Uganda 2007: Bei Ausbruch einer Meningitis-Epidemie gehört die Impfung der Bevölkerung zu den ersten Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. © Vanessa Vick
 
Uganda 2007: Bei Ausbruch einer Meningitis-Epidemie gehört die Impfung der Bevölkerung zu den ersten Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.


Uganda

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Rund acht Prozent der Bevölkerung sind mit HIV/Aids infiziert. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge leben mehr als eine Million Menschen in Uganda mit HIV oder Aids. Dazu gehören auch die 312.000 Infizierten, die eine antiretrovirale Therapie benötigen. Es wird geschätzt, dass landesweit etwa 42 Prozent der Patienten diese überlebensnotwendige Behandlung erhalten. Allerdings ist dieser Prozentsatz im Norden des Landes weitaus niedriger.                                                                                                                                                            
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom

 

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Die HIV/Aids-Klinik von Ärzte ohne Grenzen in Arua bietet eine integrierte Behandlung für HIV und die Begleitinfektion Tuberkulose (TB) an. Außerdem erhalten unterernährte Kinder und Erwachsene mit HIV/Aids Nahrungsmittelunterstützung, Schwangere können vorgeburtliche Untersuchungen wahrnehmen und die Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind wird verhindert. Im Regionalkrankenhaus von Arua  bekommen 4.700 Patienten antiretrovirale Medikamente. Gleichzeitig unterstützt Ärzte ohne Grenzen drei dezentralisierte HIV/Aids-Kliniken in der West-Nil-Region, um sicherzustellen, dass die Menschen auch lokal Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.
  • In Madi/Opei, im Distrikt Kitgum, haben nur zehn Prozent der HIV-positiven Patienten die Möglichkeit, sich behandeln zu lassen. Ärzte ohne Grenzen stellt die Behandlung von HIV/Aids und Tuberkulose ambulant, stationär sowie auf der Entbindungsstation des Krankenhauses zur Verfügung. Jeden Monat kommen rund 2.000 Patienten zur Sprechstunde, rund 100 Patienten werden monatlich neu in die Klinik aufgenommen.
  • Im Distrikt Gulu führen die Mitarbeiter ihre Aktivitäten im Gesundheitszentrum von Lalogi weiter, das rund 21 Meilen südöstlich der Stadt Gulu liegt. Damit das Gesundheitsministerium dieses Projekt später übernehmen kann, arbeiten die Mitarbeiter so nachhaltig wie möglich. Zu den Aktivitäten gehören die Entbindungsstation, die stationäre Versorgung, mobile Dienste sowie die Behandlung von HIV/Tuberkulose. Im Jahr 2008 behandeln die Teams mehr als 53.000 Patienten.
  • Im November 2007 kommt es aufgrund der erbärmlichen sanitären Verhältnisse in den Vertriebenenlagern zu einer Hepatitis-E-Epidemie. Hepatitis E ist ein Virus, das sich durch verseuchtes Wasser oder Nahrungsmittel verbreitet. Es gibt weder eine Therapie noch eine Impfung. Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich daher darauf, die infizierten Patienten aufzuspüren und zu versorgen, um so die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Da schwangere Frauen und Kinder am gefährdetsten sind, gehören sie zur wichtigsten Zielgruppe. Bis zum Jahresende 2008 behandeln die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen mehr als 1.500 Patienten in Kitgum. Sie richten auch vorbeugende Maßnahmen sowie ein Überweisungssystem ein, um die Verbreitung sowohl lokal als auch in andere Distrikte zu unterbinden.
  • Von Ende 2007 bis zum Jahresbeginn 2008 reagiert Ärzte ohne Grenzen auf den Ausbruch des hämorrhagischen Fiebers Ebola in den beiden besonders betroffenen Gebieten Bundibugyo und Kikyo, im Westen des Landes.
  • Auf dem Höhepunkt einer Choleraepidemie zwischen Januar und April 2008 im Distrikt Arua werden täglich etwa 40 Patienten in ein Cholera-Behandlungszentrum aufgenommen.
  • Flüchtlinge, die vor den Kämpfen in der Demokratischen Republik Kongo fliehen, werden Ende 2008 von Ärzte ohne Grenzen in Ishasha/Matanda und Nakivale unterstützt. Die Teams betreuen ein Gesundheitszentrum und verbessern die Trinkwasser- und sanitäre Versorgung in den Camps.
  • In Karamoja, im Nordosten Ugandas, führen eine schlechte Ernte im Jahr 2006, wenig Regen im Jahr 2007 sowie späte Regenfälle im Jahr 2008 zu einem Nahrungsmittelengpass, erhöhten Preisen und leeren Lagern. Ärzte ohne Grenzen startet daher im Juni 2007 im Distrikt Kaabong ein Nahrungsmittelprojekt, das auch 2008 weitergeführt und erst im Dezember an die Organisation "Action Contre la Faim" übergeben wird. Allein im Jahr 2008 behandelt Ärzte ohne Grenzen fast 900 schwer unterernährte sowie 2.500 moderat unterernährte Patienten.
  • Unterernähung wird zwischen Januar und Juli 2008 im Stabilisierungszentrum des Krankenhauses von Kaabong behandelt. Ab Juli wird das Projekt auch auf die Kinderstation und alle Aktivitäten der Reproduktionsmedizin ausgedehnt. 2009 soll das Projekt weiter ausgeweitet werden und auch Gewaltopfer aus den Entwaffnungsmaßnahmen der Regierung aufnehmen.
  • Nach Berichten über zunehmende Unterernährungsraten in Karamoja startet Ärzte ohne Grenzen eine zweite Ernährungsaktion in den Distrikten Moroto und Nakapiripirit. Hier werden beinahe 4.000 unterernährte Kinder behandelt.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Wasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt. Teams von Ärzte ohne Grenzen isolieren die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapieren vor allem mit einer speziellen Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Ebola
Hochansteckende Viruserkrankung, die zu den hämorrhagischen Fiebern zählt und meist tödlich verläuft. Symptome sind unter anderem hohes Fieber, Erbrechen und Blutungen. Patienten müssen isoliert und Kontaktpersonen überwacht werden.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Gesundheitszentrum
Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
Impfung
Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
Trinkwasser
Sauberes Trinkwasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, Ziel sind jedoch mindestens 20 Liter zum Trinken, Waschen und Kochen.
Tuberkulose
Rund neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose, vor allem in ärmeren Ländern. Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Tuberkulose ist häufig eine opportunistische Infektion bei HIV/Aids. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwändig. Zunehmend werden die multiresistente (MDR-TB) sowie die extrem multiresistente Form (XDR-TB) der Tuberkulose diagnostiziert. In diesem Fall sind die Krankheitserreger gegen die meisten Medikamente resistent, und die Patienten müssen 18 bis 24 Monate lang täglich rund 20 Tabletten mit starken Nebenwirkungen einnehmen. Die Behandlung der extrem multiresistenten Form der Tuberkulose (XDR-TB) ist praktisch unmöglich.
Virus
Viren sind Erreger, die entweder nur DNA oder RNA enthalten und zu ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung die Enzyme einer Wirtszelle benötigen, auf die sie sich dann häufig krankheitsauslösend wirken.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1980 in Uganda.

 

August 2008
Fotos: Vanessa Vick



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