Mehrere Dutzend junge Männer waren am Dienstag in das Gesundheitszentrum eingedrungen, begannen zu randalieren und griffen jeden an, dem sie begegneten. Sie zerstörten die Einrichtung, die Apotheke sowie Behandlungsräume. Die Patienten, darunter stark unterernährte Kinder, mussten fliehen. Derzeit ist unklar, wo sie sich befinden und wie es ihnen geht. Mehrere Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter wurden während des Angriffs zusammengeschlagen, erlitten aber keine schweren Verletzungen.
Die gewaltsamen Ausschreitungen verlagerten sich in andere Teile der Ortschaft. Dabei gab es eine noch unbekannte Zahl von Toten und Verletzten. Die Beweggründe für den Angriff sind bislang unklar. Es scheint sich jedoch um einen gezielten Angriff auf Nichtregierungsorganisationen (NRO) gehandelt zu haben.
"Wir sind darüber erschüttert und entrüstet, dass Patienten und medizinisches Personal in unserem Gesundheitszentrum angegriffen wurden," sagte Karline Kleijer, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen im Tschad. "Dieser Vorfall belegt eine untragbare Missachtung von humanitärer Hilfe und medizinischen Einrichtungen. Der Spielraum für Nothilfe für die Bevölkerung im Osten des Tschad wird dadurch für Ärzte ohne Grenzen und andere Hilfsorganisationen eingeschränkt. Der Vorfall zeigt außerdem, wie sehr die Zivilbevölkerung unter der allgemein schlechten Sicherheitslage in dieser Gegend des Tschad leidet."
Im Anschluss an die Auseinandersetzungen behandelte Ärzte ohne Grenzen mehrere Verwundete, darunter auch einige der Angreifer. Nachdem die Schwerverletzten versorgt worden waren, verließ das Ärzte ohne Grenzen-Team Kerfi mit Fahrzeugen der Organisation Richtung Goz Beida, wo Ärzte ohne Grenzen eine weitere Basis unterhält. Das in Kerfi verbliebene lokale Personal ist nicht ausreichend ausgebildet, um die Arbeit angemessen fortzusetzen.
Die medizinische Nothilfe von Ärzte ohne Grenzen in Kerfi ist deshalb ausgesetzt. Die Organisation wird den Vorfall untersuchen und danach entscheiden, wann das Team nach Kerfi zurückkehren kann, um die Arbeit wieder aufzunehmen.
Im Gesundheitszentrum von Kerfi bietet Ärzte ohne Grenzen sowohl Dorfbewohnern als auch Vertriebenen rund um die Uhr medizinische Versorgung an, einschließlich therapeutischer Ernährungshilfe für Kinder und Geburtshilfe.
Das Team versorgt jeden Monat mehr als 3.000 Patienten und behandelt etwa 200 Kinder im Ernährungsprogramm. Patienten, die weitergehende Behandlung benötigen, werden in das Krankenhaus von Goz Beida überwiesen (das von einer anderen Organisation unterstützt wird). Mehr als 10.000 tschadische Binnenvertriebene leben in und um Kerfi, das selbst etwa 8.000 Bewohner hat.
| Tschad | |
|---|---|
| Fläche: | 1 284 000 km² |
| Einwohner: | 11,067 Mio. Einw. |
| Ärzte pro 1000 Einwohner: | Ärzte: 0,05/1000 Einw. |
| Säuglings- sterblichkeit: | 124/1000 Geb. |
| Lebenserwartung (Männer): | 43 J. |
| Lebenserwartung (Frauen): | 45 J. |