Uganda 2007: Bei Ausbruch einer Meningitis-Epidemie gehört die Impfung der Bevölkerung zu den ersten Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. © Vanessa Vick
 
Uganda 2007: Bei Ausbruch einer Meningitis-Epidemie gehört die Impfung der Bevölkerung zu den ersten Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.


Uganda

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Nachdem die Friedensgespräche im Jahr 2006 begonnen hatten, verbesserte sich die Sicherheitslage im Norden. Etwa 95 Prozent der 1,6 Millionen Menschen, die durch die Kämpfe vertrieben wurden, sind mittlerweile in ihre Dörfer zurückgekehrt. Das Gesundheitssystem wird langsam wiederaufgebaut, aber es mangelt an ausgebildeten Fachkräften und der regelmäßigen Lieferung von Medikamenten.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • In Uganda gibt es zu wenig Hilfe für Menschen, die unter HIV/Aids, Tuberkulose und Malaria leiden. Das Krankenhaus in Arua, im Nordwesten Ugandas, bietet daher eine integrierte Behandlung für HIV-Positive, die gleichzeitig an Tuberkulose (TB) erkrankt sind. Die Mitarbeiter versorgen zudem mangelernährte HIV-positive Kinder und Erwachsene mit verzehrfertiger Nahrung. Von den rund 8.000 im Krankenhaus behandelten HIV-Positiven erhielten im Jahr 2010 etwa 5.500 Patienten antiretrovirale Medikamente. In der Region West-Nil nahm Ärzte ohne Grenzen monatlich durchschnittlich 158 Patienten in das HIV-Behandlungsprogramm auf. In den nördlich gelegenen Städten Madi Opei und Kitgum Matidi wurden bis zum Jahresende etwa 1.120 HIV-positive Patienten in das Behandlungsprogramm aufgenommen. 520 von ihnen erhielten antiretrovirale Medikamente.
  • Für eine erfolgreiche TB-Behandlung ist es notwendig, dass die Patienten über einen langen Zeitraum regelmäßig ihre Tabletten nehmen. Wer die Therapie unterbricht, riskiert, dass die Erreger nicht mehr auf die Medikamente ansprechen, sich also Resistenzen entwickeln. Dies wiederum begünstigt die Entwicklung der medikamentenresistenten TB (DR-TB). Die Therapie dieser TB-Form ist noch komplexer und dauert bis zu zwei Jahren. Im Jahr 2010 erhöhte Ärzte ohne Grenzen die Anzahl der TB-Screening-Zentren in den nördlichen Distrikten Kitgum und Lamwo von sieben auf 13. Mehr als 310 neue TB-Patienten begannen mit ihrer Therapie. Die Teams starteten auch mit der Behandlung von DR-TB.
  • Malaria ist die Haupttodesursache von kleinen Kindern in Uganda. Ärzte ohne Grenzen behandelte etwa 26.000 Malaria-Patienten mit der artemisininbasierten Kombinationstherapie. Sie ist sehr effektiv, hat wenig Nebenwirkungen und wirkt sehr schnell.
  • Uganda ist das einzige Land, in dem es derzeit zwei Formen der Schlafkrankheit gibt: Die "rhodesische" Form ist als akute Variante bekannt, die "ghambische" als eine sich langsamer entwickelnde Variante. Beide Formen greifen das zentrale Nervensystem an und führen unbehandelt zum Tod. Ärzte ohne Grenzen unterstützte im Jahr 2010 das Programm des Gesundheitsministeriums in der West-Nil-Region: Die Teams führten Screenings durch, gaben technische Unterstützung und bildeten Gemeindegesundheitsarbeiter aus.
  • Im Nordosten des Landes, in der Region Karamoja, gibt es kaum Gesundheitseinrichtungen. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen gaben mehr als 26.000 pädiatrische Sprechstunden im Krankenhaus von Kaabong sowie in den Gesundheitszentren und mobilen Klinken in der Region. Außerdem eröffneten die Teams zusammen mit der lokalen Nichtregierungsorganisation AWARE ein Haus für Schwangere. Hier können Frauen, die eine komplizierte Entbindung erwarten, die letzten Wochen ihrer Schwangerschaft verbringen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass sie bei der Geburt medizinische Hilfe erhalten.
Aids
acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Resistenz
Eingeschränkte oder fehlende Sensitivität von Krankheitserregern gegenüber Medikamenten, die dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Resistenzen bilden sich, wenn Medikamente nicht vorschriftsmäßig oder über sehr lange Zeiträume eingenommen werden. Multimedikamentenresistente und extrem multimedikamentenresistente Formen einer Erkrankung sind besonders schwer oder gar nicht mehr behandelbar, zum Beispiel bei Tuberkulose.
Schlafkrankheit
Die Schlafkrankheit (Trypanosomiasis) wird durch die Tse-Tse-Fliege übertragen und führt ohne Behandlung zum Tod. Im Endstadium schädigen die Parasiten (Trypanosomen) das zentrale Nervensystem, was zu schweren Schlafstörungen, zur Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie zu Verhaltensänderungen und geistiger Verwirrung führt.
Tuberkulose
Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1980 in Uganda.

 

31. Mai 2011
Fotos: Vanessa Vick



Länderinformationen

Uganda
Uganda
Fläche:241 038 km²
Einwohner:31,657 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,1/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
79/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):49 J.
Lebenserwartung (Frauen):51 J.
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