Bolivien 2009: Chagas fordert jährlich weltweit 14.000 Todesopfer. Die Krankheit wird durch eine Wanze übertragen, die in den Wänden und Dächern traditionell gebauter Häuser lebt. © Anna Surinyach
 
Bolivien 2009: Chagas fordert jährlich weltweit 14.000 Todesopfer. Die Krankheit wird durch eine Wanze übertragen, die in den Wänden und Dächern traditionell gebauter Häuser lebt.


Bolivien

Bolivien: Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Die Krankheit Chagas ist in Bolivien weit verbreitet und kann tödlich enden. Am gefährdetsten sind Menschen, die in einfachen Unterkünften leben. Zudem haben sie oft keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Chagas ist eine parasitäre Erkrankung, die hauptsächlich von Raubwanzen (Vinchugas) übertragen wird. Die Insekten leben in den Wand- und Dachritzen von Lehm- und Strohhäusern. Menschen, die in derartigen Unterkünften wohnen, sind daher besonders gefährdet, an Chagas zu erkranken.

    Obwohl Chagas ernste, sogar tödliche Herz- und Darmprobleme verursachen kann, leben Infizierte manchmal jahrelang mit der Krankheit, ohne Symptome zu entwickeln. Sreenings sind somit besonders wichtig, um Chagas erfolgreich zu bekämpfen. Da das Gesundheitssystem in Bolivien aber kostenpflichtig ist, können sich viele Infizierte eine Behandlung nicht leisten.

  • Im April 2011 übergab Ärzte ohne Grenzen das Chagas-Programm in Cochabamba-Stadt an die Behörden. Die Teams hatten drei Jahre lang in einigen der ärmsten Stadtviertel gearbeitet und mehr als 20.000 Personen auf Chagas untersucht. Rund 3.000 Menschen wurden positiv getestet und etwa 1.900 behandelt.
  • Im Department Cochabamba lief das Projekt in der ländlichen Provinz Narciso Campero allerdings weiter. Hier kommt die Krankheit landesweit mit am häufigsten vor. Ärzte ohne Grenzen war die erste Organisation, die hier Diagnose- und Therapiemöglichkeiten anbot. So wurden Patienten versorgt, die noch keine Herz- oder Darmprobleme entwickelt hatten.

    Die Teams behandelten die Patienten und arbeiteten mit den Mitarbeitern lokaler Kliniken und Gesundheitszentren zusammen. Sie boten Trainings an und verbesserten die Lieferkette für Medikamente sowie die Behandlung. Um Chagas vorzubeugen, muss die Diagnose und Behandlung in die lokalen Gesundheitseinrichtungen integriert werden. Die Teams leisteten zudem Aufklärungsarbeit in den Gemeinden. Sie gaben auch Workshops für Lehrer, Studenten, Gemeindeführer sowie Patientengruppen und nahmen regelmäßig an einer Radiosendung teil. Im Jahr 2011 wurden 3.270 Personen in der Provinz Narciso Campero auf Chagas untersucht. 1.270 Personen wurden positiv getestet und 716 Patienten behandelt. In den ländlichen Kliniken, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt wurden, untersuchten die Teams weitere 1.833 Personen, von denen 399 behandelt wurden.

  • Noch immer gibt es keinen verlässlichen Heilungstest für Chagas. Ärzte ohne Grenzen nimmt daher an einer Studie der Forschungsinitiative für vernachlässigte Krankheiten (DNDi) teil, die möglicherweise zu einem solchen Test führt. Forscher testen Patienten in Bolivien, um festzustellen, ob eine Polymerase-Kettenreaktion – eine Methode, die die Erbsubstanz DNA vervielfältig – hilfreich ist, um genau festzustellen, ob der Patient auf die Behandlung anspringt.
  • Benznidazole ist das häufigste Medikament gegen Chagas. Im Oktober 2011 kam es zu einem Lieferengpass in mehreren lateinamerikanischen Ländern. Ärzte ohne Grenzen musste daher neu geplante Projekte in Bolivien aussetzen. Der Engpass wurde unter anderem durch Planungsfehler in einem brasilianischen staatlichen Labor verursacht, welches das Medikament herstellt. Ärzte ohne Grenzen rief das brasilianische Gesundheitsministerium dazu auf, die Produktion von Benznidazole zu beschleunigen. Trotzdem gab es zum Jahresende weiterhin Lieferengpässe.
  • Ein Erdrutsch in Callapa, einem Stadtteil von La Paz, machte im Februar rund 5.000 Menschen obdachlos. Ärzte ohne Grenzen stellte daraufhin in sieben Notunterkünften Trinkwasser und sanitäre Anlagen zur Verfügung.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.
Chagas
In Lateinamerika übertragen blutsaugende Raubwanzen, die in den Wänden der dort verbreiteten Lehm- und Strohhütten leben, die Chagas-Krankheit. Diese bleibt oft jahrelang ohne Symptome, kann aber unbehandelt zu lebensbedrohlichen Herzkomplikationen führen.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1986 in Bolivien.

 

01. Mai 2012
Fotos: Anna Surinyach


Länderinformationen

Bolivien
Bolivien
Fläche:1 098 581 km²
Einwohner:9,684 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 1,2/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
52/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):63 J.
Lebenserwartung (Frauen):67 J.
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