Tschad 2007: Neben der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen und Vertriebenen im Tschad kümmert sich Ärzte ohne Grenzen auch um Trinkwasserversorgung. © Tim Dirven
 
Tschad 2007: Neben der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen und Vertriebenen im Tschad kümmert sich Ärzte ohne Grenzen auch um Trinkwasserversorgung.


Tschad

Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick

Nach einer langen Trockenperiode folgten im Jahr 2010 die heftigsten Regenfälle seit 40 Jahren. Sie schnitten nicht nur ganze Dörfer von der Außenwelt ab, sondern zerstörten auch die Ernte. Es kam zu einer größeren Nahrungsmittelkrise und dem Ausbruch von Krankheiten wie Cholera, Meningitis oder Masern. In der Sahel-Region, im Westen des Tschad, litt zudem ein Viertel aller Kinder unter fünf Jahren unter akuter Mangelernährung.

Die Aktivitäten im Einzelnen (Auszug)

  • Die politischen Beziehungen zwischen Tschad und Sudan verbesserten sich im Jahr 2010. Die Regierungen einigten sich über die Lieferung von Waffen und die Unterstützung von Aufständigen. Daraufhin verließen die UN-Friedenstruppen im Dezember 2010 das Land. Gleichwohl wurden im Osten des Landes sporadische Kämpfe gemeldet, und humanitäre Organisationen wurden das Ziel von Entführungen, Raub und Gewalt. Viele Hilfsorganisationen mussten ihre Aktivitäten reduzieren oder ganz einstellen.
  • In der 30 Kilometer von der sudanesischen Grenze liegenden Stadt Dagdoré führten die Teams von Ärzte ohne Grenzen rund 12.100 Konsultationen durch und behandelten in den ersten sieben Monaten des Jahres 430 Patienten im Krankenhaus, gaben 2.460 vorgeburtliche Sprechstunden, halfen bei 200 Geburten und impften 1.060 Kinder gegen Masern. Im Juli musste das Projekt aufgrund gewalttätiger Zwischenfälle geschlossen werden.
  • In der südöstlich gelegenen Stadt Kerfi arbeiteten die Teams in einer kleinen Klinik. Sie gaben 26.700 Konsultationen, behandelten 1.500 Patienten stationär, führten 3.000 vorgeburtliche Sprechstunden durch und entbanden rund 100 Babys. Im Krankenhaus von Am Timan arbeitete Ärzte ohne Grenzen in einem Krankenhaus und drei Gesundheitszentren. Zudem betreuten die Teams mobile Kliniken und gaben vorgeburtliche Konsultationen. Insgesamt wurden 1.030 Kinder entbunden und 1.750 Patienten stationär behandelt.
  • In der Stadt Abéché unterstützten die Mitarbeiter 3.400 Geburten und behandelten 144 Frauen, die unter Geburtsverletzungen litten.
  • Im Distrikt Moissala, im Süden des Landes, behandelte Ärzte ohne Grenzen in fünf Monaten mehr als 20.000 Malaria-Patienten ambulant im Krankenhaus. Etwa 1.030 Patienten mussten stationär aufgenommen werden. In mehreren Kliniken bildeten die Teams zudem Gesundheitshelfer aus, um sie in die Lage zu versetzen, Kranke auf Malaria zu untersuchen und leichte Fälle früh zu behandeln.
  • In der Hauptstadt N´Djamena reagierten die Teams auf einen Masern-Ausbruch. Sie behandelten rund 1.000 Patienten, 420 davon stationär. Außerdem impften sie rund 482.000 Kinder.
  • Aufgrund der Nahrungsmittelkrise stieg die akute Mangelernährungsrate bei Kindern stark an. An 15 Standorten behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 27.650 Kinder, von denen 21.740 schwer mangelernährt waren.
  • Als im September 2010 in der Hauptstadt N´Djamena Cholera ausbrach, eröffneten die Teams Behandlungszentren in drei Krankenhäusern. Zudem lieferten sie Material und betreuten Patienten in den beiden Distrikten Bongor und Madelia sowie in Bokoro, Pala und Fianga. Insgesamt wurden bis zum Jahresende 6.300 Cholera-Patienten registriert.
  • Im März und April 2010 behandelte Ärzte ohne Grenzen mehr als 1.280 Meningitis-Patienten in den südlichen Regionen Logoné Oriental und Tandjilé. Gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden impften die Teams Hunderttausende von Menschen zwischen zwei und 29 Jahren in Logoné Oriental, Mandoul and Tandjilé.
Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Meningitis
Hirnhautentzündung, die durch unterschiedliche Bakterien oder Viren ausgelöst werden kann. Zu den gefährlichsten Arten gehört die Meningokokken-Meningitis. Südlich der Sahara erstreckt sich vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten der sogenannte „Meningitis-Gürtel”, in dem regelmäßig Epidemien auftreten. Bei Ausbruch der Krankheit führt Ärzte ohne Grenzen Impfkampagnen durch. Seit 2010 teilweise mit einem neuen Impfstoff.

 

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1981 in Tschad.

 

31. Mai 2011
Fotos: Tim Dirven



Länderinformationen

Tschad
Tschad
Fläche:1 284 000 km²
Einwohner:11,067 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,05/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
124/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):43 J.
Lebenserwartung (Frauen):45 J.
Jetzt online spenden! Spendenkonto 97 0 97 - Bank für Sozialwirtschaft - BLZ 370 205 00 Servicetelefon für Spender - Mo-Fr. 8:00 - 18:00 Uhr - 030 - 700 130 130