Swasiland
Die Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Überblick
Swasiland ist mit einer Gesundheitskrise immensen Ausmaßes konfrontiert. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge weist das Land die höchste HIV-Rate weltweit auf. 25,9 Prozent der Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren sind HIV-positiv. Gleichzeitig ist Tuberkulose weit verbreitet - die häufigste Todesursache von HIV-Patienten
- 1.250 Personen pro 100.000 Bewohner leiden an Tuberkulose (TB). Hinzu kommt, dass zehn Prozent aller diagnostizierten TB-Patienten nicht mehr auf die herkömmlichen Medikamente anspricht. Die Lebenserwartung im Land ist über einen Zeitraum von 20 Jahren von durchschnittlich 60 auf 41 Jahre gesunken. Im ländlichen Swasiland gibt es viele kleine isolierte Dörfer. Da sich viele Patienten die lange Fahrt zu den Gesundheitseinrichtungen nicht leisten können, hat Ärzte ohne Grenzen einen dezentralisierten und gemeindeorientierten HIV-Behandlungsansatz entwickelt: In den Dörfern wurden HIV-Berater trainiert, die Tests durchführen können. Ziel ist es, die Anzahl der Tests zu erhöhen, damit die HIV-diagnostizierten Patienten früher behandelt werden können. Im Jahr 2010 unterstützte Ärzte ohne Grenzen alle 21 Kliniken in Shiselweni, der ärmsten und entlegendsten Region des Landes. Jede dieser Kliniken bietet heute eine integrierte Behandlung für HIV/Aids und TB an. Die Teams testeten etwa 14.500 Personen auf HIV. Die Anzahl derjenigen, die eine Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten begannen, verdoppelte sich. Mehr als 2.550 neue TB-Patienten starteten ihre Therapie, darunter auch rund 100 Patienten mit medikamentenresistenter Tuberkulose (DR-TB). Die Behandlung der DR-TB ist eine zunehmende Herausforderung. Ärzte ohne Grenzen unterstützt die Dezentralisierung dieser Therapie in der Hoffnung, dass die Patienten dadurch einen besseren Zugang zu medizinischer Hilfe erhalten. Heute bieten die drei größten Gesundheitseinrichtungen in Shiselweni die DR-TB-Therapie an. Eine weitere Station für medikamentenresistente TB-Patienten und ein Labor sind im Bau und werden voraussichtlich im Juni 2011 fertig sein.
- Ärzte ohne Grenzen begann 2010 ein neues Projekt in der Region Manzini, im Süden der Hauptstadt. Sie ist Swasilands größtes urbanes Zentrum. Die Teams unterstützen das Personal des Gesundheitsministeriums, die TB-Behandlung vom Krankenhaus in die Gesundheitszentren zu dezentralisieren sowie die HIV- und TB-Therapie in ein Krankenhaus im Westen des Landes zu integrieren. Auch Patienten mit DR-TB werden hier behandelt. In der Stadt Matsapha baute Ärzte ohne Grenzen ein Gesundheitszentrum, um umfassende medizinische Hilfe anzubieten, einschließlich HIV und TB. Das Angebot richtet sich vor allem an die arbeitende Bevölkerung des industriellen Zentrums. Zudem wird das nationale Referenzlabor unterstützt.
- In Swasiland herrscht ein enormer Ärztemangel. Aufgrund begrenzter Ressourcen werden außerdem zu wenig Pflegekräfte ausgebildet. Ärzte ohne Grenzen trainiert daher Krankenschwestern und -pfleger, damit sie Medikamente verschreiben oder unkomplizierte Fälle von Tuberkulose behandeln können. Außerdem arbeitet Ärzte ohne Grenzen mit einem Modell von sogenannten "Patienten als Experten" zusammen. Dies sind HIV/Aids-Patienten, die Screenings durchführen, neue Patienten über die Behandlung informieren, sie beraten oder innerhalb der Gemeinde HIV-Aufklärungsarbeit leisten. Im Jahr 2010 waren 80 "Patienten als Experten" für Ärzte ohne Grenzen tätig.
- Aids
- acquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
- Gesundheitszentrum
- Zentrum, in dem die Patienten medizinisch untersucht werden und eine Erst-und Grundversorgung erhalten. Herzstück der Arbeit von Ärzte ohne Grenzen in Flüchtlingslagern. Kleinere Einheiten werden als Gesundheitsposten bezeichnet. Die Statistiken der Zentren dienen gleichzeitig zur epidemiologischen Überwachung.
- Tuberkulose
- Etwa neun Millionen Menschen erkranken jährlich an Tuberkulose (TB). Viele von ihnen sind HIV-Infizierte mit schwachem Immunsystem (sog. Koinfektion). Die Krankheit betrifft vor allem die Lunge, mitunter aber auch andere Organe wie Nieren, Hirnhäute oder Lymphknoten. Eine effektive Behandlung ist möglich, aber langwierig und aufwendig. Ärzte ohne Grenzen nutzt ab 2011 ein neues Diagnose-Gerät, das die Krankheit schneller und sicherer diagnostiziert sowie eine Form der multimedikamentenresistenten-TB erkennt. In solchen Fällen sind die Krankheitserreger gegen die wichtigsten Medikamente resistent und die Patienten müssen zwei Jahre lang täglich Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen.
Ärzte ohne Grenzen ist seit 2007 in Swasiland tätig.
31. Mai 2011
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Fotos: Alexander Glyadyelov