Tschad
Ärzte ohne Grenzen impft in der Hauptstadt N'Djamena rund 500.000 Kinder gegen Masern
Nachdem bei Kleinkindern und Jugendlichen die Zahl an Masernerkrankungen rasant zugenommen hatte, organisierte Ärzte ohne Grenzen in Zusammenarbeit mit den tschadischen Gesundheitsbehörden einen Noteinsatz: Am 26. März wurde in der Hauptstadt N'Djamena mit einer Massenimpfung gegen Masern begonnen. Von Jahresbeginn bis zum 20. März 2010 waren 3.550 Erkrankungen registriert worden, davon allein 800 in der letzten Woche.
Mehr als sechzig mobile und stationäre Teams wurden in der Stadt mobilisiert, um für die
Impfung aller Kindern im Alter von sechs Monaten bis 15 Jahren zu sorgen. Bis zum 7. April wurden 480.000 Kinder geimpft. Zurzeit wird mit den tschadischen Gesundheitsbehörden geklärt, ob die Abdeckung reicht oder es eine Verlängerung geben soll.
Weitere Teams unterstützen die in verschiedenen Basisgesundheitszentren der Stadt durchgeführten Behandlungen einfacher Masernfälle. Zudem wurden in N'Djamena drei weitere Einrichtungen für kompliziertere Fälle eröffnet.
Darüber hinaus hat Ärzte ohne Grenzen Ernährungszentren eingerichtet, in denen Kinder behandelt werden sollen, bei denen im Rahmen der Untersuchungen und Impfungen schwere Mangelernährung festgestellt wurde.
Masern sind bei Kindern wie Erwachsenen nach wie vor eine häufige Todesursache. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Patienten geschwächt oder mangelernährt sind. In diesen Fällen können manchmal tödliche Komplikationen in Form einer Lungenentzündung auftreten. Wenn das Virus das zentrale Nervensystem angreift, kann es auch zu neurologischen Problemen kommen. Ebenfalls möglich ist eine Schädigung der Augen, die zu einer Erblindung führen kann. Die Massenimpfung bleibt das beste Mittel, um den Umfang und die Auswirkungen einer grassierenden Epidemie zu mindern. Um dabei die bestmögliche Wirkung zu erzielen, müssen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 Monaten und 15 Jahren geimpft werden.
- Epidemie
- gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit. Die Epidemie ist sowohl örtlich als auch zeitlich begrenzt.
- Impfung
- Erzeugung einer Immunität zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten. Aktive Immunisierung: Durch die Gabe von abgeschwächten Krankheitserregern wird der Körper zur Bildung von Antikörpern gegen die jeweiligen Erreger angeregt. Passive Immunisierung: Gabe von Antikörpern (Immunglobulinpräparaten).
- Masern
- Die Krankheit zählt in ärmeren Ländern bei Kindern zu den häufigsten Todesursachen. Besteht die Gefahr einer Masern-Epidemie, führt Ärzte ohne Grenzen in dem betroffenen Gebiet flächendeckende Impfkampagnen durch. Der Impfstoff muss während des Transports ununterbrochen gekühlt werden.
- Massenimpfung
- Gleichzeitige Impfung einer großen Anzahl von Menschen mit dem Ziel, eine Epidemie einzudämmern oder zu verhindern.
- Virus
- Viren sind Erreger, die entweder nur DNA oder RNA enthalten und zu ihrem Wachstum und ihrer Vermehrung die Enzyme einer Wirtszelle benötigen, auf die sie sich dann häufig krankheitsauslösend wirken.
9. April 2010
Fotos: Mathieu Bichet