die sehr häufig zum Tod führt. In der Region ist Bolivien das am stärksten betroffene Land.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Wenn die Krankheit im frühen Stadium unbehandelt bleibt, kann sie später zu Herz-Kreislauf-Problemen, Magen-Darm- oder neurologischen Störungen führen. Die Diagnose ist kompliziert, und das bolivianische Gesundheitsministerium hat weder die finanziellen noch die personellen Möglichkeiten, um die Krankheit landesweit zu diagnostizieren und zu behandeln. Das Ministerium konzentriert sich darauf, junge Patienten zu therapieren, die an Chagas erkrankt sind. Denn bei Kindern ist die Behandlung weitaus erfolgreicher: Die Wahrscheinlichkeit einer Heilung liegt bei Kindern unter zehn Jahren bei fast 100 Prozent, bei Erwachsenen hingegen bei weniger als 50 Prozent. Darüber hinaus sind Kinder gefährdeter, die schwerwiegenden Störungen von Chagas zu entwickeln.
  • Im Departamento Cochabamba betreut Ärzte ohne Grenzen kostenlos Chagas-Projekte. Die Hilfe ist in die ländlichen Gesundheitszentren integriert, die basismedizinische Versorgung leisten. Die Mitarbeiter diagnostizieren und behandeln Erwachsene bis zum Alter von 60 Jahren. Ihr Hauptanliegen ist es allerdings, Kinder unter 15 Jahren und Frauen unter 45 Jahren zu therapieren. Frauen dieser Altersgruppe sind deshalb eine Priorität, da ihre Behandlung verhindern würde, dass sie im Fall einer Schwangerschaft den Parasiten an das Kind weitergeben. Die Nebenwirkungen der Medikamente halten Frauen mit Chagas von der Behandlung ab, wenn sie schwanger sind oder ihr Kind stillen. Sie werden daher erst behandelt, wenn sie abgestillt haben. Mehr als 1.300 Patienten haben im Jahr 2010 mit der Therapie begonnen.
  • Die Häufigkeit von Chagas bei Frauen im gebärfähigen Alter liegt bei 70 Prozent in einigen Teilen der Provinz Narciso Campero, die zum Departamento Cochabamba gehört. Für einige Patienten ist es zudem schwierig, in die Gesundheitszentren zu kommen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen untersuchen und behandeln Patienten in 26 Gemeinden sowie in den Krankenhäusern von Aiquile, Pasorapa und Omereque. 1.451 wurden auf Chagas diagnostiziert, und 908 Patienten starteten 2010 ihre Behandlung.
  • In der Stadt Cochabamba arbeitet Ärzte ohne Grenzen in 18 Kliniken, in denen Chagas in die Basisgesundheitsversorgung integriert ist. Im Jahr 2010 wurden 1.085 Personen positiv getestet und 436 Patienten begannen mit der Therapie. Die Behörden werden im Jahr 2011 das Projekt übernehmen.
  • Neben der Diagnose und Behandlung kümmert sich Ärzte ohne Grenzen auch um die Prävention. Die Krankheit wird von Raubwanzen auf Menschen übertragen. Es ist daher entscheidend zu verhindern, dass die Raubwanzen die Patienten nach Abschluss ihrer Behandlung erneut infizieren. Seit Mitte 2009 trainiert Ärzte ohne Grenzen daher die Patienten, damit sie die Raubwanzen in ihren Häusern selbst aufspüren können. Eine andere Art der Aufklärungsarbeit ist der „Chagas-Bus“. Die Teams fahren mit dem Bus durch die Region und klären die Bevölkerung über Vorsorgemaßnahmen, Verbreitung der Krankheit, Tests und Behandlung auf. In drei Städten wurden zudem Patientengruppen gebildet, die Aufklärungsarbeit leisten.
  • Im Mai 2010 verabschiedete die Weltgesundheitsversammlung eine Chagas-Resolution, die viele Empfehlungen von Ärzte ohne Grenzen beinhaltet. Dazu gehören u.a. die Integration der Behandlung in die basismedizinische Versorgung oder die Förderung von Forschungsvorhaben, um die Krankheit besser kontrollieren zu können.

 

Parasiten
Schmarotzer: Lebewesen, die teilweise oder vollständig auf Kosten anderer Organismen leben.
Chagas
Krankheit die durch einen Parasiten verursacht wird, den die blutsaugende Raubwanze überträgt. Erkrankte können Jahre ohne Symptome bleiben. Unbehandelt kann die Krankheit zu lebensbedrohlichen Problemen wie Herz- und Darmkomplikationen führen. Chagas tritt in den meisten Ländern Lateinamerikas endemisch auf. In der Region Arauca in Kolumbien kommt Chagas besonders häufig vor.

 

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1986 in Bolivien aktiv.

 

31. Mai 2011
Fotos: Anna Surinyach


Länderinformationen

Bolivien
Bolivien
Fläche:1 098 581 km²
Einwohner:9,684 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 1,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
52/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):63 J.
Lebenserwartung (Frauen):67 J.
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