Zentralafrikanische Republik 2007: Mit mobilen Kliniken versucht Ärzte ohne Grenzen die Menschen zu erreichen. Ein Team spricht mit den Bewohner des Dorfes Massabiou, um zu ermitteln, welche Hilfe dort nötig ist.
Zentralafrikanische Republik
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Die Zentralafrikanische Republik leidet seit fünf Jahren unter einem bewaffneten Konflikt. Die Gesundheitsversorgung ist für die Bevölkerung ein enormes Problem, da viele Menschen in isolierten Regionen leben. Die Fahrt zu einer Klinik ist gefährlich, da es oft zu Überfällen kommt. Im Jahr 2010 unterstützte Ärzte ohne Grenzen vor allem Gesundheitseinrichtungen im umkämpften Norden. Zudem reagierten die Teams auf medizinische Notfälle im Süden des Landes.
Die Aktivitäten im Überblick (Auszug):
- Seit 2006 arbeitet Ärzte ohne Grenzen im Referenzkrankenhaus in Paoua, Präfektur Ouham-Pendé, im Nordwesten des Landes. Die Teams führten im Jahr 2010 rund 35.150 Konsultationen durch, versorgten 6.900 Patienten stationär, gaben 7.400 vorgeburtliche Sprechstunden und halfen bei 1.500 Geburten. Außerdem behandelten sie 320 HIV/Aids-Patienten. In sieben Kliniken der Umgebung hielten sie 4.000 Sprechstunden monatlich ab. Im Krankenhaus von Bocaranga, einer Stadt rund 100 Kilometer westlich von Paoua, unterstützte Ärzte ohne Grenzen die pädiatrische Station. 160 Kinder wurden stationär versorgt und rund 1.000 Sprechstunden für Kinder unter fünf Jahren monatlich geführt.
- In der Präfektur Ouham, östlich von Ouham-Pendé, arbeitete Ärzte ohne Grenzen in dem von Rebellen kontrollierten Grenzgebiet zum Tschad. In der Stadt Boguila unterstützten die Teams ein Krankenhaus mit 115 Betten. Sie boten Chirurgie, Geburtshilfe, psychologische Beratung, HIV- und TB-Behandlung sowie ambulante Konsultationen an. Zudem richteten sie ein Mütterhaus ein, in dem Risiko-Schwangere auf ihre Entbindung warten können. Im November errichtete das Team ein "chirurgisches Camp" auf dem Krankenhausgelände: 78 Frauen, die während des Geburtsvorgangs eine Fistelverletzung erlitten hatten, wurden operiert. Die Klinik in Maitikoulou wurde im Jahr 2010 zu einem Krankenhaus mit 70 Betten umgebaut. Die Mitarbeiter hielten rund 48.320 Sprechstunden und versorgten 2.370 Patienten stationär. Außerdem wurden 50 Personen behandelt, die sich mit der Schlafkrankheit infiziert hatten. Die Infektion greift das zentrale Nervensystem an und führt unbehandelt zum Tod. Die Arbeit im Krankenhaus der Stadt Markounda wurde im Oktober an die Behörden übergeben. In den Gesundheitszentren des Distriktes führten die Teams ihre Arbeit fort. In der Stadt Kabo betreuten sie ein Gesundheitszentrum und unterstützten vier Kliniken. 104.000 Patienten wurden ambulant und 2.850 Personen stationär behandelt. In der Stadt Batangafo leisteten die Mitarbeiter umfangreiche Hilfe im 170-Betten-Referenzhospital. Außerdem betreuten sie fünf Kliniken außerhalb der Stadt sowie eine mobile Klinik. Sie behandelten 48.000 Malaria-Patienten, führten 1.000 chirurgische Eingriffe durch und halfen bei 1.300 Geburten.
- Der bewaffnete Konflikt in der nördlichen Präfektur Bamingui-Bangoran führt immer wieder zur Vertreibung der Bevölkerung. Ärzte ohne Grenzen nahm im Juli 2010 die Arbeit im Ndele-Krankenhaus auf und betreute mobile Kliniken. 28.700 Patienten wurden ambulant und 300 Personen stationär behandelt.
- Im Südwesten des Landes behandelte Ärzte ohne Grenzen 2.800 mangelernährte Kinder in Carnot, Mbaïki und Pissa.
- Entlang des Flusses Ubangi versorgten die Teams im Jahr 2010 etwa 15.000 kongolesische Flüchtlinge und Einheimische. Monatlich hielten sie rund 5.000 Sprechstunden und impften im Februar etwa 12.500 Kinder gegen Masern.
- In der Grenzstadt Zémio eröffnete Ärzte ohne Grenzen im Mai ein Krankenhaus und ein Gesundheitszentrum, nachdem Tausende Kongolesen vor den Angriffen der Lord´s Resistance Army dorthin geflohen waren. Die Teams gaben rund 14.750 Sprechstunden, eröffneten ein Ernährungszentrum und führten eine Impfkampagne gegen Masern durch.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Ernährungszentrum
- Mangelernährte Kinder werden in den meisten Fällen ambulant versorgt. In der Regel erhalten die Mütter eine kalorienreiche therapeutische Fertignahrung, die sie ihren Kindern über einen Zeitraum von rund sechs Wochen verabreichen können. Kranke, stark mangelernährte Kinder bleiben zur intensiven Behandlung im Ernährungszentrum.
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
- Malaria
- Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
- Masern
- Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
- Schlafkrankheit
- Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) wird durch die Tse-Tse-Fliege übertragen und führt ohne Behandlung zum Tod. Im Endstadium schädigen die Parasiten (Trypanosomen) das zentrale Nervensystem, was zu schweren Schlafstörungen, zur Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie zu Verhaltensänderungen und geistiger Verwirrung führt.
- Impfkampagne
- Besteht die Gefahr einer Epidemie, beispielsweise durch Masern oder Meningitis, wird die Bevölkerung in dem betroffenen Gebiet geimpft, um eine Ansteckung mit der Krankheit zu verhindern. Jeder Geimpfte wird registriert und erhält einen Impfpass. Oft werden bei einer Kampagne mehrere Zehntausend Menschen erreicht.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 1997 in der Zentralafrikanischen Republik aktiv.
31. Mai 2011
Fotos: Spencer Platt/Getty Images