Tschad

Grenzübertritte und schwierige Lebensbedingungen begünstigen weitere Ausbreitung der Cholera

Seit Ende August im Tschad die Cholera ausgebrochen ist, wurden dort fast 5.000 Krankheitsfälle registriert. Die Epidemie trifft ein Land, das bereits unter einer schweren Ernährungskrise leidet. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen leisten in dieser Notsituation Hilfe.

Der erste Cholera-Fall im Tschad wurde Mitte August gemeldet. Seitdem wurden landesweit fast 5.000 Patienten registriert, die an Cholera erkrankt sind. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen errichteten in den Regionen Lac, Mayo Kebbi West und Mayo Kebbi Ost sowie in der Hauptstadt N'Djamena mehrere Cholera-Behandlungszentren.

"Der Cholera-Ausbruch ist eine weitere Krise, die eine bereits geschwächte Bevölkerung trifft", sagt Dr. Kodjo Edoh, Programmleiter von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. "Das ganze Jahr über mussten die Menschen im Tschad eine Katastrophe nach der anderen erleben: Zuerst brachen die Masern aus, dann nahm die Mangelernährung dramatisch zu, danach folgten Überschwemmungen, Malaria und die Cholera."

In Pala, einer Stadt nahe der Grenze zu Kamerun, wurde der erste Cholera-Patient Anfang September gemeldet. Ende Oktober sind im Distrikt Pala insgesamt 886 Patienten registriert, wobei eine alarmierend hohe Zahl von 199 Patienten allein in der 40. Woche gemeldet wurden. Auch wenn der Höhepunkt der Cholera jetzt überschritten ist, ist die Epidemie noch nicht eingedämmt.

"In einer der am schlimmsten betroffenen Gemeinden in GoyGoudoum, etwa 34 Kilometer von der Stadt Pala entfernt, ist dies der erste Ausbruch seit 20 Jahren", sagt Oscar Niragira, medizinischer Koordinator für Ärzte ohne Grenzen im Tschad. "Der Ausbruch im benachbarten Kamerun ist noch nicht eingedämmt. Zugleich überschreiten die Menschen die Grenze in das Nachbarland, hinzu kommen schwierige Lebensbedingungen, fehlender Zugang zu Trinkwasser und ein geringes Bewusstsein über die Krankheit. All diese Faktoren begünstigen die weitere Ausbreitung der Cholera."

In dem Behandlungszentrum im Dorf GoyGoudoum behandeln Ärzte und Krankenschwestern von Ärzte ohne Grenzen zusammen mit Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums Patienten oral mit Rehydrations-Salzen. Sehr schwer erkrankte Menschen erhalten die Therapie intravenös.

"Ärzte ohne Grenzen ist einer von wenigen medizinischen Akteuren, die das Gesundheitsministerium im Kampf gegen die Cholera und die anhaltende Ernährungskrise unterstützen. Die Behörden versuchen mit den Mitteln, die sie haben, das Bestmögliche. Doch die Gesundheitsstrukturen sind chronisch unterfinanziert, vor Ort wird die Unterstützung weiterer Organisationen benötigt", so Dr. Edoh.

Cholera
Schwere Durchfallerkrankung, die lebensgefährlich sein kann und durch unterschiedliche Erregervarianten des Bakteriums Vibrio cholerae hervorgerufen wird. Die Übertragung erfolgt durch verschmutztes Trinkwasser, verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt mit Erkrankten. Ärzte ohne Grenzen isoliert die Patienten in Cholera-Behandlungszentren und therapiert sie vor allem mit einer Rehydratationslösung, um den hohen Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust auszugleichen. In den meisten Fällen gelingt es, die Sterblichkeit auf unter ein Prozent zu senken. Ohne Behandlung liegt sie bei bis zu 40 Prozent.
Epidemie
gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
Malaria
Häufigste Tropenkrankheit, die durch die weibliche Anopheles-Mücke übertragen wird. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken jährlich rund 225 Millionen Menschen an Malaria, annähernd eine Million Menschen sterben daran. Ärzte ohne Grenzen hat 2010 begonnen, bei schweren Erkrankungen die intravenöse Behandlung auf das neue Medikament Artesunat umzustellen und setzt sich für die weltweite Anwendung dieser Behandlung ein.
Masern
Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
Trinkwasser
Sauberes Wasser ist eine Voraussetzung zum Überleben und zur Vermeidung von Krankheiten. Mitarbeiter bohren Brunnen, organisieren Wassertransporte oder pumpen Flusswasser ab und entkeimen es, meist mit Chlor. Mindestens fünf Liter pro Tag braucht ein Mensch im Flüchtlingslager zum Überleben, 20 Liter sind unter diesen Bedingungen das Minimum zum Trinken, Waschen und Kochen.

 

11. November 2010

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1981 im Tschad tätig. Momentan reagieren die Teams landesweit in elf Regionen auf medizinische Notfälle und leisten in der Hauptstadt N'Djamena Hilfe im Kampf gegen Cholera und Mangelernährung.



Länderinformationen

Tschad
Tschad
Fläche:1 284 000 km²
Einwohner:11,067 Mio. Einw.
Ärzte pro 1000 Einwohner:Ärzte: 0,05/1000 Einw.
Säuglings-
sterblichkeit:
124/1000 Geb.
Lebenserwartung (Männer):43 J.
Lebenserwartung (Frauen):45 J.
Jetzt online spenden! Spendenkonto 97 0 97 - Bank für Sozialwirtschaft - BLZ 370 205 00 Servicetelefon für Spender - Mo-Fr. 8:00 - 18:00 Uhr - 030 - 700 130 130